Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1878)
- Date
- 1878-09-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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949 aber nicht, daß diese kategorische Erklärung des Herrn Rabb. Braun geeignet ist, den klaren Wortlaut der Frankelschen Erklärungen über nieo} raSn ’J’dd , sowohl in dessen '211, als auch in dessen Jerusch almi-Commentar zu nere, wie auch an andern Orten, aus der Well zu schaffen. Red.) Feuilleton. Simon Keding. Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von S. Kolm. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Am zweiten Tage war ich bei einem andern reichen Manne zu Tische geladen. Nachdem wir lange an der reichbesetzten Tafel gesessen, wurde mir eine Frau gemeldet, die mich dringend zu sprechen wünsche, wollen wir sie Sara Duschnitz nennen. — Ich srug den Mann, bei dem ich geladen war, wer die Frau sei, er sagte mir, eine arme Unglückliche, deren Gatte vor Jahren unschuldig im Kerker gestorben. Ich konnte nicht ahnen, was die Frau von mir, von einem Fremden verlangen könne, allein da mir mein Gastfreund zuredete, sie anzuhören, ließ ich sie Vorkommen, und da sie mich allein zu sprechen wünschte, ließ man uns in ein Zimmer eintreten, wo wir ungestört und unbehorcht waren. Die Frau theilte mir Sonderbares, Tieferschütterndes mit. Sie war in ihrer Jugend eine schöne Frau gewesen und hatte zu ihrem und ihres Gatten Leidwesen die Aufmerksamkeit eines hochgestellten CavalierS? eines leidenschaftlichen Mannes, auf dessen Besitzung sie damals wohnten, auf sich gezogen und dieser verfolgte sie mit schmachvollen Anträgen. Da diese ohne Erfolg blieben, wagte der Nichtswürdige einmal, als er die Frau in ihrer Wohnung allein und schutzlos glaubte, einzudringen, und ein Zufall oder um statt des unrichtigen Ausdruckes, die wahre richtige Bezeichnung zu wählen, eine göttliche Fügung führte den jungen Ehemann in dem Momente heim, wo sich seine Frau in der größten Gefahr befand. Der gerechte Zorn des gekränkten Ehemannes wurde durch das zuchtlose Benehmen deS Gutsherrn, der sich alles gestatten zu dürfen glaubte, noch erhöht. Der freche Bube wagte es sogar seine Hand gegen den beleidigten Gatten zu erheben, und dieser stieß in wild aufflammendem Grimme dem Mann, der feine und seines WeibeS Ehre beflecken wollte, das Messer in die Brust. — DaS Weib siel in Ohnmacht; als sie aus derselben erwachte, fand sie daS Haus voller Heiducken, die nach ihrem Gatten fahndeten. Der zu Tode getroffene Edelmann hatte sich bis zu seinem Schlosse geschleppt, dort hatte er vor dem Sterben noch den Namen des Mannes genannt, der ihn in gerechter Nothwehr erschlagen. Die arme Sara Duschnitz, ein junges Weib mit zwei kleinen Kinderchen, einem Bübchen und einem Mädchen, einem Zwillingspaare, befand sich in einer entsetzlichen Lage. Ihr Gatte ward als Mörder steckbrieflich verfolgt, sie hatte als vater- und mutterlose Waise geheirathet, und stand ganz allein und verlassen in der Welt. Ihre Lage ward noch um so verzweifelter, als eine große Summe baaren Geldes — etwa viertausend Gulden, — die ihr Gatte am Unglückstage zu Hause hatte, gleichzeitig mit ihm verschwunden war und die Frau nicht wußte, ob der Mann das Geld vor seiner Flucht irgendwo versteckt, ob er es mitgenommen, oder ob es von den Heiducken, welche das ganze Haus, vom Keller bis unter den Giebel, durchsucht hatten, gestohlen worden war. Es waren drei Monate vergangen, die der armen gequälten Frau eine Ewigkeit schienen, bevor ihr von ihrem Gatten Nachricht wurde; — aber auch diese lautete erschütternd. Ihr Gatte, der es versucht hatte aus Ungarn zu entfliehen, war in Pesth entdeckt und verhaftet worden. Diese Nachricht warf das arme Weib aufs Krankenlager. Monate lang rang sie mit dem Tode, und als sie endlich genesen, ward ihr von Neuem die entsetzliche Mittheilung, ihr Gatte fei zu achtzehnjährigem schweren Kerker verurtheilt. Sara wollte den schwergeprüften Mann in seinem Kerker besuchen, ihn sehen, sprechen, ihm Muth und Hoffnung einflößen. Von allen Mitteln entblößt, mit zwei kleinen Kindern bloß auf die Mildthätigkeit ihrer Glaubensgenossen bauend, unternahm sie die weite Reise aus dem äußersten Süden des Landes nach der Hauptstadt; aber es schien, als wenn sich alles erdenkliche Unglück an ihre Fersen geheftet hätte, denn als sie nach vieltägiger, ermüdender Wanderung in Pesth angelangt, und zu Tode ermattet die Pforte des finstern Criminalgebäudes betrat, erfuhr sie — daß ihr Gatte, wenige Tage zu/vor, sich in Sehnsucht um Weib und Kinder verzehrend, seinen Leiden erlege». Gebrochen an Geist und Körper kehrte die Arme wieder heim, und lebte, ihr Unglück mit rührender Resignation mit unerschütterlichem Gottvertrauen ertragend, nur der Erziehung ihrer herrlichen Kinder, die sie trotz ihrer Dürftigkeit zu .i i i j i