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Der Israelit · 1878-10-02 · Heft 40 (2.10.1878) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 40 (2.10.1878)
Date
1878-10-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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993 bestimmung auch den durch spaten überlieferten Theil als im Wortlaut des Schrifttextes begründet darzustellen, und dann das ganze Gesetz nicht nur im Allgemeinen, sondern in feinen feinsten Nüancirungen rationell zu erklären, auch insoweit es rabbinische Einschränkungen oder Erweiterungen erfahren. Daß dabei überall die gebührende Rücksicht auf die practische Pflichterfüllung genommen ist, wie sie sich im jüdischen Leben täglich vollzieht, bedarf bei unserem Autor nicht erst der Erwähnung. Wir setzen als Beispiel von der geistvollen Behandlung dieser Seite den Passus hierher, der von ]non nana mso handelt. ,,'nr.K -pa, Gott segnen" heißt: die der sittlich freien Menschenthat überantworteten Gotteszwecke fördern, zur Verwirklichung bringen, oder ein solches Thatenleben geloben. So oft Du durch den von Gott gewährten Segen Dich gekräftigt und den Anforderungen Deines leiblichen Daseins Befriedigung gebracht, sollst Du, in dem Bewußtsein, daß Du Gott, und Gott allein, als Deinem Gotte, jede Wiederherstellung Deiner Kraft und jede Befriedigung Deines Daseins verdankst, Dein ganzes durch ihn gekrästigtes und gehobenes Wesen Seinem Dienste, der Förderung ' Seiner Zwecke, der Verwirklichung seines Willens auf Erden weihen und dieses Weihegelöbniß in.na^a-Wort aussprechen. Es ist dies das Gebot pton renn . der nach dem Genüsse der Brodnahrung zu sprechende Berachah, durch welche die vermittelst der offenbarten Manna- Wunderspeisung gewonnene Gewißheit von der speciellsten Gottesfürsorge mitten in den normalen menschengesellschaftlichen Nahrungsverhältnissen gepflegt und festgehalten, und jedes Stückchen Brod so als mittelbare Gottesspende begriffen wird, wie einst das den in der Wüste Wandernden gespendete Himmelsmanna. Die Berachoth 44a recipirte Halachah bezieht nämlich das Gebot nyaten rfsNi 'di auf das im vorhergehenden Verse als Object genannte DP, und nicht auf die zuvor genannten Früchte, da V. 9 mit pN ein neuer Satz eingeleitet und das Land als ein solches characterisirt ist, dessen Bewohner ihr Brod nicht in Beschränktheit, sondern in Mitten eines mit allen anderen Bedürfnissen versorgten Wohlbehagens genießen. Das eigentliche Object bleibt aber *dP, und auf dieses bezieht sich -?as 'ui naaw. Demgemäß wäre minn p nur nach „Brodgenuß" pron nana geboten und damit wohl die bedeutsame Wahrheit niedergelegt: Nicht, wie man meinen dürfte, das allenfalls an Gütern und Genüssen Entbehrliche verdanken wir Gott, vielmehr nicht einmal das Allernothwendigste, das unser Dasein fristende „Brod" ist in des Menschenhand gelegt, selbst das Brod, somit die einfachste, nackteste Existenz, ist eine unmittelbare Spende der GotteSfürsorgss; es ist Alles 'n 'S mpd , jeder Athemzuge hängt an Gottes Mund. — Unter oP wird nur das aus den fünf Getreidearten ps’ten Pop pcdoi mwi non Weizen, Gerste, Spelz, Hafer, Roggen, bereitete „Brod" verstanden. Diese fünf Getreidearten find alle unternmypi non begriffen. — Es gibt jedoch eine Auffassung, nach welcher auch die Berachah nach dem Genüsse der V. 8 genannten sieben Früchte wvn*n wäre. (Siehe D"n n"N td und '"a das.) Der ganze Zusammenhang, in welchem die picn nana - Mizwa mit dem Vorangehenden und Nachfolgenden steht, sowie schon oer Begriff Beracha an sich lehrt, daß das jüdische Tischgebet, wie man es nenrt, keine „anslandmäßige Dankabstattung für genossene Mahlzeit", daß es vielmehr mit dem Bewußtsein der Gott, und Gott allein zu verdankenden Existenz zugleich das Bewußtsein aller der Consequenzen beleben und wach halten soll, die sich an diese Thatsache für die ganze Lösung unserer Lebensaufgabe knüpfen. Unser pw.n nana besteht aus vier Berachoth, die zusammen alle die Momente umfassen, aus welchen unter Gottes allgemeiner Weltleitung und besonderer jüdischen Geschichtsführung sich der Begriff „Jude" constituirt und jeder jüdischen Gegenwart ihre Aufgabe klar wird. Was durch die Mannaspeisung jeder jüdischen Seele zur unverlierbar überzeugungssicheren Gewißheit geworden ist, daß Gott, sowie sein „Name" die „Zukunftsspende" für jede Menschenseele umfaßt. also auch jede Seele und deren Zukunftsbedarf das besondere Augenmerk seiner fürsorgenden Waltung sein läßt, und daher jedes genossene Brod und das dadurch gefristete Fortdaseinsmoment als die Spende seiner „Güte" zu begreifen ist, mag diese Güte — je nach der Würdigkeit des Empfängers — sich als „Gnade" oder als „Liebe" oder als das nimmer verlierbare „Erbarmen" sich manifestiren; das bringt jrn nana die erste Beracha zum Ausspruch und gelobt den Lebensdienst dem Allernährer. Allein wenn Gott dem Lebensgeschicke und der Lebensbeftimmung eines jeden Menschen nahe ist, so steht das Lebensgefchick und die Lebensbeftimmung des jüdischen Menschen noch in besonderer Beziehung zu ihm und seiner Waltung, eine Beziehung, die Er durch die Verheißung und Erlheilung des jüdischen Landes an die jüdische Menschenfamilie für ewige Zeiten documentirt hat. Dieses jüdische Land in seiner Blüthe und seinem zeitlichen Churban ist das Unterpfand der besonderen geschichtlichen Stellung Israels auf Erden; ihm ist die zweite Beracha pan nana, geweiht. Allein sie soll in ihrer Bedingung und ihrem

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