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Der Israelit · 1878-09-25 · Heft 39 (25.9.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 39 (25.9.1878)
Date
1878-09-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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974 „Ein armer Jud' und der Hof dcs Kaisers,! wie reimt sich das zusammen? WaS machst Du da, j Jud', Du betest wohl, weil Du Dich vor dem Gej Witter fürchtest?" „„Nicht doch, gnädiger Herr; ich habe den Segensspruch über den Donner und den Blitz gesprochen; da fürchte ich mich nicht."" „Und wie lautet solch ein Segensspruch? Aber auf Deutsch, Jude!" „„Wenn wir den Donner rollen Horen, so loben wir Gott, dessen Kraft und Allgewalt die Welt erfüllt." " „Nicht übel. Und was sprecht Ihr, wenn es blitzt V* „ „Wenn wir den Blitz sehen, wie er herniederzuckt, so preisen wir Gott, der das Schöpfungswerk vollbracht hat."" „Was hat der Blitz mit dem Schöpfungswerke gemeinschaftlich?" „ „Wann des Blitzes Feuer herniederfährt zugleich mit dem strömenden Regen, da menget sich Wasser mit Feuer. So hat Gott einst die Himmel aus Feuer und Wasser erschaffen."" „Mir scheint. Du bist einer der Gelehrten Deines Volkes. Was ist das für ein Buch, in welchem Du soeben gelesen hast?" „ „Es ist ein Theil des Talmuds, der Tractat Baba Bathra."" „Des Talmuds, den ich . . ., den der Kaiser jetzt eben verbrennen lassen soll,"Uüf der Dominicaner in Cöln Betreiben? Laß hören, was darin steht; übersetze mir in'S Deutsche die Stelle, die Du soeben gelesen!" Und Rabbi Joselmann übersetzte: „„Unsere Rabbineo lehren: Einst hat eS sich ereignet, daß der König Mvnibas alle von ihm und seinen Vorfahren gesammelten Schätze während der Jahre der HuvgerSnoth an die Nothleidenden vertheilte; da überhäuften ihn seine Brüder und alle seine Verwandten mit Vorwürfen. — Deine Väter, sagten sie, haben Schätze gesammelt, und Du hast sie verschwendet! — Meine Väter, antwortete er, haben Schätze für hier unten gesammelt , und ich für dort oben, denn so heißt es: Die Wahrheit wird aus der Erde ewporwachsen und das Wohlihun vom Himmel heruiederfchauev. Meine Väter haben vergängliche Schätze gesammelt, ich aber unvergängliche, wie es heißt: Wohlthun und Gerechtigkeit sind die Stützen Deines Thrones."" „Sehr schön, sehr schön! Wohlihun und Gerechtigkeit sind die Stützen Deine« Thrones! Das will ich mir merken, das werde ich nimmer vergessen. Doch weiter!" „„Meine Väter haben unfruchtbare Schätze gesammelt, ich aber solche, die Früchte tragen, denn so sagt der Prophet: Saget dem Gerechten, dem Gottesfürchtige», daß wenn er auch gut gegen die Menschen ist, er die Frucht seiner Handlungen genießen wird. Meine Eltern haben Gold und Edelstein gesammelt, ich aber habe Menschenleben erhalten, wie es heißt : Die Frucht deS Gerechten ist wie vom Baume des Lebens, der Weise sucht sich Menschen zu erobern."" „Prachtvoll, herrlich! Als ich . . . als unser Kaiser Max noch ein Knabe war, da schenkte ihm sein Vater, der weise König Friedrich, einen Teller voll Obst und einen Beutel mit Gold gefüllt. Der junge Maximilian aß das Obst, das Gold aber verschenkte er. Da seufzte der weife König und sprach: Der wird ein Streuhüllein werden! Max aber entgegnete: Ich will nicht ein König des Geldes werden, sondern der Menschen! — Doch fahre fort, Jude!" .*§ „ „Meine Väter haben Schätze für Andere gemurmelt, ich aber für mich, wie es h«ißt: Und Dein Eigenthum soll das Wohlthun verbleiben. Meine Väter haben Schätze für diese Welt gesammelt , ich aber für die künftige Welt. denn also heißt eS: Und es wird wandeln vor Dir her Deine Wohlthätigkeit, die Herrlichkeit Gottes wird Dich aufnehmen." " „Ich segne die Stunde, die mich hier in dieser Hütte Schutz suchen ließ während des Unwetters. Wie ist Dein Name, Jude?" „„Ich heiße Joselin und bin aus RoSheim im Elsaß."" „Und ich bin der Ritter Theuerdank; wenn Du am Kaiserhofe einer Fürsprache bedarfst, so wende Dich nur an mich. Der Kaiser ist mir gewogen." „„Ich danke Euch, edler Herr."" „Das Unwetter hat sich verzogen; die Sonne scheint wieder helle. Leb wohl, Jude, auf Wiedersehen beim Kaiser Max." Und er eilte hinaus. Auch Rabbi Joselmann packte seine Sachen in seinen Mantelsack, suchte sein Pferd wieder auf und ritt seines Weges. (Fortsetzung folgt.) Hierzu Beilage«. Verantwortliche Redaetion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. 2» GottSleben'S Duchdruckrrei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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