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Der Israelit · 1878-09-25 · Heft 39 (25.9.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 39 (25.9.1878)
Date
1878-09-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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973 Feuilleton. Uaöbi Koseünann von Mosheim. Eine historische Erzählung. X. Auf Betreiben des Kurfürsten Urtel von Mainz befahl der Kaiser, daß daS Verbrennen der jüd. Bücher hinauszuschieben sei und daß zuvor Gutachten von fünf Universitäten und außerdem von Reuchlin und zwei Kölner Mönchen eingefordert werden sollten, ob eS göttlich, löblich und wirklich dem Christenthum förderlich, die talmadischen Schriften zu verbrennen. Es waren, mit Ausnahme Reuchlin's, lauter des Hebräischen unkundige Männer, eingefleischte Judenfeinde, die sich ledkZlich damit begnügten, die Lügen und Entstellungen Pfefferkorns wiederzukäuen. Man kann sich daher vorstellen, wie die Gutachten ausfielen. Anders Reuchlin. Mit hoher Begeisterung schrieb er sein Gutachten. Mit großer Ausführlichkeit wies er nach, wie schädlich, thöricht, schändlich es sei, den Juden ihre heiligen Bücher zu rauben, aus denen die ältesten und gelehrtesten christlichen Theologen ihre Weisheit geschöpft. Reuchlin's Gutachten war, wie Rabbi Joselmann in seinem Tagebuch schreibt, ein Neß bethoch Neß, ein gedoppeltes Wunder, daß nämlich ein Nichtjude so begeistert und so überzeugungsvoll für die heiligen Schriftwerke der Juden eintrat. Doch war damit noch wenig gewonnen; sieben abfällige Gutachten standen dem einzigen Reuchlin's gegenüber, und die Herzogin Kunigunde von Bayern, des Kaisers Lieblingsschwester, die von den Dominicanern beeinflußt war, bestürmte den Kaiser mit Bitten, die Verbrennung ernstlich in's Werk setzen zu lassen. Da war es nothwendig, den Kaiser zu beeinflussen, und Rabbi Joselmann erbot sich, an den kaiserlichen Hof zu wandern, um den Kaiser persönlich zu bitten , daß er den Wünschen der Judenfeinde nicht willfahre. Schon manchen Tag hatte Rabbi Joselmann zu Pferde gesessen, um das Kaiserliche Hoflager, das sich damals zu Salzburg befand, zu erreichen. In Salzburg war Matthäus Lang von Wallenberg, Maximilians natürlicher Sohn', — die Mutter desselben war eine Augsburgerin — Erzbischof und Cardinal, und der Kaiser weilte zum Besuche bei diesem seinem geliebten Sohne. Es war eine lange und beschwerliche Reise; dazu kam noch, daß Rabbi Joselmann eine betrübende Nachricht erhalten hatte, die ihn tief verstimmte. In Berlin war n 38 würdige, israelitische Männer auf die falsche und lächerliche Anklage der Hostienschändung hin verbrannt worden. — Rabbi Joselmann führte sein Pferd mühsam durch einen engen Gebirgspaß. Bon allen Seite« her stürzten sich die wilden Gewässer von den Bergen hernieder. * „Zobt nur, ihr wilden Wäfferlein," sprach Rabbi Joselmann vor sich hin, „ihr fließt alle in's Meer, wo ihr nichts mehr seid und verschwindet. Also ergeht*- den wilden Völkern und Schaaren; sie toben und wüthen solange, bis ihre Zeit um ist; dann müssen sie schweigen, dann gehen sie verloren. Israel wandert still und bescheiden, leidend und duldend seinen Weg; aber Gott kennt diesen Weg und führt ihn zum guten Ziele." Unterdeß hatte sich der Horizont schwarz umzogen. Von verschiedenen Seiten zogen schwere Wolken herauf und der grollende Donner kam immer näher, bis die Wolken sich im herniederftrömenden Regen entluden, mächtige Donnerschläge von den hohen Gebirgsriefen herniederhallten, vom Echo vervielfacht, während zuckende Blitze die finster gewordene Landschaft grell beleuchteten. Rabbi Joselmann band sein zitterndes Pferd an einen Baum und fand selbst Schutz vor dem strömenden Regen in einer verlassenen Köhlerhütte. „Und es donnert im Himmel der Ewige, und läM^sein» Stimme erschallen," sagte Rabbi Joselmann mit den Worten des Psalmisten, während er sich auf einen Haufen Stroh, das sich in der Hütte oorfand, niederließ. Dann öffnete er seinen Mantelsack, den er vom Pferde genommen und mit in die Hütte gebracht hatte, nahm Feuerstein, Stahl und Zunder heraus und schlug Feuer, bis der Zunder glimmte. Darauf holte er einen Wachsstock hervor und blies in den brennenden Zunder, bis er die Wachskerze daran entzündet hatte. Voll Freude sprach er, als ihm das gelungen: „Denn Du wirst leuchten lassen mein Licht, der Ewige, mein Gott, erhellet mir die Finsterniß." Und er nahm ein kleines Talmudexemplar, das er mit sich führte, aus dem Mantelsack, küßte es und begann eifrig zu studiren. Draußen rollte der Donner, zuckten die Blitze, tobten die von den Bergen herniederströmenden Gewässer, und Rabbi Joselmann saß allein in der verlassenen Köhlerhütte, im Talmud studirend, die tobende, tosende Außenwelt vergessend; er merkte es auch nicht, daß ein stattlicher Mann in ritterlicher Tracht in die Hütte eintrat. Dieser blieb wie erstarrt stehen, bis er sich zu dem I Ausruf ermannte: „Alle guten Geister loben Gott, den Meister! Gebt Antwort, wer seid Ihr, seid Ihr ein Mensch, ein Engel oder ein Dämon?" Rabbi Joselmann erhob sich. „„Ich bin ein armer Jude, Herr,"" sagte er, „„der an den Hof des Kaisers nach Salzburg reist." "

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