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Der Israelit · 1878-09-18 · Heft 38 (18.9.1878) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 38 (18.9.1878)
Date
1878-09-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Zeit in ihrer isolirten Stellung, ohne weitere Nachahmung in Europa zu finden. In Berlin selbst gehört diese Gemeinde zu den Curiositäten. Die Reform des Judenthums hatte Fiasko gemacht. Also Beibehaltung des Sabbats erkannte man auch innerhalb der Reformkreise als zum Judenthume nothwendig, wenn auch nicht gerade aus lleberzeugung, so doch aus Klugheitsrücksichten, oder, um es beim rechten Namen zu nennen, weil Vas Criterium des Judenthums der Sabbat ist. Man fing das Ding nun anders, und wie man glaubte, klüger an und änderte die Parole „Re, form des I u d e n t h u m s" in „Reform deL Gottesdienstes." Unter diesem Namen suchte man die Reformbestrebungen, die nach wie vor dieselben blieben, zu bemänteln. Man schaffte den Sabbat nicht officiell ab, man wollte sich nicht dem Christenthume durch officielle Feier des Sonntags assimiliren, aber der an Sabbat und den jüdischen Feiertagen abgehaltene Gottesdienst erhielt nichts destoweniger ein dem Christenthum entlehntes Kleid, war nicht minder ein Ausdruck dieses Assimilirungsbestrebens. Orgel, Chor mit Frauen und Jungfrauen, die womöglich als Solistinnen dabei excellirten, Männer und Frauen in einem Raum vereinigt, deutsche Gebete und Gesänge aus geistlichen und weltlichen Compofitionen, von der Oper und dem christlichen Kirchengesang erborgt, Confirmation, Segenspenden des Geistlichen, willkürliche Aenderung der bestehenden Liturgie, Entfernung aller Gebete und Gebetsstellen, die sich auf unsere Vergangenheit und Zukunft beziehen, Absetzung von Feiertagen: Das war so ungefähr die Reform des G ottesdienstes. Thatsächlich, wurde aber die Reform des Judenthums angestrebt. Am Sabbat und Festtagen wurde wohl Hauptgottesdienst abgehalten, der Sonntag, sowie die anderen christlichen Feiertage wurden aber gefeiert. Das Sabbatgesetz wurde außer Kraft gesetzt, das Speisegesetz, das wie kaum ein anderes in das jüdische Privatleben eingreift und gerade so recht den Juden als Juden vor der christlichen Welt kennzeichnet, wurde für antiquirt und unzeitgemäß erklärt. Ich glaube nicht, daß auch nur ein Reformgeistlicher es jemals ernstlich gewagt hat, für die strenge Beobachtung des Sabbat- und Speisegesetzes einzutreten. Den Grund hievon wissen wohl jene Herren am besten. — Und so hat schließlich die Reform des Gottesdienstes zu einer tatsächlichen Reform des Judenthums geführt. Brüderlich reichen sich beide Richtungen die Hände mit dem Bewußtsein , eines Sinnes und Herzens zu sein. Und deshalb — wurde ein dritter Versuch gemacht.! Unangetastet sollte das jüdische Gesetz bleiben, > für unverletzlich und heilig wurde es auch für die Zukunft erklärt und daher die Reform, die nun einmal als Bedürfniß auch von dieser dritten Richtung anerkannt wurde, nur da als berechtigt hingestellt, wo sie mit unserem heiligen Gesetze nicht in Colliston gerieth. Die Reform sollte nur auf die Form sich erstrecken, nur Mißbräuche abschaffen. Es sollte aber auch zwischen Wichtigem und minder Wichtigem ein Unterschied gemacht werden , und um hierzu eine Grenzlinie ziehen zu können, die den Reformbestrebungen einen ziemlich weiten Spielraum ließ und dennoch das Gebiet des jüdischen Gesttzes, welches man ja für unverletzlich erklärt hatte, nicht berührte, stellte man die, wenn auch nicht gerade neue, so doch den neuen Reformgelü en mundgerechte Behauptung auf, daß als jüdisches, unverletzliches Gesetz nur das biblische betrachtet .werden könne, nicht aber auch das mündliche, die Tradition. So war nun richtig ein Weg gefunden für diese neuen Apostel der Reform. Kühn behaupten sie, auf dem Boden des wahren jüdischen Gesetzes zu stehen, den wahren Geist des Judenthums zu vertreten und — können auf diese Weise alle möglichen Concessionen machen, sogar mit der Orgel sich ganz gut befreunden. Das war nun freilich ein nroäuo vivendi, vermöge dessen Dehnbarkeit Rabbinen dieser Richtung ohne alles Bedenken sich an die Spitze von Reformgemeinden stellen konnten. Ob sie wohl für das. auch von ihnen anerkannte jüdische Gesetz in diesen Gemeinden viel Lanzen eingelegt haben; ob sie für die Heiligkeit des Sabbats eingestanden mit aller Kraft der Ueberzeugung; ob sie für das Speisegesetz und noch manche andere sehr wichtige und einen integrirenden Theil des jüdischen Gesetzes bildende göttliche Gebote in ihren Gemeinden Propaganda gemacht haben: das wissen wir nicht, einfach deshalb nicht, weil bis Dato die Beweise fehlen, daß man für die Beobachtung des jüdischen Gesetzes eingestanden , weil bis heute von einem Erfolge nach dieser Richtung hin in jenen Gemeinden nichts, aber auch gar nichts zu verzeichnen ist. Das sind in kurzen Zügen die drei Wege der Reform. Das Resultat ist bei allen dasselbe: tatsächliches Aufgeben des jüdischen Gesetzes. Alle drei Versuche, die vorgeblich dem Judenthume einen großen Dienst leisten, zur Erhaltung und Hebung desselben beitragen wollten, ihm Achtung und Anerkennung nach Außen zu verschaffen suchten, haben nur den Verfall des Judenthums herbeigeführt. Denn das Judenthum besteht in seinem göttlichen Gesetz, und dieses Gesetz wird heute, ob offen oder verdeckt ist im Grunde genommen ganz gleich,

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