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Der Israelit · 1878-08-28 · Heft 35 (28.8.1878) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 35 (28.8.1878)
Date
1878-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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859 Die Dahingeschiedene, außer ihren hohen Verdiensten in sämmtlichen Wohlthätigkeitszweigen unserer Großgemeinde, Hot sich ganz besonders um die hiesige isr. Waisenanstalt verdient gemacht, so daß sie in nnserer Stadt den verdienten Beinamen einer Waifenmutter gewann cromjn on. 30 Jahre arbeitete sie rastlos an einer gedeihlichen Entwickelung obengenannter Anstalt. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ein eigenes Haus für die hiesigen Waisenkinder herzustellen , und dies gelang ihr auch im Jahre 1873. Rastlos sammelte sie jeden Sparpfennig zusammen, bis die nöthige Summe zur Errichtung einer respectablen Waisenanstalt vorhanden war. B.-Gyarrnath Am 13. fand die feierliche Installation unseres neuen Rabviners, Herrn Joseph Deutsch. Sohn unseres unvergeßlichen frühern Rabbiners David Deutsch ya'i statt. Es wurde demselben ein überaus großartiger Empfang bereitet. Wir zweifeln nicht, daß alle die großen Erwartungen, die sich an unsern neuen Rabbiner knüpfen, in Erfüllung gehen werden. R u m ä n i e n. Bukarest, 20. Aug. Im rumänischen Ministerrath finden lebhafte Debatten über die Berliner Vertrags-Bestimmung bezüglich der Juden statt. Ein entgiltiger Beschluß konnte jedoch bis jetzt nicht erzielt werden; Herr Cogalniceanu wird daher in wenigen Tagen eine Reise nach Wien, Berlin, London, Paris und Rom antreten, mit der Absicht einige Modifikationen jener Bestimmung zu erlangen. Wahrscheinlich wird er den Vorschlag machen, die Gewährung größerer politischer Rechte an die rumänischen Juden nur stufenweise eintreten zu lassen, da die vorgeschlagene plötzliche Aenderung in der Stellung der Juden auf hartnäckigen Widerstand stoßt und, wenn gewaltsam durchgeführt , denselben zum Schaden gereichen muß, da die herrschenden Elasten im Orient niemals in Verlegenheit seien, die unterdrückten Nationalitäten ihr Mißvergnügen fühlen zu lasten, ohne sich darum der thatsächlichen Censur der europäischen Cabinete auszusetzen. Nach einer Mittheilung der „Polit. Korrespondenz" wird man die Israeliten als „Ausländer" betrachten und es jeder einzelnen Persönlichkeit des jüdischen Glaubensbekenntnisses überlassen, im gesetzlich vorgezeichneten Wege um das rumänische Bürgerrecht sich zu bewerben. Jndigenats-Gesuche sind bekanntlich bei den Kammern einzubringen, die über jede einzelne solcher Petitionen in öffentlicher Sitzung votirend entscheiden. f worauf das angenommene Specialgefetz. die Person > betreffend, von der Krone sanctiönirt wird. Um nun auch vor Europa den Beweis zu erbringen, j daß man den besten, übrigens bei allen vernünfi tigen hiesigen Staatsmännern schon seit Jahren vorhandenen Willen hat, mit der Abtragung verwitterter Schranken ernstlich zu beginnen. soll schon in der nächsten ordentlichen Session der Kammern eine Anzahl von Israeliten zu Mitgliedern der ersten Kammer ernannt werden, und man bezeichnet die auch im Auslande bekannten Namen Hillel, Elias Halfon u. a., die schon in der kommenden Session der Kammern auf ihren Sitzen im „Rumänischen Parlamente" zu erblicken sein dürften (?). Der Minister des Innern, Rosetti, ist von seiner nach der Moldau unternommenen Rundreise hierher zurückgekehrt. Als ostensibler Zweck dieser ministeriellen Rundreise im Lande jenseits des Milkov — wie die Moldau officiell genannt wird — war die amtliche Revision der Präfecturen und Subpräfecturen genellt worden; confidenfiell jedoch hatte der Minister zwei für ihn und seine Partei sehr wichtigen Aufgaben zu lösen: Erstens das Terrain für' die eventuellen Wahlen zu der vielleicht einzuberufenden Constituante persönlich zu sondiren und vorzubereiten; zweitens mit der Moldauer sogenannten „unabhängigen Fraclion" in der „Judenfräge" das Einvernehmen herzustellen; die eben genannte Moldauer politische Gruppe perhorreseirt nämlich jede auch die geringste den Juden zu machende Concession und will von den diesbezüglichen Berliner Beschlüssen durchaus nichts wissen. Die Regierung hat allen Grund zu der Besorgniß, daß die gedachte Gruppe, deren Führer in der Kammer sitzt, schon in der nächsten außerordentlchen Session der gesetzgebenden Körper ihre Anschauungsweise energisch zum Ausdrucke gelangen lasten dürfte, was den leitenden Kreisen jedenfalls Verlegenheiten bereiten würde. Wie nun von regierungsfreundlicher Seite versichert wird, soll Minister Rosetti mit den Resultaten seiner Reise „in jeder Beziehung" überaus zufrieden sein. Die Mittheilungen, welche das statistische Amt des Fürstenthums Rumänien seit dessen staatlicher Einigung namentlich über die Bewegung der Bevölkerung, den Ackerbau und Handel veröffentlicht hat, vereinigte vor einiger Zeit der frühere Minister Aurelianu zu einer Landeskunde, und dieses Werk wurde jüngst von der wissenschaftlichen Vereinigung zu Bukarest mit dem Preise gekrönt. Ein französisches Fachblatt entlehnt demselben mehrere Angaben, die in dem gegenwärtigen Augenblicke, wo die neueren Ereignisse dem Fürstenthum die

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