Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1878)
- Date
- 1878-10-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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997 Feuilleton. AaM Zoseünann von Aosheim. Eine historische Erzählung. XI. Wohl keine Stadt in Deutschland kann sich an Schönheit der Lage mit Salzburg vergleichen. An beiden Ufern der Salzach, welche drei Brücken mit einander verbinden, dehnt sich die Stadt aus mit ihren schönen Palästen, ihren imposanten Kirchen, ihren wundervollen Brunnen, überragt von der hohen Salzburg, dem erzbischöflichen Residenz- Schlosse, das zur Zeit unserer Erzählung soeben von italienischen Baumeistern war vollendet worden. Rabbi Joselmann wollte durch das offene Stadtthor reiten; da hielt ihn der Thorwachier an. „Wer seid Ihr und woher und wohin des Weges?" „„Ich heiße Jofelin von Rosheim, komme auS Frankfurt am Main und will das Hoflager des Kaisers aufsuchen."" „Ihr seid ein Jude?" „„Ja, Herr!"" „So kehrt nur wieder um. Kein Jude darf die Hauptstadt des Erzstiftes betreten." I Rabbi Joselmann war vom Pferde gestiegen. Er nahm ein Goldstück und drückte es dem Thorwächter in die Hand. Dieser besah schmunzelnd das Geld; er hatte noch nie ein Goldstück besessen. „Wieviel ist das?" fragte er. „„Es hat den Werth von fünf Silbergulden."" „Ich danke Euch, Herr Jude! So reitet denn in Gottes Namen hinein. Aber verrathet mich nicht; sagt Niemandem, daß ich Euch für Geld den Eintritt gestattet." Rabbi Joselmann ritt durch die Stadt, über den Capitelplatz, durch die Petersgasse, immer bergauf, bis er an die Pforte des Residenzschlosses gelangte. Da gewahrte er in der Nähe desselben ein Wirthshaus „Zur Katz"; dort stieg er ab, stellte sein Pferd ein, wechselte die Kleidung, und labte sich an der Speise, die er mit sich führte. Dann suchte er den Wirth auf und sprach: „Ehrenfester Herr Wirth, Ihr kennt gewiß des Kaisers Hofgesinde! Kennt Ihr mir nicht sagen, wo ich den Ritter Theuerdank treffe?" „„Wohl kenne ich die Herren vom Hofe alle," antwortete der Wirth, „sie kommen oft in meine Weinstube; der Oberhofmeister ist der Graf Eitelfried von Zollern, der Haushofmeister ist Herr Caspar von Lupian, der Laadbofmeister Fürst Paul von Lichtenstein; der Obristsilberkämmerer heißt Freiherr Siegismund von Dietrichstein; Hofmarschall ist Herr Graf Wolfgang von Fürstenberg und Landjägermeister der Ritter Wilhelm Greiß; einen Ritter Theuerdank kenne ich nicht; doch da kömmt des Kaisers lustiger Rath, Herr Kunz von der Rosen, der kann Euch vielleicht die gewünschte Auskunft geben."" Der berühmte lustige Rath des Kaisers, der ebengenannte Kunz von der Rosen, trat in die Weinstube. „Herr Wirth," rief er, „ich habe großen, gro» ßen Durst und möchte gern eine Kanne von Eurem Besten trinken; allein, das Geld ist mir ausgegangen." „„Ihr wißt, gnädiger Herr, daß ich strengen Befehl habe, an des Kaisers Hofgesinde nur gegen baares Geld Wein zu verabreichen."" „Ja, was machen wir da? Ich bitte Euch, Herr Wirth, macht eine Ausnahme; mein Durst ist ganz unmenschlich." Der Wirth zuckte mit den Achseln. ..Gnädiger Herr," nahm Rabbi Joselmann das Wort, „wollt Ihr mir gnädigst gestatten, eine Kanne Wein für Euch zu bezahlen?" Er winkte dem Wirth, der alsobald das Gewünschte herbeibrachte. Herr Kunz von der Rosen aber biickte finster auf Rabbi Joselmann. „Ich trinke nicht," sagte er, ..bis ich weiß, welchen Gegendienst Ihr von mir verlangt; ich bin ein treuer Diener meines Herrn und lasse mich nicht auSholen." „„Ihr irrt Euch, gnädiger Herr, ich habe nicht die Absicht, Euch auszuholen über die Angelegenheiten Seiner Majestät des Kaisers. Ich möchte nur wissen, ob Euch in des Kaisers Gefolge ein Ritter, Namens Theuerdank, bekannt ist."" Da schmunzelte Herr Kunz von der Rosen; er ergriff die Kanne und leerte sie auf einen Zug. Auf einen Wink Rabbi Joselmann'S füllte sie der Wirth auf's Neue. „Hei," sagte Kunz, mit der Zunge schnalzend, „der Wein ist gut, und Ihr, unbekannter Freund und Gönner, seid ein Streuhütlein." „„So hat einst der selige Kaiser Friedrich seinen Sohn Maximilian genannt!"" „Wer hat Euch das Geschichtchen erzählt?" „„Eben der Herr Ritter Theuerdank, nach welchem ich frage."" Herr Kunz von der Rosen leerte den Krug zum zweiten Male. «