Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1878)
- Date
- 1878-09-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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948 überhäuft war. Seine Opferwilligkeit reichte für Alles aus. Er hatte von Natur merkwürdige Eigenschaften empfangen, äußerlich ungestaltet wie Mendelsohn, war er durch Geistesgaben reichlich entschädigt. Sein Gesicht war schön, mit stark ausgeprägten Gesichtszügen, männlichem, orientalischen Typus und mit einem in außergewöhnlichem Glanze leuchtenden Auge. Sprach er, so belebten sich alle seine Züge und er drückte sich in einer großen Anzahl von Sprachen mit einer merkwürdigen Leichtigkeit, ja geradezu mit einer vollständigen Richtigkeit aus. Er hatte einige der höchsten Eigenschaften eines Redners, eine glänzende Einbildungskraft, welche plötzlich die poetische Seite der Dinge herauszustreichen verstand, ein staunenerregendes Gedächtniß, in welches in einem Augenblick die interessantesten Erinnerungen sowie historische Analogien und Gegensätze wachrief, ja sogar die genauesten Zeitbestimmungen waren ihm stets gegenwärtig. Er besaß hohe Gesinnungen, lebhafte Begeisterung für das Gute und ein großes Bedürfniß nachThätigleit und Entwicklung. Er sprach gern in Tempeln, in Gesellschaftssitzungen und in öffentlichen Versammlungen. Die von feinen Gedanken und Gesinnungen gedrängte Redefluth glich dann einem plötzlichen Durchbruch, welcher alle Dämme einiceißt. Er brach dann mit einer großen und mächtigen Bewegung hervor, welche niemals ihren Eindruck auf das Auditorium verfehlte. Die Einbildungskraft herrschte manchmal bei ihm vor und erlangte über alle andern Fähigkeiten das Uebergewicht. Er besaß dabei die höchsten Geistesgaben; eine große und fruchtbare Einsicht zur Erfindung von Wohlthaten, weisen, nützlichen Rathschlägen. Im Allgemeinen verzweifelte er weder an den Menschen noch an den Dingen. Sein Optimismus ging so weit, daß er erblaßte, wenn er etwas Schlechtes über Jemanden sprechen hörte oder wenn die Verwaltungsberichte, die er erhielt, nicht zufriedenstellend waren. Er glaubte leicht an den Erfolg der Unternehmungen, zu welchen er ermuthigte, es ist dies das einzige Mittel zu ihrem Gelingen. Er stürzte unaufhaltsam vorwärts und rechnete dabei auf seine Thätigkeit, auf die Hilfsquellen, welche ihm die Vorsehung schicken würde, und auf diejenigen, welche er „seine Freunde" nannte. WaS sollen wir von feinem Charakter sagen? Unter den glänzendsten Verhältnissen, welche den Neid erregen konnten, hat er nur ein mittelmäßiges Vermögen hinterlassen. Er vertheilte dem Religionsgesetz gemäß den zehnten Theil seines Einrommens, den zehnten Theil der Mitgift, welche er seinen Kindern mitgab, und war auf eigne Rechnung von außergewöhnlicher Freigebigkeit, indem er ohne Unterlaß sein Glück mit den Armen theilte. Seine größte Eigenschaft war wahrscheinlich die Macht der Anregung, durch welche er jeden Widerstand besiegte und wodurch er für die iSr. Verwaltungen und Gesellschaften eine mächtige, immer in voller Thätigkeit wirkende Kraft wurde. Er hat niemals einem besondern Werke seinen Namen ausgeprägt, weil er die Kunst nicht verstand, seine Kräfte zu sparen und sie zurückzuhalten. Er lud sich alle Aemter auf, übernahm die Leitung jeder an ihn herantretenden Sache. Er opferte sich auf ohne zu rechnen, ohne nachzudenken. Er brachte Leben, wohin er kam, und ermuthigte die Muthigen. Er hat alle iSrael. Institutionen von Paris in's Geleise gebracht, viele von denen Jerusalems, und sie sind noch heute von seinem Hauche belebt. Er wird, so schließt das vorliegende Buch, in unsrer Mitte durch sein Beispiel fortleben und sein Name wird an der Seite der großen Wohlthäter des Judenthums und der ganzen Menschheit jederzeit genannt werden. —n— Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Schneidemühl, im Ellul. Dirfi uwoip njpn (': ppyD V">n n'x yV) D'non by jn ow wsinb töw Weit davon entfernt in den Kampf eintreten zu wollen, der Jahrelang in diesen Blättern geführt wird gegen das jüdisch-theologische Seminar in Breslau, bestimmt mich weiter nichts als obige Stelle in unserem “jny inbtf hiermit einen energischen Protest einzulegen gegen die schwerwiegenden, den Ruf eines großen Todten vernichtenden Worte des Recensenten —n— in der ersten Beilage zu Nr. 36 dieses Blattes, welche lauten: „Wer war es denn, der 'J'dd nwnb roto d. h. die dem Moses gewordene göttliche Offenbarung in Abrede gestellt hat, wer anders als der Gründer und Leiter der Anstalt, aus welcher der Herr Rabbiner von Crefeld hervorgegangen ist?" Ich habe die einschlägigen Schriften des seligen Dr. Z. Frankel ys'T gelesen und erkläre, daß jene Behauptung des Recensenten nichts anderes als eine a’nan iy jn osa rwsin im schlimmsten Sinne des Wortes ist. S. B r a u n, Rabbiner. (Wir haben der obigen Erklärung gern Aufnahme gewährt, um auch jeden Schein von Gehässigkeit gegen Verstorbene zu vermeiden, glauben