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Der Israelit · 1878-09-18 · Heft 38 (18.9.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 38 (18.9.1878)
Date
1878-09-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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945 sicheren Gewahrsam gebracht. Pfefferkorn begab sich zunächst nach Tübingen zu Reuchlin, um diesen für feine Zwecke zu gewinnen. Vor ihm her aber reiste auf den kürzesten Wegen und mit den schnellsten Pferden Rabbi Joselmann. Einer der hervorragendsten Geister, die dem deutschen Volke entstammt sind, yiar Johann Reuchlin. Im Jahre 1455 in Pforzheim geboren, wurde er mit dem Sohne des Markgrafen Carl von Baden erzogen uud mit diesem im Jahre 1473 nach Paris geschickt, wo er sich unter den ausgezeichnetsten Lehrern der damaligen Zeit dem Studium der Rechtswissenschaft und neben dieser der Erlernung der griechischen Sprache widmete. Als er im Jahre 1475 seine Studien in Basel fortsetzte, wurde er durch Johann Wessel aus Groningen veranlaßt, sich auch mit dem Studium der hebräischen Sprache zu beschäftigen. Gab es damals nur ganz wenige Männer, welche sich mit der griechischen Sprache befaßten, so stand in Bezug auf das Hebräische Reuchlin in Deutschland ganz allein. Später trat Reuchlin in die Dienste des Grafen Eberhard von Württemberg, den er zweimal nach Italien begleitete. In Italien, am Hofe Lorenzo's von Medicis, im Umgänge mit Männern wie Pico von Mirandola, dem schwärmerischen Verehrer der kabbalistischen Wissenschaft, bildete sich der Geist Reuchlin's in einer Weise, die in Deutschland ihresgleichen nicht hatte. So vorbereitet, wurde er der Lehrer von ganz Deutschland, der Wiedererwecker der Wissenschaften. Er suchte in die deutsche Sprache einen gebildeten Ton und Feinheit des Ausdrucks zu bringen; er suchte den Jugendunterrjcht zu verbessern. Seine Schriften wurden überall fleißig studirt, seine lateinischen Dramen, die sich von den alten Mönchsdramen sehr vortheilhaft unterschieden, wurden an den Universitäten von den Studenten aufgeführt. Als Graf Eberhard starb, trat Reuchlin in die Dienste des Kurfürsten von der Pfalz und ward Professor an der Universität zu Heidelberg. Im Jahre 1496 wurde er von seinem neuen Landesherrn abermals nach Rom geschickt, wo er jede Stunde, die er den Geschäften abzugewinnen vermochte, dem Studium der hebräischen Sprache und Literatur widmete. Rabbi Obadjah Seforno, der berühmte Commentator des Pentateuchs, ward sein Lehrer. Reuchlin zahlte ihm einen Goldgulden (etwa 10 Mark) für jede Unterrichtsstunde, für die damalige Zeit (und auch wohl heute noch) ein ungeheuer großer Preis. Nach seiner Heimkehr wurde Reuchlin vom Kaiser zum Richter des Schwäbischen Bundes ernannt, und dieses Amt bekleidete er um die Zeit unserer Geschichte. Als Rabbi Joselmann vor Reuchlin erschien, sprach er: „Gestattet mir, Herr Kaiserlicher Rath, daß ich den vom Talmud vorgeschriebenen Segen spreche " Und als Reuchlin zustimmend nickte, bedeckte Rabbi Joselmann sein Haupt und sprach: „Gelobt seist Du, Ewiger, unser Goil, König der Welt, der da von feiner Weisheit verliehen hat einem Menschen." „,.Jhr erweist mir zu viel Ehre."" „Habe ich doch das Glück, den Mann zu sehen, der allgemein als der krasoextor (^armanias (Lehrer Deutschlands) verehrt wird." „„Wie heißt Ihr und woher seid Ihr?"" „Ich heiße Joselin und bin aus Rosheim in Elsaß, ich entstamme der Familie Loans." „„LoanS? Seid Ihr vielleicht ein Verwandter meines Freundes Jakob Loans, der bei Weiland Friedrich IH. Leibarzt war?"" „Jakob Loans stammt aus derselben Familie, allein unsere Vetterschaft ist eine sehr weitläufige und beschränkt sich auf die uns gemeinsamen Ur- Ahnen." „..Was führt Euch zu mir, Josclin?"" „Wohlweiser Herr Rath, ein unwissender Mensch, ein Abtrünniger vom Hause Israels, Namens Pfefferkorn, hat vom Kaiser ein Mandat zu erlangen gewußt, das ihn berechtigt, sämmtliche hebräische Bücher zu consisciren, zu untersuche«, ob dieselben Feindseliges gegen die Christenlehre enthalten und sie dann zu verbrennen. Dem unwissenden Menschen ist es lediglich um Gelderpressung zu thun. In Frankfurt am Main hat er alle Bücher und Pergamente weggenommen, mehr als 1500, und droht, sie sämmtlich zu verbrennen, wenn man ihm nicht 100,000 Goldgulden zahlt, eine Summe, die das Vermögen aller Juden zu Frankfurt übersteigt. Erzbischof Uriel, der Kurfürst von Mainz, hat einstweilen dem schändlichen Treiben des Apostaten Einhalt gethan, bis ein kundiger Mann die heiligen Bücher prüfe und sich überzeuge, ob sie Gehässiges gegen die Christenlehre enthalten oder nicht. Aller Augen, gnädiger Herr Rath, sind auf Euch gerichtet. Ihr seid der einzige Nichtjude, der in Deutschland der hebräischen Sprache mächtig ist. Gnädiger Herr Rath, viel Unbill haben die armen Nachkommen Jakobs schon erdulden müssen auf Erden. Man hat unsere Väter verfolgt mit Feuer und Schwert, mit Rad und Strang, einige hat man in's Wasser geworfen, einige lebendig begraben, anderen hat man auf nichtige Vorwände hin mit Folterwerkzeugen die Glieder zerschlagen. Unzählige Mal hat man unS vertrieben von Haus und Hof, hat uns mit Wei-

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