Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1878)
- Date
- 1878-08-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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4'- - r 808 Der kleine Künstler kann übrigens weder lesen noch schreiben und kennt die Ziffern gar nicht. Dieser Ilmstand steigert jedoch nur daS Phänomenale des Kindes. ES ist in der That erstaunlich, daß ein 4 ^jähriges Kind in seinem Kopfe die complicirtesten Zifferngruppirungen ordnen und Aufgaben lösen kann, die auf schriftlichem Wege zu lösen nichts weniger als leicht ist. Die Production dauerte von halb 6 bis 7 Uhr AbcndS, mit einer längeren Pause, welche der junge Künstler sich erbeten hat. Rumänien. Bukarest, 16. Aug. Die rumänische Regierung kann sich nur schwer entschließen, an die vom Congreß als eine der Bedingungen der Unabhängigkeit Rumäniens hingestellte Emancipation der Juden heranzutreten. Man weist in Bukarest darauf, daß wegen der Frage der Emancipation eine Constitutante einberufen werden müsse und auch einberufen werden wird, weil eS sich um die Modificirung der Verfassung handelt; es sei aber begreiflich, daß, insolange fremde Truppen im Lande stehen, von der Einberufung einer Constituante die Rede nicht sein könne. Die Befürchtungen der Israeliten in Rumänien vor einer nur höchst illusorischen Gleichberechtigung gewinnen umsomehr an Bestand, als man schon jetzt auf Thatsachen hinweift, welche die Besorgnisse zu rechtfertigen geeignet wären. Unter Anderem führt man folgenden Fall an. Der noch seit der Regierungszeit des Fürsten Couza, also seit mehr als 12 Jahren als Chefarzt der in Jassy bestehenden Landes-Irrenanstalt fungirende Dr. Taufsig ist dieser Tage plötzlich aus seiner Stellung entlassen worden, weil derselbe beim Zusammenlritte des Congreffes — zwar formell beuurlaubt — sich nach Berlin begeben hatte und dort für die Emancipation der Juden im Vereine mit den Delegirten der Pariser „Alliance isr." gewirkt haben soll. Einer bei der Centralregierung für Dr. Taufsig sich verwendenden, sonst sehr angesehenen jüdischen Persönlichkeit soll bedeutet worden sein, daß Taussig niemals wieder eine Anstellung in Rumänien erhalten werde und im Uebrigen Gott danken könne, daß man die über „Landesverrats" im Strafcodex vorgesehenen Bestimmungen auf ihn nicht angewendet habe. Auch Dr. Marx, Secundarzt an derselben Irrenanstalt, ist seines Postens entsetzt worden. Nachdem er jedoch den Beweis erbrachte, daß er weder in Berlin war — wie die Lokalbehörde von Jassy nach Bukarest signalisirt hatte — noch auch sich an irgend einer judevfreundlichen Agitation betheiligt habe, da er schon längst dem Christenthume angehöre, so wurde er wieder in sein Amt eingesetzt. Eine weitere Thatsache, die in den gedachten Kreisen niederschlagend wirkt, ist der dieser Tage erflossene Befehl des General-Inspektors der Nationalgarde , General Calinesca, mit welchem sämmtliche Legions-Cvmmandanten angewiesen werden, alle Israeliten, ohne Unterschied, ob nun dieselben wirkliche Nationalgardisten sind oder aber dem Verbände der mit der Nationalgarde verschmolzenen Militär-Corps angehören, bis zur weiteren Verfügung jeder Dienstesverrichtung zu entheben und weder an den Waffenübungen, noch an irgend sonst einem Dienste der Garde theilnehmen zu lassen. Dieser Ordre ist das weitere Factum auf dem Fuße gefolgt, daß man allen Nationalgardisten jüdischer Confession die Gewehre und die Rüstungssorten abgenommen hat*). Feuilleton. Aabbi Zoselmann von Aosheim. Eine historische Erzählung. IV. W Der Senat der deutschen Reichsstadt Frankfurt am Main hatte sämmtliche Israeliten, die unter seiner Botmäßigkeit standen, in die gr^ße Synagoge, genannt Altschul, berufen lassen. Mit Zittern und Zagen waren die Armen gekommen; sie wußten, daß es nichts Gutes war, was ihnen auf so feierliche Weise mitgetheilt werden sollte. Als Alle versammelt waren, trat der Schultheiß vor die heilige Lade und verlas einen kaiserlichen Erlaß, des Inhalts, daß ein ehemaliger Jude, Namens Johannes Pfefferkorn, der zum Christenthume über- *) Anm. der Red.: Wir haben in Nr. 30 eine Correspondenz der „Nordd. Allgem. Zeitung" (officiöses Organ der preußischen Regierung) wiedergegeben, um das Rischuß, das in Rumänien herrscht und in der „N. A. Z." seinen Widerhall findet, zu characterifiren. Ein rumänischer Agent einer Annoncen-Expevition in Hamburg sucht in der zu Berlin erscheinenden „Jüdischen Presse" die Sache so darzustellen, wie wenn wir mit jenem Rischus-Geschrei übereinstimmten!! Wie lächerlich! Daß ein Rumäne in solchen Jrrthum verfallen konnte, ist erklärlich. Daß aber die „Jüdische Presse" bereitwilligst solchen thörichten Angriffen gegen uns ihre Spalten öffnet, ist sehr bedauerlich.