Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1878)
- Date
- 1878-08-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447780--15245-2471186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Feuilleton. Simon Keding. Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von 8. Kolm. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Tarnower rückte seinen Stuhl ein klein wenig seitwärts, seinem Schreibtisch zu, als wolle er damit andeuten, daß er die Unterredung beendet Wünsche, aber Oppert entgegnete: „Sie wünschen zu wissen, warum ich erst jetzt mit meinen Forderungen auftrete, — ob ich Ihnen für die Summe, die ich verlange, etwas Greifbares, Thatsächliches als Gegenwerth gebe, und endlich ob ich im Stande bin, Ihnen die Überzeugung einzuflößen, daß diese meine Forderung auch die letzte sein wird? ich kann alle diese Fragen beantworten. Bevor Simon Reding zurückgekehrt war, wäre es für mich schwerer gewesen, Ihnen eine — Unregelmäßigkeit nachzuweisen. „Wird auch jetzt schwer halten!" warf Tarnower dazwischen. * „Wenn ich auf Redings Seite trete, wird das Gewicht seiner Stimme bedeutend verstärkt — ferner will ich Ihnen für die fünfzigtausend Gulden etwas verkaufen, ein Papier — und wenn Sie im Besitze des Papieres sind — dann bin ich vollkommen machtlos gegen Sie, — dann find Sie überzeugt, daß ich eine weitere Forderung an Sie zu stellen nicht mehr in der Lage bin." Tarnowers Gesicht nahm eine grünliche Färbung an, er preßte die Lippen fest übereinander, dann sagte er mit dem vergeblichen Bemühen seiner zitternden Stimme Festigkeit zu verleihen: „Bon was sprechen Sie Oppert? glauben Sie ein kleines Kind vor sich zu haben, das Sie mit Erfindungen schrecken können?" „Ich werß es, ich stehe einem sehr klugen Manne gegenüber und eben deshalb bin ich überzeugt, daß Sie meine Forderung bewilligen werden. wenn ich Ihnen die Maare nenne .... Ich besitze ein Papier, dessen Werth beim ersten Anblick nicht erkennbar, und doch für Manchen völlig unschätzbar ist — ich kann das Stück Papier an die Geschwister Erdmann, ich kann es an Simon Reding, ich kann es an Sie verkaufen, den Kauf- I preis müßten in jedem Falle Sie tragen — ich j glaube daher, es ist am Vernünftigsten, wenn ich j es Ihnen anbiete." > Tarnower wischte sich den kalten Schweiß von der Stirne, es durchfröstelte ihn, seine Blicke waren starr auf seinen Peiniger gerichtet, die Augen schienen aus ihren Höhlen hervorquellen zu wollen. „Papier — ich ... . ich weiß von keinem Papier!" „Ich will Ihre Ungeduld nicht länger auf die Folter spannen, .... es ist ein einfacher Bogen blaues Papier, — auf welchem einige bedeutungsschwere Worte von Ihrer Hand stehen." „Ah! .... da müßten Sie sich ja als Mitschuldiaer denunciren, — dazu sind Sie zu klug!" „Nein, für mich wäre die Sache ganz ungefährlich, ich würde ganz einfach sagen, ich hätte ihn erst jetzt gefunden .... Ihnen Herr Tarnower will ich ganz offen gestehen, ich habe diese Enveloppe seit damals aufbewahrt." „Schomajim woorez!" schrie Tarnower, sich an die Stirne schlagend, „ich — ich hatte damals den Bogen gesucht, — ich glaube mich nicht zu irren, Sie sagten damals, Sie hätten ihn verbrannt!" „Sagte ich so? das mag ich nur so in der Zerstreutheit gesagt haben — aber der Bogen besteht .... ganz unversehrt, ist in meinen Händen .Sie sehen, Herr Tarnower, ich bin noch immer in der Lage, volle Klarheit in die scheinbar schon längst abgethane Angelegenheit zu bringen, und als vernünftiger Mann müssen Sie es einsehen, daß der Kaufpreis von fünfzigtausend Gulden ein sehr mäßiger ist — Sie erleg-n mir den Betrag und ich gebe Ihnen das Papier — und Sie sind dann vollkommen sicher .... dann erst können Sie Ihr großes Vermögen ruhig genießen und sich Ihres Lebens freuen." Tarnower seufte tief auf. „Meines Lebens werde ich mich wohl nie mehr erfreuen", sprach er leise vor sich hin, dann schritt er einige Minuten nachdenklich auf und ab, plötzlich blieb er vor Oppert stehen. „Lassen Sie ein vernünftiges Wort mit sich sprechen." „Ich will Alles anhören, was Sie sagen — aber das Eine will ich Ihnen zur Abkürzung unserer Unterhandlungen mit aller Entschiedenheit erklären — von meiner Forderung von fünfzigtausend Gulden lasse ich nicht einen Kreuzer nach, jedes Wort, das Sie darüber sprechen, ist ein verlorenes." „Ich habe ja nicht gesagt, daß ich Ihnen weniger geben will" , entgegnete Tarnower, die Lippen fest übereinander pressend, „aber ich habe auch eine Bedingung zu stellen, — die für Sie leicht erfüllbar ist. Geben Sie mir nur bis Sonn-