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Der Israelit · 1878-10-09 · Heft 42 (9.10.1878) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 42 (9.10.1878)
Date
1878-10-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1017 nun 9 Personen meistens Wittwen und etliche kranke aktive Lehrer 70—100 Mark per Jahr, zus. 905 M. was Manchem veranlassen dürfte, dem Institut reichlicher und mehr als bisher milde Gaben zuzuwenden. Die Conferenz eröffnete der Vorstand, Oberlehrer Liebmann a. D., mit einem Ausdruck des Abscheues gegen die Attentate auf das geliebte Oberhaupt des deutschen Reiches und der Freude über die Wiedergenesung des kaiserlichen Greises. Diesen Worten stimmte die Versammlung einhellig bei. Kantor Eichberg und der pensionirte Schullehrer Weil, beide in Stuttgart, und Vors. Löwenstein von Heilbronn sprachen über die jetzige Zerfahrenheit und Planlosigkeit, die in Ertheilung des Religionsunterrichts in den Städten herrsche und machten Vorschläge zur Beseitigung dieser Uebelstände, die mehrseitig als unausführbar bezeichnet wurden. Oberlehrer Elsäßer aus Laupheim referirte über den Antrag des abwesenden Volksschullehrers Straßburger in Buttenhausen, die Revision der Lesebibel für israelitischen Volksschulen betreffend. Der Antrag wurde vorerst abgelehnt, da Württemberg zu wenig solcher Anstalten besitze und deren Anzahl immer mehr abnehme. — Mit Dank gegen die israel. Oberkirchenbehörde wurden die Rescripte verlesen, die sie aus die Eingaben der Conferenz erlassen hat, betr. die Vor-, Aus- und Fortbildung der Vorsänger und Lehrer des Landes, und Anerkennung gezollt der Staatöregierung und den Ständen, welche auch neuerdings bei der Schulgesetzgebung die rechtliche Stellung der Lehrer und Vorsänger verbessert haben. Ein Bericht über die Schulpflicht der Schüler von Vorsänger Metzger in Cannstatt wurde mit Interesse vernommen. Des in diesem Jahre verstorbenen Vorsängers Kahn in Ludwigsburg wurde in Ehren gedacht. Herr Hosrath Lcvi beehrte die Conferenz durch seine Anwesenheit und Theilnahme an der Debatte. Bei Tische fand das Hoch auf Se. Maj. den König Karl und die Königin Olga freudigen Wiederhall. Auch auf den Vereinsvorstand und die thätigen Ausschutzmitglieder, und zuletzt auf den Cantor von Stuttgart wurden geistreiche Toaste ausgebracht. Letzterem, weil er durch seinen meisterlichen Vortrag des hebräischen Tischgebetes den Theilnehmern hohen Genuß' für Ohr und Gemüth gebracht hatte. Eine Deputation überbrachte dem Herrn Präsidenten des kath. Kirchenrathes, zugleich Vorstand der israel. Oberkirchenbehörde, Herrn v. Schmidt, den Glückwunsch der Versammlung zu der ihm gewordenen Auszeichnung durch Verleihung des Comenthurordens höchsten Ranges. Berlin. Behufs Erweiterung des jüdischen Religionsunterrichtes an der Victoriaschule beschloß der Magistrat den Lehrer Krotoschiner demnächst daselbst anzustellen. Es werden fortan demnach an dieser von sehr vielen jüdischen Schülerinnen besuchten städtischen zwei jüdische Religionslehrer unterrichten. Unser Magistrat zeigt durch solches Vorgehen in höchst anerkennenswerther Weise, daß er aus dem Wege der Gleichstellung der Coufessionen sich nicht mit halber Arbeit begnügt und allen Auforderungen gerecht zu werden bereit ist. Nur schade, daß diese Loyalität nicht einer besseren Sache gilt. Wie in früheren Jahren wurde, wie hiesige Bläti ter berichten, auch diesmal im Gefängniß zu Plötzensee an den hohen Festtagen unter Leitung des Anstalts- Predigers vr. Krüger für die jüdischen Gefangenen , Gottesdienst abgehalten. Bekanntlich war es früher der hiesigen jüdischen Gemeinde gestattet, wenigstens an Feiertagen, den jüdischen Gefangenen koschere Kost zu verabreichen; gegenwärtig jedoch ist, um auch die jüdischen Insassen enger in den Schranken der allgemeinen Gefängnißordnung zu erhalten, für die 40 Gefangenen innerhalb der Anstalt selbst eine Küche mit besonderen Geräthen eingerichtet, in der für dieselben an den hohen Festtagen Kost nach jüd. Vorschrift bereitet wird. Im Uebrigen werden sie zugleich mit den christlichen Sträflingen verpflegt. Es ist unerfindlich, warum die hiesige Regierung nicht dem Beispiele anderer folgte, welche den Sträflingen auf Wunsch koschere Kost verabfolgt, um die Leute, die einmal den Weg des Verbrechens betreten haben, nicht noch dazu zu zwingen, auch ihr religiöses Gewissen mit Vergehen gegen eines der wichtigsten Gebote zu belasten. Irren wir nicht, ist an vielen Strafanstalten der Provinz den jüdischen Strafgefangenen Gelegenheit geboten, nach dieser Seite hin ihr Gewissen zu beruhigen und es ist nicht zu bezweifeln, daß ein solches loyales Entgegenkommen Seirens der Verwaltungen einen wohlthuenden Einfluß auf die sittliche Besserung der Verbrecher ausüben muß. Uebrigens besucht Herr vr. Krüger seine Schutzbefohlenen alle 14- Tage und ermahnt sie in einer am Sabbath abgehaltenen Predigt. Wir sind der Ansicht, daß der genannte Herr, der ja in Gefängnißangelegenheiten sich gerne zu schaffen macht und jede fremde Mithilfe zurückweist, nach dieser Richtung hin sich thätig zeigen kann und bei ernster und eindringlichster Vorstellung bei den Behörden geneigtes Gehör finden wird Er würde der Sache hierdurch jedenfalls mehr nützen, als durch polemische Zeitungsartikel. Berlin. Die politischen Blätter ergehen sich seit einiger Zeit in lebhaften Auseinandersetzungen, über die Verhandlungen, welche gegenwärtig zwischen der preußischen Regierung und der Curie gepflogen worden, sie theilen angeblich aus glaubwürdiger Quelle mit, daß diese apokryphen Pourparlers den Zweck verfolgen, den seit einer Reihe von Jahren heftig entbrannten Kampf zwischen Staat und Kirche beizulegen und die Mittel zur gegenseitigen Verständigung zu finden, und wollen wissen, daß dieselben ihrem Ende nahe seien. Daß auch uns deutsche Juden jene Verhand-

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