Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1878)
- Date
- 1878-09-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Religion der Väter zurück. Natürlich war sein Erstes, seine Mädchen nicht^mehr der Leitung der Nonnen zu überlassen; aber die barmherzigen Schwestern verweigerten standbaft die Herausgabe der Mädchen. Der Israelit ergriff den Rechtsweg und das Tribunal zu Rom entschied zu Gunsten des Vaters. (Turiner Zeit.) Rumänien. Bukarest, 7. Sept. Einer Deputation der hiesigen israelitischen Gemeinde, welche sich über die feindliche Haltung der Presse den Juden gegenüber beklagte, anwortete der Minister Rosetti, daß er dagegen nichts thun könne, die Person und das Eigenthum der Israeliten jedoch schützen werde. Der Minister gab der Deputation ferner die Versicherung, daß er der in wenigen Tagen zusammentretenden Kammer einen bereits vorbereiteten Gesetzentwurf unterbreiten werden, wonach allen Juden, auch den..fremden", die.„Civilrechte" eingeräumt werden sollen; was die . politischen" Rechte anbelange, so könnte diesfalls nur durch eine Constituante eine Entscheidung erfolgen, allein eine^solchK außergewöhnliche National-Bersammlung könne, bevor das Land von allen fremden Okkupationstruppen nicht gänzlich geräumt sei, unmöglich einberufen werden, die Israeliten würden demnach in dieser Richtung wohl noch 7—8 Monate Geduld haben müssen. Unter der wiederholten Versicherung , daß er alle Maßregeln ergreifen werde, um auch die geringste Ausschreitung des Pöbels wider die Israeliten in der Hauptstadt sowohl, wie auch im ganzen Lande hintanzuhalten, entließ der Minister die Deputation. Bukarest 9. Sept. Die außerordentliche Session der gesetzgebenden Körper, welche am 15. (27.) September eröffnet wird, wird vorausichtlich nur zehn bis zwölf Tage dauern, da über die Congreßbeschlüsse hinsichtlich der bessarabischen Districte und der Dobrudscha nicht wohl noch eine Debatte stattfinden kann, sondern die Kammern einfach ihre Zustimmung zu geben haben, weil sie dieselbe nicht verweigern dürfen, ohne die Existenz des Staates zu gefährden. Auch die Bestimmungen des Berliner Friedens, welche sich aus die Israeliten in Rumänien beziehen, sollen nach dem Willen der Regierung des Fürsten Carol von der Kammer und dem Senat — so weit deren Befugnisse gehen — schon in der außerordentlichen Session angenommen werden. Außerhalb dieser Befugnisse steht die Bestimmung des Berliner Friedens, welche für die Juden in Rumänien auch die politischen Rechte stipulirt, da durch 972 dieselbe eine Aenderung der rumänischen Verfassung bedingt wird, welche nicht durch die gesetzgebenden Körper sondern nur durch eine Constituante vorgenommen werden kann. Um dem Willen der europäischen Mächte auch in diesem Punkte nachzukommen, wird die rumänische Regierung die Wahlen zu einer Constituante ohne Verzug ausschreiben, sobald die russischen Trupen das Land verlassen werden. So lange indeß eine fremde Armee das Land occupirt oder durchzieht, welche sich nur allzu bereit gezeigt hat. sich in die inneren Angelegenheiten Rumäniens zu mischen, können legale und uneinbeflußte Wahlen nicht stattfinden. (N. fr Pr.) Bulgarien. Aus Sophi« wird der «Wiener Abendpost" geschrieben, *daß dieser Ort ausersehen zu sein scheine, die Hauptstadt des neuen Fürstenthums Bulgarien und der Sitz des russischen Commissärs zu werden, und zwar sollen strategische und politische Gründe bei der Wahl dieses Ortes zusammengewirkt haben. Ungeachtet eine Rekrutirüng erst vor zwei Monaten stattgefunden hat, pelche 1500 Mann ergab, ist abermals eine energisch betriebene Aushebung im Zuge, für welche ein Resultat von 4000 Soldaten vorgeschrieben ist. In Folge dessen wird sogar auf Männer von über 26 Jahren gegriffen. Die Rekruten begehen leider gegen Griechen, Türken und Juden vielfachen Unfug. Es befinden sich unter ihnen auch Individuen aus dem der Türkei verbliebenen, aber von den Russen immer noch faktisch besetzten Bezirke von Djuma. Von der gegenwärtig herrschenden Justiz und Verwaltung läßt sich wenig Rühmliches melden. Der Bürgermeister, die Gerichte, die Polizei, Alles waltet seines Amtes nach Willkür. Die Organisation einer europäischen Justiz scheitert an dem gänzlichen Mangel tauglischer Elemente. Auch die in Bulgarien lebenden Ausländer haben unter diesen Zuständen vielfach zu leiden. China. Äm Januar 1878 haben die Chinesen Kaschgar, die Hauptstadt von Kaschgar, erobert. Wie berichtet wird, übersiedeln jetzt viele jüdische Familien aus Central-Asien und aus den russischen Besitzungen daselbst nach dieser Stadt, in der Juden bis jetzt nicht geduldet waren. Die Chinesen benehmen sich gegen die neuen Ankömmlinge sehr freundlich. Im eigentlichen China sind die Juden noch wenig bekannt. (W Jsr.)