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Der Israelit · 1878-08-21 · Heft 34 (21.8.1878) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 34 (21.8.1878)
Date
1878-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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832 dasjenige philosophische Gericht ohne viel Prüfung in sich aufnehmen, das ihnen mundgerecht vorgesetzt wird. Bon allen philosophischen Systemen ist dem Judenthume dasjenige am Gefährlichsten geworden, welches scheinbar am meisten mit ihm übereivstiwmt Die Leibnitz-Wolf'sche Schule, der Lessing und Mendelssohn angehörten, hatte die Grundwahrheiten des JudenthumS: Gott, Seele, Unsterblichkeit, acceptirt. Da sie aber diese Grundwahrheiten auf philosophischem Wege gefunden und bewiesen zu haben vermeinte, so erschien ihr deßhalb die Offenbarung, die übernatürliche Offenbarung als etwas Ueberflüssiges. Diese Anschauung brach sich namentlich in den Männern Bahn, die sich die Schüler Mendelssohns nannten: David Friedländer, Joel Bril, Jsak Sartanow, Jsak Euchel rc. — Keine Richtung ist den Juden so verderblich geworden wie diese. Die Materialisten, Atheisten, Sensualiften rc., alle jene Sys-eme, die Gott, Seele, Unsterblichkeit leugnen, sind uns nicht gefährlich; aber ein System, das sich erbietet, statt des Glaubens die Ueberzeugung zu verschaffen, und eben in dieser Ueberzeugung da- Judenthum als eine niedere, zu überwindende Stufe darzustellen, über die hinweg zur reinen Vernunftreligion ewporgeklommev werden soll — ein solches System schloß die größten Gefahren in sich. Und in der That ist das ganze INend unserer Zeit, in religiöser Beziehung, aus jener Epoche hervorgewachsen. Die bösen Früchte, deren Saat damals ausgestreut wurde, sind viel später erst zeitig geworden. Denn der philosophische Gedanke braucht lange, lange Zeit, bis er Gemeingut des Volkes wird. Der Abfall vom Judenthum, der sich im Gefolge der Religion der reinen Vernunft vollziehen mußte, wurde erst allgemein, als jene Religion der reinen Vernunft durch Kants Kritik der reinen Vernunft längst zertrümmert war. Auf „die Aufklärer" folgten „die Reformer", beide von jenem Deismus getragen, den wir oben charakterisirt haben. »Die Aufklärer" sind lange todt und „die Reformer" liegen in den letzten Zügen. llblpb Dip’ Up^N 1211 „Das Wort unseres Gottes aber wird bestehen in Ewigkeit." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Aus Papa (Ungarn) wird berichtet, daß am 5. d. M. in einer Repräsentantensitzung der orthodoxen Gemeinde die Concession des CultusminifferS zur Errichtung einer jüdisch-orthodoxen Realschule verlesen und beschlossen wurde, diese Realschule Anfangs Sept?mber zu eröffnen. Der Hauptzweck der neuen Anstalt soll sein, den Zöglingen, welche aus der Volksschule treten, die nöthige Fortbildung zu gewähren und ihnen auch in anpo, njffo und tnoa einen umfassenden Unterricht zu Theil werden zu lassen. Es existirten in Ungarn schon früher jüdische Realschulen in drei Neologen- Gemeinden, Die aber nach kurzem Bestände eingingen, weil dieselben niemals ihrer Aufgabe entsprochen haben; um so mehr ist der Muth der Papaer orthodoxen Gemeinde zu bewundern, die kein Opfer scheut, eine solche Schule ins Leben zu rufen. Die Papaer Realschule hat um so mehr Aussicht auf Erfolg, als in Papa überhaupt keine Realschule besteht und weil in ihr der Unterricht im profanen Wissen Hand in Hand mit den hebräischen Disciplinen gehen wird. Herr Oberrabbiner Dr. Breuer hat sich bei der Erwirkung der Concession zu dieser Schule große Verdienste erworben, ebenso der Präses des Vorstandes, Herr Löwenstein, der als strebsamer und gebildeter Mann der hohen Bedeutung einer solchen Anstalt für eine orthodoxe Gemeinde sich klar bewußt ist. Wir wünschen der zu creirenden Schule den besten Erfolg. Bosnien. Berichten aus Serajewo zufolge hat Hadschi Loja der dortigen jüdischen Gemeinde eine Kriegscontribution von 6000 Ducatcn auferlegt. (In Bosnien wohnen ungefähr 6000 Juden, sie betreiben großen Handel und haben bedeutende Fabriken. Ihr religiöses Oberhaupt ist der Chachom Baschi in Serajewo, dem auch die Rabbinen in Trawnik, Mostar, Banjaluka und Novi-Bazack unterstehen. In der Herzegowina wohnen auch nur wenige Juden; in Mostar etwa 800 und iw andern Ortschaften, circa 1200). Algerien. Orsm. Die Stadtbehörde hat den jüdischen Einwohnern einen Platz zu einer Synagoge ge-

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