Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 42 (9.10.1878)
- Date
- 1878-10-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1016 Ham, der erste Verkünder des einzigen Gottes, des Schöpfers des Weltalls, aus. Haben alle Menschen einen Vater, so sind Alle Brüder und sollten sich lieben einander. Daher übte Abeaham die größte und unbeschränkteste Gastfreundschaft, daher wurde ihm die Verheißung „Und es werden gesegnet werden durch ihn alle Völker der Erde." Und diese allgemeine Menschenliebe wird verwirklicht durch das Abrahamsvolk, durch Israel. — Wir können nach dieser Erörterung eine schwierige Midraschstelle verstehen; dieselbe lautet: jnn 3 toi xin «ön ,psn ”u Pd o o-cji nr>D DICQ “iODX P!2*Ol rC?-H PPDiO "lüN „Und es werden gesegnet werden durch ihn alle Völker der Erde" — ist das nicht, was geschrieben steht: Und die Sache ward kund dem Mordechai und er erzählte es der Königin Esther und Esther sagte es dem Könige im Namen Morbechai's' Die einfache Erklärung dieses Midrasch ist die: In einer Zeit, da die Angehörigen verschiedener Volksstämme sich einander mit dem bittersteu Hasse verfolgten, rettete der Jude Mordechai dem Perser Achaswer das Leben! — Woraus erklärt sich das? — Das ist nichts anderes als die Verwirklichung des Abrahams-Segens: „Und es sollen gesegnet werden durch ihn alle Völker der Erde." Der ganzer: Welt ein Segen zu sein, ist der Beruf Israels. Und dieser Gedanke war's, der den Hohenpriester in das Allerheiligste geleiten sollte: ,3\~3" D't23tsn PO!3 ,KHpn ‘TN pn« SO’ PNT3 .qp-n dpon orp ->31 nav im Ist es nicht ein unendliches, unschätzbares Glück, diesem erhabenen Gottesgedanken schon durch die Geburt anzugehören? Man'beneidet die Prinzen, die an den Stufen der Throne geboren werden: und doch ist der Glanz ihres Daseins nur ein vergänglicher; längst sind die Nachkommen der glänzendsten Dynasten des Alterthums von den: Erdboden verschwunden oder in die Dunkelheit znrückgetreten — wir aber, die späten Geschlechter unserer erhabenen Stammväter, arbeiten noch heute an den hohen Aufgaben, die der Ewiglebende Jenen gestellt hat, und mit der Verwirklichung dieser Aufgaben unsere Zeit zu erfüllen — das ist der eigentliche Zweck unseres Daseins. Die Verwirklichung dieser Ausgaben verlangt aber die vollste Hingebung, die größten Opfer. ■vrKJtc* nurnrn non ,vnpn pnx so' pnp rorin nN* Wenn der Israelit zur Zeit, da der heilige Tempel noch stand, ein Opfer darbrachte, so geschah es in dem Bewußtsein, daß er verpflichtet sei, in jedem Augenblicke sein Leben hinzugeben zur Heiligung des göttlichen Namens. Es ist gewiß schön, für Gott und Seine Wahrheit zu sterben, aber Gott verlangt, daß wir für Ihn und Seine Wahrheit leben sollen. Die Söhne Ahrons, sie waren, den Namen Gottes heiligend, gestorben o ’jeo dp3->p3 wM',; dem Ahron aber läßt Gott befehlen ttnpn pn pne* co’ nNT3 .... mo’ „damit er nicht sterbe .... soll Ahron mit diesem kommen in das Heiligthum." Was unsere Voreltern während des Mittelaltersgelitten, wie viele Tausende den Namen Gottes geheiligt haben, im Wasser wie im Feuer, durch Galgen und Rad, durch Mordschwert und Lebendigbegrabenwerden, das wollen wir hier nicht ausführlich beschreiben; aber auch das Martyrium unserer Zeit ist für den wahrhaften Juden nicht gering. Es erfordert zahllose Entbehrungen, vielfaches Verzichtleisten auf Vortheil, Ehre und Genuß, der wahrhafte Jude n:uß in unserer Zeit mehr Willenskraft und Ueberzeugungstreue besitzen, als jemals in den Zeiten der Vergangenheit. Der eigenen stetigen Bewährung sowie der jüdischen Erziehung der Kinder stellen sich Hindernisse entgegen. Die Nichtjuden und noch mehr die abgefallenen Brüder lassen es an Hohn und Spott, an Verdächtigung und Beschimpfung nicht fehlen. Aber alle diese Leiden und Schmerzen sind gering und verschwindend gegen die.hohe Freude, in: Vergleich mit dem unendlichen Glücke, welches die Ueberzeugung gewährt, daß es uns vergönnt ist, unsere Zeit so auszufüllen, daß sie sich zur Ewigkeit gestaltet. Wir gehen jetzt den frohen Tagen des Hüttenfestes entgegen; die Laubhütte erinnert uns an den Zug durch die Wüste unter Gottes unmittelbarem Beistand. Und dieser Beistand ist uns geblieben; der Hilfe Gottes sind wir sicher für alle Zeiten. Da kann keine Sorge uns quälen, keine Furcht uns beängstigen, wenn wir nur das Streben festhalten, die flüchtige Zeit zu nützen, um sie n:it guten, edlen, gottgebotenen Thaten äuszufüllen. ZcitnnasnacÄriedter, und. Correspondenren. D e u l : ch t a n d. Stuttgart, 12. August. (Unlieb verspätet.) Heute tagte hier die freiwillige israelitische Lehrer- und Vorsänger-Conferenz Württembergs unter recht zahlreicher Betheiligung der Standeögeuossen aus allen Bezirken des Landes. Am Vorabend war der Ausschuß des damit verbundenen Lehrerwittwen- und Waisen-Unterstützungsvereins komplet versammelt und beschloß nach Maßgabe der verfügbaren Mittel und des Bedürfnisses der Petenten eine Erhöhung der Jahresgaben durchschnittlich um XA des bisherigen Betrags. Es erhalten