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Der Israelit · 1878-08-21 · Heft 34 (21.8.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 34 (21.8.1878)
Date
1878-08-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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834 verbrannt. Wenn Eure Kurfürstliche Gnaden die Verbrennung inhibiren und einen Aufschub bewirken wollten?"" „Lippmann, wie kann ich mich da einmischen, wie darf ich einem kaiserlichen Befehl, der mich uicht einmal direct berührt, entgegentreten?" „„Was gedenkt Ihr zu thun?"" fragte der kurfürstliche Leibarzt. „Ich will den Meschummed veranlassen, nach Weisenau*) zu gehen und auch dort die heiligen Bücher zu confisciren. Dann wird der Kurfürst Grund haben, sich einzumischen." „„Eure Kurfüstliche Gnaden sind als Erzbischof von Mainz, als Kanzler des Reichs, der vom Kaiser eingesetzte Beschützer und Versorger der Juden."" „Nicht eo ipso*), mein Freund. Zwar haben viele meiner Vorgänger ein solches Mandat vom Kaiser empfangen; aber ich bin nicht im Besitze desselben." „„Meine Brüder in Frankfurt sind bereit, für die Erwirkung eines Aufschubes, 10,000 Silber- Gulden in die Kurfürstliche Kasse zu zahlen." „Die Summe käme mir gut zu Statten; allein ich kann sie nicht verdienen. Ich würde mir des Kaisers Ungnade zuziehen und in Verlegenheiten gerathen wie der Kurfürst von der Pfalz zur Zeit des bayerischen Erbfolgekrieges. Ja, wenn der Apostat es wagte, auch nur ein Buch einem in Kurmainz ansässigen Juden wegzunehmen, dann hätte ich einen Vorwand, ihn hierher zu citiren, und dann würde ich schon Gelegenheit finden, die Sache in die Länge zu ziehen; was aber gehen mich die Frankfurter Juden an?" In der Wohnung des Arztes warteten Rabbi Joselmann Rosheim und Rabbi Moscheh Kohn mit Ungeduld auf die Rückkehr des Hausherrn. Dieser erschien endlich, betrübt und traurig, da er den abschlägigen Bescheid des Kurfürsten zu überbringen hatte. „Es ist nichts*,, sagte er, „der Kurfürst will sich der Ungnade des Kaisers nicht aussetzen." „Verzeiht", sagte Rabbi Joselmann, „wenn ich Euch bitte, mir jedes Wort, das Ihr in dieser Angelegeuheit mit dem Kurfürsten gesprochen habt, zu wiederholen." Und Rabbi Lippmann that also. Alö er geendet hatte, sagte Rabbi Joselmann: „Die Sache steht nicht ungünstig; ich reise sofort nach Frankfurt zurück. Ihr werdet bald von mir hören." i „„Und wie wollt Ihr das an fangen?"" j „Noch weiß ich es nicht; aber ich vertraue j zu Gott, daß Er mir den r chten Weg zeigen! wird. Laßt eilig mein Pferd satteln, Rabbi Lipp- ' mann; ich gedenke heute noch Hanau zu erreichen.; Dort will ich übernachten." Bald nachher ritt Rabbi Joselmann mainab-! wärts. Tausend Pläne schmiedete sein lebhafter Geist. Da sah er die Sonne sinken am Horizont. Er hielt sein Pferd an und betete das Minchah- Gebet, gewaltsam alle fremde Gedanken bannend. Als er das Gebet beendet hatte und weiterritt, da kam es ihm wse eine Erleuchtung; sein Plan war gefaßt. In Hanau kehrte er bei dem Rabbinen Salomon Poppers ein, durch dessen Vermittelung er sich einen Anzug verschaffte, wie ihn die christlichen Bürger zu tragen pflezten. Am andern Tage ritt ex nach Frankfurt und stieg am Hause zur Kanne ab. „„Was befiehlt der Herr?"" fragte ihn Rabbi Mosche, der Eigenthümer des Hauses. »Ihr kennt mich nicht?" „„Rabbi Joselmann! Und in diesem Aufzug."" „Verathet mich nicht! Habt Ihr mit dem Meschummed unterdeß unterhandelt?" „„Der Schuft verlangt hunderttausend Goldgulden , eine Summe, für die man ein Königreich kaufen kann." " „Keinen Heller soll er erhalten. Lebt wohl, Ihr werdet bald von mir hören!" (Fortsetzung folgt.) *) Ein Dorf ganz in der Nähe von Mainz. Seitdem Kurfürst Adolph (von Nassau) die Juden aus Mainz vertrieben hatte, wohnten sie in Weisenau. *) an und für sich. Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. I. GottS.leben'L Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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