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Der Israelit · 1878-08-28 · Heft 35 (28.8.1878) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 35 (28.8.1878)
Date
1878-08-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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867 übertretet Ihr das Gebot: lo szelich rochilbeamecho, es soll kein Zwischenträger sein in Deinem Volke — ja das geschieht sogar beim Thoravorlesen, — kennt Ihr denn den Ausspruch des weisen Königs nicht: Messir osno mischmoa Thoro gam sfiloso toewo, — wer sein Ohr dem Thoraworte verschließt, bei dem ist auch sein Gebet ein Gräuel! — Ja, wenn dadurch, daß Ihr Gotteswort nicht anhört — Euer Gebet ein Gräuel wird, — was thut Ihr dann im Gotteshause — da wärs wohl klüger, Ihr bliebt zu Hause! — Und weil ich gerade diesen Satz anführe, will ich ihn auch erklären — und wer will, kann aus dieser Erklärung Moral und Nutzen schöpfen. — Dieser Vers ist schwierig, kaum verständlich. Wer Thora nicht anhören will, bei dem ist auch das Gebet ein Gräuel! Warum denn um Alles in der Welt soll Jemano, der eine Mitzwe, aus welchem schlechten Grunde immer nicht ausübt, nebst der Strafe für diese Unterlassung, überdies noch des Lohnes einer andern, die er doch ausgeübt, verlustig werden! — das wäre ja ungerecht, und cs ist auch in der Tbat nicht so! Wenn Jemand nicht in der Sukko 101) sitzt und doch Lulaw benscht102), so wird er für die Unterlassung des einen Gebotes wohl bestraft werden, aber der gütige Gott Wird ihm in seiner Allgerechtigkeit den Lohn für die Erfüllung eines zweiten Gebotes gewiß nicht vorenthalten — und warum sollte gerade hier eine Ausnahme stattfinden!?— und auch angenommen die Bedeutung des Thoraanhörens wäre so groß, daß sie auch auf das Gebet zurückwirken könne, — so wäre es schon genügend und harte Strafe genug, wenn es hieße: Wer sein Ohr der Thora verschließt — dessen Gebet wird nicht erhört — aber daß es nicht nur nicht erhört, daß es vor Gott noch ein Graul wird, das erscheint unbegründet, erscheint unbegreiflich. Ich will Euch aber eine Erklärung dieses schwer verständlichen Satzes geben, doch gestattet mir mich hierzu eines Gleichnisses zu bedienen .... laßt Euch ein Geschichtchea erzählen! Es war einmal ein thörichter Landedelmann, der gerne vom Könige eine gute Stelle bei Hofe erhalten hätte, um die er sich lange vergeblich bemühte; da erfuhr er, daß sein ehemaliger Mitschüler sich die Gunst des Königs erworben, sein erster allmächtiger Minister geworden war; — und er beschloß nach der Residenz zu reisen und die' Fürsprache des Ministers beim König persönlich von jenem zu erbitten. In der Hauptstadt angelangt, bat er um Audienz bei dem Minister, 101) Laubhütte. 102) Beuediction über den Palmzweig verrichtet^! die ihm auch bewilligt wurde. Unser thörichter Edelmann kam am best.immten Tage in das Vorzimmer des Mächtigen, und nachdem er, unter der großen Zahl von Bittstellern, die der Ordnung nach vorgelassen wurden, lange gewartet hatte, trifft endlich auch ihn die Reihe, er tritt in das Audienz immer des Ministers, im ersten Augenblicke erschrickt er zwar vor dem Glanze und der Pracht, die den ehemaligen Jugendgenossen jetzt umgibt; aber das dauert bei dem dummen Menschen nicht lange, er nähert sich dem Minister ganz keck und vertraulich und sagt: Freundchen, Du wirst mir einen Gefallen erweisen. Der stutzt einen Moment und fragt ihn: „Wer ist Er denn?" — Der Minister nämlich hatte längst an den unbedeutenden Menschen, der mit ihm in die Schule ging, vergessen, aber wie der seinen Namen nennt, erinnert er sich nun plötzlich, läutet und befiehlt dem eintretenden Secretär: Lassen Sie dem Manne da eine tüchtige Tracht Prügel aufzählen! Der erschrockene Bittsteller schreit: Was fällt Dir denn da ein — es ist ja hart genug für mich, daß Da mir die Gewährung meiner Bitte verweigerst, weshalb willst Du mich noch so strenge bestrafen? — Aber die Sache lag so; der jetzt hochgestellte Minister war vor vielen Jahren in bedrängter Lage gewesen, hatte den ehemaligen Schulgenoffeu ausgesucht , und den reichen dummen Landedelmann um eine kleine unbedeutende Unterstützung angegangen, aber der herzlose Mensch, harte den Jugendfreund gar nicht angehört, ihn mit seiner bescheidenen, leicht erfüllbaren Bitte gar nicht zu Worte kommen lassen. „Ich bin nicht rachgierig, sprach der Minister, als Beweis kann es gelten , daß ich längst daran vergessen, daß Du, ein reicher Mann, mir einst hartherzig ein kleines Darlehen verweigertest — aber, daß Du, der Du mich nicht angehört, noch so frech, so unverschämt bist, zu verlangen, ich solle Dich anhören, Deinen Wunsch erfüllen — dafür, für diese namenlose Unverschämtheit erhältst Du die wohlverdiente Strafe .... Die Anwendung auf unfern Vers ist nun leicht. Der Mensch verschließt sein Ohr, wenn er Gottes Wort vernehmen will, — dann ist er noch unverschänt genug zu verlangen, Gott soll seine Wünsche anhören — diese Kühnheit verdient eine harte Strafe, eine bloß Nichtanhörung, wäre eine zu gelinde: Messir Osno mischmoa Thoro gam tfiloso toewo — wer sein Ohr dem Worte Gottes verschließt, und doch fordert, der Allheilige möge seine Wünsche erfüllen — dessen Gebet wird nicht nur nicht erhört, dessen Gebet ist — ein Gräuel. Und ich will es Euch nur offen und unumwunden sagen, es ist ein Gräuel, wie Ihr Euch

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