Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1878)
- Date
- 1878-09-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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971 beschäftigt war, ist in das König!. Handelsministerium nach Berlin berufen worden. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 17. Sept. Die „N. fr. Pr." schreibt: Vor einiger Zeit haben wir von einem Wunderkinde aus Füufkirchen gesprochen, das in Pest durch sein erstaunliches Rechentalent die allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Heute erschien das Kind an der Hand seines Vaters in unserem Bureau. Wir sahen einen körperlich gut entwickelten Knaben, welcher nach der Angabe seines Vaters, die vollkommen glaubwürdig erscheint. 43/* Jahre zählt. Der Knabe heißt Moriz Frankel und ist von neun Kindern eines Schneiders der siebente Sprößling. Wir hielten die ungarischen Berichte über die Rechenkunst des Knaben für überKieben, allein wir müssen sie heute, nach den merkwürdigen Leistungen des kleinen Rechners, als vollkommen richtig bezeichnen. Er führte die schwierigsten Multiplicationen und Divisionen mit einer Sicherheit und Raschheit aus, welche verblüffte. Es machte einen eigenthümlichen Eindruck, die Milliarden und Millionen zauberschnell und oft viel rascher, als sie auf dem Papier ausgerechnet werden konnten, von den Lippen des Knaben genannt zu hören. Die Genauigkeit und Schnelligkeit dieser lebenden Rechenmaschine ist wunderbar; ebenso merkwürdig ist daU Benehmen des Knaben, während es in ihm geheimnißvoll gährt und arbeitet. Wird eine Aufgabe gestellt, so fixirt der Knabe zuerst den Sprecher, während dieser die Ziffern angibt, mit großen, scharfen Augen. Er beginnt dann etwas unruhig zu werden, ergreift ein naheliegendes Stückchen Papier, zerknüllt cs oder steckt es in den Mund, springt von seinem Sitze auf, um sich auf den Schoß des nächstbesten Zuhörers zu setzen, läßt inzwischen ein leises „Fa! ja!", mitunter auch in unsicherer Weise einzelne Ziffern hören, dann plötzlich ruft er in höherem, triumphirendem Tone die geforderte Lösung aus. Auch die complicirtesten Aufgaben schienen ihn nicht sonderlich anzustrengen. Nur bei längerer Thätigkeit zieht über das Gesicht des Knaben eine flammende Röthe; er wird aufgeregt, nervös, die Stirne runzelt sich, und man glaubt, die kleine Gedankenkammer solle von den Zahlenmassen gesprengt werden. die das Kind darin hin- und herwälzt ... In solchen Momenten regt der Knabe ebenso zur Bewunderung wie zum Mitleid an. Er hält mit Zähigkeit an dem einmal angegebenen Thema fest, auch wenn ihn die Hörer davon dispensiren wollen, und gibt dann etwas ermüdet das Resultat an. Doch sind dies nur vorübergehende Momente der Erschöpfung; zumeist ist der Knabe heiterster Laune und löst die gestellten Aufgaben mit freundlicher Miene und herzlichster Freude an dem seltenen Können. Sein Vater will ihn vorläufig in einigen Schuten Wiens präscntireu und dann eine öffentliche Rechen-Soiree mit dem Knaben geben. Die Ettern erfuhren erst vor einigen Monaten dnrch einen Zufall von dem Talente des Kindes. Der Knabe war in einen Laden getreten, um für einen geschenkten Kreuzer Zucker zm kaufen. Als man wegen dieses winzigen Geschäftes den Knaben lange stehen ließ und unterdessen erst alle anderen Kunden bediente, wurde er immer ungeduldiger. Endlich wurde der Laden leer. „Jetzt lasse mich erst ausrechnen, wie viel ich im Augenblicke eingenommen habe", sprach der Geschäfts- Inhaber zu dem Knaben. „Das kann ich Ihnen ohnedies gleich sagen," fiel rasch der Knabe ein, und nannte dem verblüfften Kaufmann bei Heller und Pfennig die einige hundert Gulden betragende Summe, welche von den Kunden in Gegenwart des Rechenkünstlers eingenommen worden war. Der Ruf des kleinen Dase war natürlich bald gemacht. Der kaum fünfjährige Knabe fühlt sich übrigens schon als moderner Künstler, denn er fragte beim Verlassen unseres Bureaus artig, ob auch die Zeitung von ihm sprechen werde. Für einen jungen Mann, der des Lesens wie des Schreibens noch unkundig ist, beweist dies jedenfalls eine beachtenswerte Kenntniß vom Werth der gedruckten öffentlichen Meinung. Wien, 23. Sept. Der Berichterstatter der „Polit. Corresp." aus Serajewo äußert anläßlich des gemeldeten militärisch?« Erfolges der öfter- * reichlichen Truppen bei Senkovic feine zuversichtliche Ansicht, daß der bosnische Aufstand im Ganzen und Großen innerhalb einiger Wochen niedergeworfen sein werde. Derselbe constatirt ferner, daß nach den Erfahrungen sämmtlicher Heereskörper weder die christliche noch die isr. Bevölkerung Bosniens den kaiserlichen Truppen entgegengetreten sei. In der Regel ständen nur von fanatischen Priestern aufgehetzte, von türkischen Civil - und Militärbehörden, sowie von türkischen Truppen« theilen unterstützte Mohamedaner im Kamps gegen die österreichischen Waffen. Allseitig strömten zahlreiche Einwohner, darunter auch mohamedauische. nach Serajewo und anderen Städten, um sehnsüchtig das Ende des Aufstandes erwartend, sich unter den Schutz der österreichischen Armee zu stellen. Wien. Bei den in Bosnien kämpfenden jüdischen Soldaten wurde ein Feld-Rabbiner angestelli. Von der Regierung wurde hierzu Dr. Simon Bücher in Pesth dazu designirt. (W. Isr.) Italien. Rom. Ein aus Livorno gebürtigter in Rom wohnender Israelit, welcher zum Christenthum übergetreteu, hatte seine kleinen Mädchen den barm-, herzigen Schwestern zur Erziehung in der kathol. Religion übergeben. Kurze Zeit darauf bereute der Neophit den gethanen Schritt und kehrte zur