Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1878)
- Date
- 1878-08-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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anders Belgien nicht den ehrenvollen Ruf und seine Stellung einbüßen soll, die es unter den europäischen Staaten genießt. Es kann zudem auch nicht die Absicht der liberalen Partei sein und bleiben wollen, die belgischen Israeliten sich zu entfremden oder gar zu verfeinden, indem sie die heiligsien Interna einer ganzen Confession, scrupcllos den Consequenzen einer rachsüchtigen Parteipolitik opfert. Sympathien aber wird sich das liberale Regiment jedenfalls durch solche Maßregeln nicht erwerben, nicht nur nicht bei den Juden, sondern auch bei keinem vorurteilsfreien Menschen. Hoffen wir! Nicht auf die Liberalen, nicht auf die Clericalen, hoffen wir, auf den rwo d:oth nx *p‘?noi, der die Zeiten ändert, der die Zeitverhälinisse wechseln läßt, dessen Hand auch liberale Herzen, liberal fühlen lassen kann, und dieser gerechtesten Sache endlich die gerechte Würdigung widerfahren lassen möge. —n— Zeitungsnachrichten 8f «Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. Mit Genugthuung und hoher Freude können wir heute berichten, daß dem in der vorigen Nummer, von uns besprochenen Uebelstand, betreffs der Behandlung jüdischer Schüler seitens illoyaler Directoren. wenn auch theilweise Abhilfe geschaffen werden soll. Wenigstens berichtet ein jüdisches Blatt, daß der Gemeindebund auf ein diesbezügliches Ersuchen darauf hingewiesen habe, es könne von einer genügenden und wirksamen Remonstration an die obersten Behörden in dieser Angelegenheit nur die Rede sein, wenn ihr genügendes Material an die Hand gegeben werde. Dabei möchten wir uns aber erlauben, darauf aufmerksam zu machen, daß in einer event. Petition an das Ministerium nicht blos von einer Dispens vom Schreiben an Sabbaten und Festtagen gesprochen werden darf, — was ja die Herren nolons volens überall zugestehen, — vielmehr muß betont werden, daß die Direction bei Feststellung des Lectionsplanes, sowie besonders auch bei der Abiturientenprüfung auf die jüdischen Schüler, resp. jüdischen Prüfungscandidaten in jeder nur möglichen Weise Rücksicht nehmen sollen. Es bedarf dazu auch keines besonders angesammelten Materials, um vor die Negierung mit dieser Forderung zu treten, denn diese Sammlung würde die Regelung dieser hochwichtigen Angelegenheit nur verzögern, und die Sache erheischt Eile; denn die Examen stehen vor der Thür und ein neues Semester nimmt bald seinen Anfang. Soll also der Erfolg einer diesbezüglichen entschiedenen Vorstellung den jüdischen Schülern schon im nächsten Semester zu Gute kommen, dann darf die Zeit nicht mit Erhebungen vergeudet werden, deren Resultat der Negierung besser als uns bekannt ist. Es ist ja bekannt genug, daß die Juden einen unverhältnißmäßig großen Procentsatz des-Schulbesuches stellen — in Berlin an vielen Schulen nahezu die Hälfte — und ist es Nichts als eine Forderung der Billigkeit und der Liberalität, daß selbst dem Wunsche eines Einzelnen in dieser Hinsicht Rechnung getragen werde. Daß man höhernorts die Sache nur recht lau behandelt. lag daran, weil noch niemals ein energisches Ansuchen an die Behörden nach dieser Seite hin gestellt wurde, und wir sind der festen Ueberzeugung, daß entschiedenes Auftreten den sichersten Erfolg erzielen wird. Littgen (Hannover). 16. Aug. Der Redacteur des hiesigen ultramontanen „Bolksboten", R. van Acken, ist wegen Veröffentlichung eines Inserats: „Kann der Jude hexen?" gestern von der Strafkammer des Obergerichts zu Osnabrück zu einer vierzehntägigen Gefänguißstrafe verurtheilt worde . Schweiz. Bern, 22. Aug. Der Ständerath pflichtete dem vom Nationalrathe bei der Ratification des Handelsvertrags mit Rumänien aufgestellten Postulats, betreffend den Abschluß eines Niederlassungsvertrages auf der Basis der Gleichberechtigung aller Bürger bei. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Pesth. Unter den Reugewählten unseres künftigen Parlaments bemerken wir mit Genugthuung, daß die Anzahl der jüd. Deputirten bisher, sich um folgende zwei vermehrt haben, so wurde in Räkus H. Dr. Ludwig Weiß aus Temesvar und Herr Felix Mende, Redacteur des „Független Hirlap“ in Budapest, in St. Lörincz gewählt u. z. gehört Ersterer der liber. Letzterer der äuß. Linken an. (Ung. Jsr.) Krakau, 18. Aug. Vorige Woche erlitt unsere Gemeinde durch das Ableben einer ihrer größten Wohlthäterianen, der Frau Cerca Goldgard einen herben Verlust.