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Der Israelit · 1878-09-25 · Heft 39 (25.9.1878) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 39 (25.9.1878)
Date
1878-09-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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970 A Königsberg, 10. Sept. Ich muß doch wieder ein Lebenszeichen von mir geben, wenn ich auch nur wenig in meinem Sommeraufenthalte (Billa Hufenterrasse) von den Ihre Leser interessirenden jüdischen Neuigkeiten in der Stadt erfahre. — Der russische Reisende, Herr Efraim Deinard aus Sebastopol, der sich von Jugend auf die Aufgabe gestellt hat, die entferntesten Ländersiriche seines Vaterlandes zu bereisen und wissentschaftlich zu erforschen, weilte Anfangs und gegen Ende dieses Sommers in unserer Stadt und hat den Schreiber dieses jedesmal mit seinem Besuche erfreut. Die erste Frucht seiner vielfachen Wanderungen — so ungefähr berichteten wir in der „Königsberger Hart. Zeitung" — ist ein dreibändiges Reisewerk in hebräischer und zum Theil russischer Sprache „über die Krim", worin sich der Verfasser namentlich über die Karäer, Chasaren und sogenannten Krimzaken ausführlich verbreitet, und wovon bereits der erste Theil in Warschau erschienen. Während nun daselbst, nach persönlich in Paris erhaltener Unterstützung Seitens der dortigen „Alliance", an der Fortsetzung jenes umfangreichen Werkes weiter gedruckt wird, beabsichtigt der Autor ähnliche histocisch-geogravhische Bücher über Central Asien zu schreiben und bereiste zu dem Zwecke im Laufe des gegenwärtigen Sommers Deutschland, Frankreich und England, um hier in den verschiedensten Bibliotheken und von den renommiriesten Fachmännern, die ihm nöthig dünkenden wissenschaftlichen Notizen zu sammeln. resp. zu erhalten. Wünschen wir dem jungen jüdischen Gelehrten Glück auf seinen ferneren Reisen und den besten Erfolg für seine löblichen Bestrebungen! — Wegen des allen, längst geschlossenen jüdischen Friedhofs auf dem Trapheim war unser Gemeindevorstand mit dem Magistrat in Conflict gerathen, welcher die Ueberlassung eines gewissen Terrains des Friedhofs behufs Verbreiterung der betreffenden engen Straße an die Stadt beanspruchte. In der That hat sich der Vorstand lange genug dagegen gesträubt und alle gesetzlichen Mittel angewendet, um jenen Anspruch zu paralisiren. Endlich siegte jedoch der Magistrat in letzter Instanz und im Mai dieses Jahres geschah, unter voller Berücksichtigung der religiösen Vorschriften, die Ueberführung der Ueberreste, der auf jenem Terrain befindlichen, über 150 Jahre alten Gräber an einen geweihten besonderen Platz jenes Todtenackers. — Unter den hiesigen Synagogen, verschiedener Farbe, welche in Folge der fluchwürdigen Attentate auf das gesalbte Haupt Sr. Majestät des deutschen Kaisers Wilhelm I. Dank- und Bittgebete für denselben abgehalten, hatte auch — wie wir s. Z. in der „Königsb. Ztg." referirten — die zahlreiche russisch-polnische Synagogengemeinde, deren angesehene Mitglieder den großartigen Handelsverkehr Königsbergs mit ihrem Vaterlande vermitteln, an einem Sonntage in ihrem Andachtshanse auf der Vorstadt einen feierlichen Dankgottesdienst füvdie Rettung de« deutschen Kaisers Wilhelm, des greifen Oheims des Czaaren Alexander II., aus drohender Lebensgefahr veranstaltet. Nach Verrichtung des Vesper - Gebetes wurden auserlesene Psalmen nebst dem üblichen hebräischen Gebet für den Monarchen recitirt, worauf der bei dieser Gemeinde angestellte Herr Oberrabb M. L. Malbim (früher in Bukarest) eine ebenso geistvolle als erbauliche Festrede hielt, welcher das Psalmwort: „Der Ewige wird dir Seine Engel senden, dich zu hüten auf allen deinen Wegen" (bis zu Ende des Capitels 91) zum Texte diente, den der Redner im Sinne des Ereignisses ausführlich commentirte und anwendete. Das Abendgebet der ganzen Gemeinde beschloß die würdige patriotische Feier. — Bei der diesmaligen Reichstagswahl in unserer Stadt candidirte neben dem gewählten freiconservativen Justizrath Stellter der fortschrittliche Stadtrath Jacob Theodor, Vorsitzender der Chebra- Kadischa, ein sehr gebildeter Mann und echter Reformer. Er fiel bei der Wahl zum Theil deßhalb durch, weil er — Jude ist. So sehr dies im Interesse der politischen Lage allgemein bedauert wurde, so ist es andererseits doch gut, wenn die Reformer einmal öffentlich an ihre altehrwürdige Abstammung erinnert werden. — Daß die in Lyck seit 22 Jahren erscheinende Zeitschrift „Hamagid" während des russisch - türkischen Krieges für den ganzen Umfang des großen Czaarenreichs verhoten war und erst gegen den Friedensschluß hin wieder freigegeben worden, das wissen Ihre Leser wohl schon auch ohne meine betreffenden Notizen darüber in der hiesigen „Hartungschen Zeitung". Aus Petersburg ist uns die erste Nummer des wieder auferftandenen „Hamelitz" zugegangen. Leider gibt das Blatt selbst nicht einmal die Namen seiner Redacteure an. welche jedoch, wie man erst andererseits erfahren muß, die Herren Alexander Zederbaum und Dr. A. I. Goldenblum sind. Ueber die am hiesigen Ort fortgesetzt erscheinenden zwei jüdischen Zeitschriften „Pip'n" und „dj>P Pip" können wir nichts Näheres berichten, da es ihr Herausgeber in letzter Zeit nicht der Mühe werth hält, uns Exemplare davon zukommen zu lassen. Und nun leben Sie wohl — onnm 3P3n n310 -wpi. M. Almoni. Breslau Der Sohn des hiesigen Sanitätsrathes Dr. Eger, der bis jetzt als Regierungsaffeffor in der Direction der oderschlesischen Eisenbahn

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