Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1878)
- Date
- 1878-08-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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860 r- >•-. *> tbi *:, { i;!! i ■ f i erkämpfte politische Selbstständigkeit gegeben haben, auch bei uns Interesse finden werden. In einem Lande mit ähnlichen Verkehrsverhältnissen wie Rumänien begegnen die größeren Untersuchungen, namentlich wenn sie nicht fortlaufend geführt, sondern nur von Zeit zu Zeit unternommen und nicht öfter geübt werden, großen Schwierigkeiten; ihnen ist es wohl zuzuschreiben, daß die für alle statistischen Arbeiten grundlegende Aufnahme der Bevölkerung, die allgemeine Volks-Zählung, seit beinahe zwanzig Jahren hier nicht wieder vorgenommen wurde. Damals, 1859, betrug die Zahl der Einwohner 4,424,961, und gegenwärtig muß dieselbe auf rund 5 Millionen Seelen angenommen werden; sie sind über eine Fläche von 12,120,425 da zerstreut, so daß auf 1 qkm. 41 Bewohner leben. Diese Schätzung uützt sich auf die Nachrichten über die Geburten und Sterbefälle, sowie die Wanderungen; wäre diese letztere nicht, so müßte aus den verhandenen Ausweisen gegenwärtig anstatt auf eine Zunahme, auf eine Verringerung der Bevölkerung geschlossen werden, da die Register in den letzten Jahren mit einer größeren Zahl von Sterbefallen als Geburten abschließen. Zu einem Theile wird diese Erscheinung wohl in einer mangelhaften Äufzeichung der Geburten begründet sein; eL ist aber bemerkenswerth, daß die Sterblichkeit, die im Uebrigen durch die wenig gesunde Lebensweise und schlechte Ernährung auf eine sehr bedeutende Höhe getrieben werden mag, nickt in allen Klassen der Bevölkerung größer als die Fruchtbarkeit ist. Unterscheidet man nämlich die Bewohner nach ihrem Religionsbekenntnisse, welches zugleich einen Schluß auf die Stammeszugehörigkeit und die gesellschaftliche Stellung erlaubt, so ergibt sich Folgendes. Es sind 1874 geboren gestorben Orthodoxe (meist Rumänen) 137,817 139,799 Andere Christen (Ungarn, Deutsche, Armenier, russische Sekten). 3,905 5,462 Israeliten. 7,719 6,955! Muhamedaner. 1 31 zusammen . 149,442 152,247 Darnach ist die jüdische Bevölkerung die einzige/ welche in Rumänien ihre Zahl durch den Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle;vergrößert; überdies verstärkt sich dieselbe aber auch regelmäßig durch den Zuzug aus benachbarten Ländern. Dieser führt alljährlich, wie geschätzt wird, 10,000 Rumänen ans Oesterreich-Ungarn in das Fürstenthum, wo denselben die Gesetze des Staates leicht das Bürgerrecht gewähren, außerdem wandern 3000—4000 Deutsche und Ungarn und 6000—7000 Israeliten ein. Die letzteren, als Handeltreibende, siedeln sich meistentheils in den größeren Städten an, von denen einige, wie Jassy und Botoschani, mehr Juden als Rumänen zählen. In welchem Verhältnisse zu der Zuwanderung die Wegzüge stehen, ist den uns vorliegenden Angaben nicht zu entnehmen. Feuilleton. Aabbi Ioselmann von Aosheim. Eine historische Erzählung. VI. Im Gasthofe „zum Weidenbusch" in Frankfurt a. M. saßen ein Mann und eine Frau beim Abend- Imbiß. Der Mann war klein, häßlich, rothhaarig, hatte eine große Habichtsnase, kleine, graue; stechende Augen und einen Mund, der fast von einem Ohre zum andern sich erstreckte. Die Frau war jung und schön; doch hatte sie etwas Freches in Blick und Gebehrden, was einen unangenehmen Eindruck hervorbrachte. Der Mann hatte soeben eine tüchtige Portion Schweinsbraten mit Sauerkraut vertilgt; jetzt spülte er ihn mit einem großen Sckoppenglase voll perlenden Rheinweins hinunter. . „Köstlich, süperb!" sagte er. „Meinst Du nicht, Maria, daß es schon der Mühe werth ist, sich von den Heilswahrheiten erleuchten zu lassen, um solche Edelmannskost zu essen und solch fürstlichen Wein zu trinken?" „„Gewiß, Jossef."" antwortete die Frau. „Johannes! wenn ich bitten darf." „ „Ach, Jossef, laß die Possen, wenn wir allein sind; ich hätte nichts dagegen, wenn Du mich wie ehedem Schprinzele nennen würdest. Du aber sagst immer „Maria"; ich weiß manchmal nicht, wen Du meinst."" „Ich muß Dich ernstlich bitten, mich immer „Johannes" zu nennen, auch wenn wir allein sind." „ „Nun meinetwegen, Jossef, wenn Du es wünschest, sag' ich immer Johannes."" „Du hast mich aber schon wieoer bei dem alten Namen genannt." „ „Nimm's nicht übel, Jos.., Johannes, es ist die Macht der Gewohnheit."" „Man muß sich von den alten Gewohnheiten freimachen, wenn man durch die Taufe gleichsam ein neugeborner Mensch geworden ist."