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Der Israelit · 1878-08-21 · Heft 34 (21.8.1878) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 34 (21.8.1878)
Date
1878-08-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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; vr-r-’S; ■•‘I 5. d. M. bei Eröffnung der Schwurgerichts-Verhandlunggn spielte sich vor den Schranken des hiesigen Gerichtshofes folgender seltsame Fall ab: Die Verhandlung wurde unter den gewöhnlichen Formalitäten seitens des Ober-Landesgerichtsrathes v. Ambros eröffnet. Bei der Bildung der Geschwornenbank wurde von der'Ausschließung der jüdischen Geschwornen, die gerade bei der jetzigen Cadenz in der Geschwornenliste zahlreicher als die christliche Geschwornen vertreten sind, uneingeschränkter Gebrauch gemacht, so daß neun Christen und drei Israeliten bei dieser Verhandlung fungirten. Der Staatsanwalt erhob die Anklage wider den Förster Anton StubSki aus Wadowa, Bezirk Buczacz. wegen des an dem Israeliten David Robinson verübten Mordes. Der Sachverhalt Ist folgender: Anton Stubski passirte mit seinem Gespann am 23. Dezember 1877 die Ueberfahrt des Dniesters bei Ostra, welche David Robinson in Pacht hielt. Nachdem die Übersetzung des Flusses durch den damals herrschenden starken Eisgang erschwert war, wollte der Förster den Pächter hiefür verantwortlich machen und brachte ihn unter einer Fluth von Beleidigungen derart in Zorn, daß auch Robinsohn ähnliche Jnveetiven dem Förster zurückschleiderte. Stubski. in seiner Schlachzizen-Eyre sich von einem armen Juden verletzt fühlend, erwiderte ihm: „Warte, du aussätziger Jude, ich werde dir gleich zeigen, wie man in .leckt" begab sich kaltblütig zu seinem vor dem Hause des Pächters hallenden Schlitten, ergriff seine doppelläufige Flinte und verfolgte den in sein Haus sich flüchtenden Juden bis an die Schwelle, wo Letzterer, von der Kugel des Stubski rücklings ereilt, bewußtlos blutend niedersiel und in einigen Stunden seinen Geist aufgab. Drei christliche Zeugen, welche bei Diesem Borfalle anwesend waren, haben unter Eid dieses Factum bestätigt. Der Angeklagte vertheidigt sich damit, daß er wegen der ihm von einem Juden zu Theil gewordenen Beleidigung außer sich kam und diese That in bewußtlosem Zustande vollbrachte, während die Gerichtsärzte die Möglichkeit einer solchen Alterirung schon mit dem Hinweise ausschließen, daß das Ergreifen des Gewehres und die Verfolgung des Juden doch allenfalls ein Bewußtsein der That voraussetzen lassen. Daß übrigens Stubski ein Mensch sei, der mit kaltem Blute zu einer solchen That fähig ist, entnehmen wir aus den bei der Verhandlung verlesenen Protocollen über den An geklagten, daß derselbe schon zweimal Xon seinerWaffe ungesetzlichen Gebrauch 836 machte und hierfür von dem k. k. Gerichte in Tarnopel auch abgestraft wurde. Die den Geschwornen vom Gerichtshöfe gestellten Fragen lauten: 1. Ist der Angeklagte des verübten Mordes an David Robinfodn schuldig oder nicht? 2. Ist der Angeklagte des verübten Todtschlages an David Robinson schuldig oder nicht? > Nach k urzer Berathung haben die Geschwornen die erste Frage einstimmig, die zweite mit acht gegen vier Stimmen verneint. (Das Institut der Schwurgerichte gereicht uncivilisirten Nationen nicht zum Segen. Red.) Frankreich. Paris, 13. Aug. In dem Saale der Folies- Vergäre hielt gestern die „Alliance Jsraelite universelle" unter dem Vorsitz des Herrn Adolphe Cremieux ihre dreizehnte Generalversammlung. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkt man die Herren Derenbourg undOppert vom Institut, den Advocaten Narcisse Leven, den Generalsecretär der Alliance. Lehmann, ihren Schatzmeister, den Großrabbiner Isidore, den Oberinspektor der Pulvermagazine Meyer, die Bankiers Baron Hirsch und Bamberger, Beaucaire, Becwaltungsrath bei der Sparkasse u. A , dann auf den ersten Bänken die Zöglinge der von der Alliance gegründeten „Ecole orientale". Der von Herrn Läonce Lehmann erstattete Rechenschaftsbericht konstatirt das Wachsen und Gedeihen der Gesellschaft. die jetzt über 20,000 Mitglieder zählt und erst kürzlich von dem Baron Hirsch ein Geschenk von 1 Mill. Fr.empfangen hat. Präs.Cremieux feierte dann in einer von der Versammlung mit größter Aufmerksamkeit angehörten Rede die jüngste Errungenschaft des Judenthums, die Emanzipation seiner Angehörigen im Orient durch den Berliner Kongreß, wobei er der Verdienste deS Herrn Waddington, de Saint-Vallier uud Desprez um diese Sache rühmend gedachte. Hoffentlich, fuhr der Redner fort, werde das Abendland sich nicht von dem Morgenlnnde beschämen lassen und namentlich Rußland, dessen Vertreter auf dem Kongresse ja ebenfalls für die Emanzipation gestimmt, nicht 3 Millionen Juden in eigenen Lande noch länger als Parias behandeln, oenen nicht einmal das Recht zusteht, ihr Bekenntniß öffentlich auszuüben oder über ihr Vermögen letztwillig zu verfügen. Der greise Volksmann schloß mit dem Gelübde, auch ferner, was ihm vom Leben und Arbeitskraft noch bleibe, der Sache zu widmen, welche die Alliance unter ihren Schutz genommen. i

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