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Der Israelit · 1878-08-28 · Heft 35 (28.8.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 35 (28.8.1878)
Date
1878-08-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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861 „„Laß doch wenigstens mir gegenüber die Narrenspoffen, Jossef. Du weißt, ich halte treu zu Dir; aber die Possen kann ich nicht leiden. Als Du in Butschowitz als überführter Dieb gehängt werden solltest . . „Wirst Du still sein!" „„Da kam Dir plötzlich die Erleuchtung, Du ließest Dich laufen, und ich als Deine getreue Frau . - „Rühme Dich nur! Dein Loos wäre ein noch schlimmeres gewesen als meines; Dein sträfliches . . . Sie hielt ihm den Mund zu. „Was zanken wir uns!" sagte die Frau. „Laß uns lieber von etwas Anderm reden. Ich glaube, Du Haft Deine Forderung den hiesigen Juden gegenüber zu hoch gespannt. 100,000 Goldgulden können sie nicht aufbringen; so wirst Du gar nichts erhalten!" „„Konnte ich denn weniger fordern? Den ehrwürdigen Vätern zu Cöln habe ich 50,000 Goldgulden versprochen, und mir muß doch auch eine erkleckliche Summe übrig bleiben. Dann gehe ich nach Mähren zurück und kaufe eine Standes-Herrschaft oder ein Rittergut, und wir leben dann lustig und in Freuden; der Kaiser erhebt mich in den Adelstand und Du wirst dann eine adelige Dame werden." " „Ich fürchte, das sind Luftschlösser, Josef..." „„Johannes!"" „Meinetwegen Johannes. Du spannst den Bogen zu straff; die Juden können nicht geben, was sie nicht haben." „„Die hiesigen Juden sind reich. Was sie selbst nicht haben, das müssen die von Regensburg, Nürnberg, Würzburg, Prag und allen andern Städten zuschießen. Laß mich nur gewähren, ich kriege das Geld schon; ihre Bücher werden sie nicht missen wollen."" Es wurde an die Thüre geklopft. „Herein!" rief der Apostat. „„Habe ich die Ehre," " fragte der Eintretende — es war Rabbi Joselmann, „ „den ehrsamen Neophyten Herrn Johannes Pfefferkorn und dessen züchtiges Ehegespvns zu begrüßen?"" Pfefferkorn und sein Weib standen auf und verneigten sich. „„Ich heiße Raphael", fuhr der Fremde zu reden fort, „und bin aus Colmar; auch ich bin als Jude geboren."" „Seid willkommen, mein Bruder", rief Pfefferkorn. „Nehme der Herr Bruder, Platz." „„Ich danke; ich habe Wichtiges mit Euch zu reden. Darf ich die ehrsame Frau bitten . . . ."" „Sagt nur. was Ihr zu sagen habt. Ich habe keine Geheimnisse vor meinem Weibe." „„Es droht Euch Gefahr. Ihr habt von den Juden 100,000 Goldgulden verlangt; sie senden eine Deputation an den Kaiser und klagen Euch der Gewinnsucht an."" „Der Kaiser wird ihnen nicht glauben." „„Sie heben hervor, daß Ihr lediglich die Bücher der reichen Frankfurter Juden confiscirt habt. Deßhalb geht mein Rath dahin, daß Ihr Euch augenblicklich, oder doch morgen in aller Frühe auf den Weg macht und nach Weisenau bei Mainz zieht. Dort ist eine arme Judengemeinde; aber es wohnen viele gelehrte Männer daselbst, die mancherlei Bücher besitzen. Confiscirt Ihr die Bücher der armen Juden von Weisenau, so sieht die ganze Welt, daß es Euch nicht um Gelderpressung, sondern ledigtich um die Sache zu thun ist."" „Euer Rach ist gut, und ich werde mit dem Marktschiff nach Mainz hinunterfahren." „„Das nächste Schiff geht erst Freitag, wenn Ihr reiten möchtet „Wein, ich kann mein Weiv nicht allein zurücklassen." „„So miethen wir einen Wagen, ich muß doch nach Mainz, und bin deßhalb gern bereit, die Hälfte der Kosten zu zahlen."" Der Vorschlag gefiel dem Apostaten, und so fuhren denn die drei am anderen Morgen nach Mainz, wo sich Pfefferkorn auf die Kurfürstliche Kanzlei begab, seine Vollmachten vorzeigte und dann in Weisenau lustig confiscirte. Der angebliche Raphael von Colmar begleitete ihn. Da es keinen Rabdinen zu Weisenau gab, so suchte Pfefferkorn zuerst den Melammed, den Kinderlehrer, auf, nahm ihm alle seine Bücher — einen Pentateuch, ein Gebetbuch und ein Psalmbuch — weg und gab ihm eine Empfangsbescheinigung mit dem Versprechen, daß die Bücher» wenn nichts Christenfeindliches darin gefunden würde, zurückgegeben werden sollten. Der angebliche Raphael verabschiedete sich nunmehr von Pfefferkorn, (statt aber seine Reise fortzusetzen, begab er sich zu dem Melammed zurück. „Rabbi Jekelr". sagte er zu diesem, „es kann lange dauern, bis Ihr Eure Bücher zurückbekommt. Nehmt diese fünf Gulden und kauft Euch andere; dafür sollt Ihr mir die Empfangsbescheinigung des Meschummod geben. Der Melammed nahm hocherfreut das Geld und gab den Zettel dafür. „„Und nun, lieber Rabbi Jekel. könnt Ihr mir hier einen Roßtäuscher empfehlen?""

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