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Der Israelit · 1878-09-25 · Heft 39 (25.9.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 39 (25.9.1878)
Date
1878-09-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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977 Oefterr. * Ungarische Monarchie. Krakait, 3. Sept. Gestern übergaben wir die letzten irdischen Ueberreste des vielbekannten hebräischen Gelehrten Feiwel Goldstoff der Erde. Geboren in Krakau im Jahre 1820 ward er als Sohn einer frommen und angesehenen Familie, schon früh mit dem Studium der hebräischen Sprache vertraut. Er war der Er^te, der die Weltgeschichte vom Deutschen in*s Hebräische in einem Werke, nn^p genannt, gediegen übertragen hat, wodurch er sich schnell einen Ruf als geschickter Literat erworben. Ein zweites von ihm verfaßtes Buch, pvoi rö’JD, welches über die Blutverleumdung zu DamascuS und deren Abwehrung durch Montefiore abhandelt, ist ein Meisterstück hebr. Literatur. GotteSfürchtig, im strengsten Sinne wahrheitsliebend, verbrachte er ein sehr kümmerliches Leben. Er opferte seine Tage und Nächte der Wissenschaft, leider gab er ihr noch das theuerfte Gut, die Gesundheit, hin. D. Birnbaum. rteiiilletpn. Simon Beding. Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von 8. Kolm. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Der Eine meiner Besucher griff.nach einem Folianten, der auf meinem Studirtische lag, der Zweite schlug auf's Gerathewohl ein Blatt auf und der Dritte legte, ohne sich die Stelle anzusehen, den Finger aufs Blatt — ich blickte nun hinein, es war eine Gemoro Tractat Berochos Blatt 32, zweite Seite, und die Stelle lautete: „WaS fordert Gott von Dir? Nur, daß Du ihn fürchtest! und da fragt die Gemoro, ist denn Gottesfurcht eine Kleinigkeit? es wird ja gesagt, Gottesfurcht ist das höchste Gut, wie auch geschrieben steht,' Gottesfurcht ist sein Schatz! — und darauf antwortet die Gemoro wörtlich: en, legabe Mosche, milße sutroso hi, was gewöhnlich übersetzt wird: Bei MoseS ist das eine Kleinigkeit! — Einen Augenblick, auch nicht länger als einen Augenblick, war ich verlegen; — aber schnell hatte mir der Allgütige daS Passende in den Sinn und! auf die Zunge gelegt, und ich will auch Euch ganz! genau sagen, wie ich die Stelle interpretirte, denn diese Erklärung kann ganz gut in einer Mussordrosche gesagt werden, und ich hoffe, sie wird sogar die Kenner befriedigen. — Ich begann also. Ihr zeigt mir da in der That eine schwere Stelle. Die Frage: ist Gottesfurcht eine leichte Sache? ist eine berechtigte! denn wäre sie es, so würde es ja keine Sünder geben! Wenn sich Jeder stets vor Augen halten würde, daß das Auge des höchsten Richters über ihn wacht, so könnte es wohl keinen Sünder geben! — Wer, frage ich Euch, würde es dann wagen, einen Chillul Schabbos128) zu begehen, die Tanessim 129) zu mißachten, wo gäbe es Meanfim und Boale Nidos ..... wäre die Gottesfurcht in des Wortes engster Bedeutung, Furcht vor dem Allmächtigen, in Aller Herzen, so könnte es ja keinen Menschen geben, der thöricht genug wäre, um den flüchtigen Genuß einer kurzen Stunde den Zorn des Höchsten auf sich zu ziehen, da gliche er ja in der That Jenem, der naschhaft genug wäre, süßeS Gift zu essen, auch wenn er wüßte, daß er dadurch in der nächsten Minute einen qualvollen schmerzlichen Tod erleiden müsse. Also, meine lieben Freunde, sprach ich damals und es mag auch Euch, Morai werabossai, gesagt sein — Gottesfurcht muß denn doch nicht so leicht sein — und wenn auch geantwortet wird: en .... ja — so ist dann doch nichts bewiesen, so genügt ja die Antwort noch lange nicht — und wenn auch — unrichtig genug legabe Mosche mit „für.Moses" übersetzt wird und dieses heißen soll, dem großen Lehrer MoseS wäre die Gottesfurcht leicht gefallen, so habe ich dagegen zu bemerken, daß der weise Moses trotz aller seiner Bescheidenheit doch wußte, daß die anderen Menschen nicht mit ihm auf gleich hoher geistiger Stufe standen, und MoseS hatte ja Gelegenheit genug gehabt zu erkennen. daß Gottesfurcht nicht leicht sei, unsere Vorfahren in der Wüste haben sich oft genug empört, wider Gott und Moses gemurrt, waren gegen Gott und MoseS widerspänstig gewesen, von Gott abgefallen, ja sie haben ja sogar kurz nach der sinaitischen Gesetzgebung, das goldene Kalb verehrt und Mosche Radbenu hat ja das ganz deutlich ausgesprochen — allein die richtige Erklärung ist folgende: Die Sache verhält sich nämlich so: De« allweisen Gottes Weltleitung ist eine unerforfchliche, eine unergründliche. Gottesfurcht! — wenn der Allmächtige Gott nur wollte, würde Jedermann vom Geringsten bis zum höchsten Fürsten auf dem ersten Throne der Welt, demuthsvoll vor 128) Sabbatentweihung. 129) Fasttage.

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