Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1878)
- Date
- 1878-10-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447785--15370-2471316- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
994 Zwecke zur Beherzigung kommen. Die ganze von dem „Lande der Verheißung" getragene geschichtliche Mische Stellung beruht auf dem die ganze Leiblichkeit in den Dienst Gottes stellenden nna DiTON und hat zum Zwecke die pflichtgetteue Erfüllung der min: noan mpa D'u nuna Dr6 jrw nw unnini i’pn (Ps. 105. 44. 45.) Des gottverheißeneu Landes ist daher nur im Zusammenhänge mit nna imbmin zu gedenken, und nur dem Forttragen dieses l-ntsaa nna und der treuen Hingebung an die Aufgaben der mm verdanken wir die „täglich und stündlich durch alle Zeiten" uns erhaltene Fürsorge der göttlichen Wallung. Diese der Verwirklichung des göttlichen Gesetzes ausschließlich angehörende jüdisch - nationale Bestimmung hat aber' ihren bleibenden Ausdruck im Gesetzesheiligthum zu Zion und ihren bleibenden Träger in der Dynastie Davids erhalten, des Mannes, der seinem Volke die politische Selbstständigkeit erstritt und gleichzeitg die Klänge seiner Harfe vermachte, die es zu der geistigen Höhe seier Bestimmung emporgehoben. Ihnen ist die dritte Beracha bestimmt. Jerusalem zu Füßen der Zion-Höhe, deren Gipfel des Gesetzesheiligthums Stätte bildet, vergegenwärtigt das, um das Gottesgesetz als die es beherrschende und belehrende Seele sich schaarende Gottesvolk, dessen edelstes Geschlecht, die Davidische Dynastie, für immer mit der Erreichung dieses jüdischen Höheziels verknüpft ist. Diesen durch Jerusalem Zion dem ganzen jüdischen Lande topisch aufgedrückte Charakter seiner geistigen Bestimmung wird Berachoth 48d. in der Beifügung naiön p«n gefunden, wie ja auch oben C. 3. 25. die geistige in dem Zionsberg sich concentrirende Bestimmung des Landes ebenso 'ui aion ->nn 'ui rpiön ausgedrückt ist. Die in der dritten Berachah nur im Zusammenhänge mit dem Anliegen um die Forterhaltung und Gewährung materieller und geistiger G esammtwohlfahrt, zum Ausdruck kommende Bitte um die Forterhaltung und Gewährung der Einzel- Existenz und Unabhängigkeit, hatte daher während des Bestandes des Davidischen Reiches und Tempels dieses Anliegen um die Gesammtwohtfahrt in einer Bitte um die Erhaltung dieser Träger der nationalen Zukunft zum Ausdruck zu bringen, seit dem Churban im Goluß aber gestaltet sich diese Bitte, zur Bitte um den Wiederaufbau Jeruscholajims o’Pbm-p ruia. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aus Württemberg. Welche segensreiche Thätigkeit die fogcnannte Reformpartei im Judenthum entfaltet, zeigt sich uns am besten, wenn wir einen Blick auf die religiösen Zustände in ihrer süddeutschen Domäne, der Metropole Schwabens, werfen. Es werden sich wohl wenig israel. Gemeinden finden, in welchen der Religionsunterricht mehr darniederliegt, als in dieser Stadt, obschon an der unter der speeiellen Leitung des Herrn Kirchenraths und Rabbiners stehenden Religionsschule noch zwei Lehrer fungiren. Die Resultate, die in derselben erzielt werden, sind so bescheidener Natur, daß ein Schüler, der an seiner Barmizwa beim Aufrufen zur Thora die ra-o, ohne dabei stecken zu bleiben, sprechen kann, in alle Himmel gehoben wird, wenn er es aber gar zur liebersetzung einiger Hauptstücke des Pentateuchs brachte, als jüdischer Gelehrter gelten kann. Obschon heute von allen Parteien die Mängel des Unterrichts anerkannt werden und deren Beseitigung als nothwendig erachtet wird, so hat die Gemeindeverwaltung doch kein Auge für sie oder ignorirt sie wissentlich, denn trotz oftmaliger Aufforderung ist bisher nichts geschehen. Daß es mit der Schechitah nicht besser bestellt ist, bedarf keines Beweises mehr. Man hat nur den bisherigen Principien gemäß gehandelt, wenn man Metzger mit der map betraut hat, die sich über die Fundamentalgesetze unseres Glaubens hinwegsetzen und welche, am p“w den Fleischverkauf auszusetzen, als mit ihren Interessen unvereinbar halten. Sich um solche Kleinigkeiten zu kümmern, hat der Herr Rabbiner weder Lust noch Zeit. Er muß seine Ausmerksamkeit mehr den politischen Verhältnissen zuwenden, um seine nicht sehr zahlreichen Zuhörer in der Synagoge über die Gefahren, welche ihnen von einer politischen Partei erohen, aufzuklären und sie aufzufordern, im Kampfe fest mit der Regierung» gegen alle nicht regierungsfreundlich gesinnte Elemente zusammen zu stehen. Da spreche uns noch Einer von einem Kanzelmißbrauch zu politischen Zwecken von Seiten katholischer Priester! Was die Vorliebe betrifft, seine Andächtigen mit politischen Dingen zu unterhalten, ftehr ihnen der Herr Kirchenrath gewiß nicht nach. In der Synagoge, selbst beim Aufrufen zur Thora. darf Niemand. der nicht Gefahr laufen will, von dem mit dictatorischer Gewalt ausgestat-