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Der Israelit · 1878-08-14 · Heft 33 (14.8.1878) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 33 (14.8.1878)
Date
1878-08-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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in diesem Falle nickt auch die jüdischen Eltern ge- . rechten Anspruch darauf, daß höhern Orts auch auf ihre Wünsche möglichst Rücksicht genommen und ihrer religiösen Anschauung sorgfältigste Rechnung getragen werde! Jndeß ist man nachgerade zur Erkenntniß gekommen , wie wenig Ernst es den hiesigen Schulbehörden, den städtischen wie den königlichen, um die Gleichstellung der Confessionen ist. Wiewohl es durch das Ministerialrescript vom Jahre 1859 den jüdischen Eltern überlassen ist, den sogar vollständigen Dispens ihrer Kinder vom Schulbesuch am Sabbat und an den Festtagen zu verlangen, können wir gleichwohl immer von Neuem hören, welche Manipulationen Lehrer und Direktoren höherer Lehranstalten ^vornehmen, um die jüdischen Schüler zum Entweihen des Sabbats durch Schreiben zu zwingen. Ja ein totaler Gewissenszwang der ärgsten Sorte ist es, wenn auf die jüdischen Schüler so wenig Rücksicht genommen wird, daß man die Anfertigung schriftlicher Arbeiten im Laufe des Semesters und beim Abiturientenexamen gerade auf den Sabbat verlegt. Und es ist traurig, wenn dann der einzig offenstehende Recours an die städtische Behörde wenig oder gar keinen Erfolg hat. Mögen die Herren doch bedenken, daß der Kaiser, als er den Wunsch aussprach , daß seinem Volke die Religion erhalten bleibe, sicherlich die Jaden nicht ausgeschlossen wissen wollte. Es wäre aber an der Zeit, daß die Stadtverordnetenversammlung durch die jüdischen Mitglieder auf diesen Uebelftand hingewiesen werde und endlich ^einmal defiiitive Abhilfe verschaffe. Wir sind überzeugt. daß unsere ebenso gerechte als humane Forderung vor dieser Behörde geneigtes Gehör finden wird. Im Lairfe der vorigen Woche starben in Berlin zwei Männer, deren Verlust besonders von der hiesigen jüdischen Gemeinde schmerzlich empfunden wird. Michael Löwenstein, Chef einer bedeutenden Bankfirma, genoß ebenso als ehrenwerther Kaufmann, als welcher er sich außerordentliche Verdienste nach dem einstimmigen Urtheil der hiesigen Blätter erworben hat, wie besonders als überaus wohlthatiger, für das Wohl seiner Glaubensgenossen thatigcr Mann, die ungetheilte Achtung seiner Freunde und Verehrer. Besonders waren es die Interessen der Pariser Alliance isr., deren Förderung er seit einer Reihe von Jahren einen großen Theil seiner vielfach in Anspruch genommenen Zeit widmete. Er starb im besten Mannesalter. Einige Tage nach jenem verstarb hier in Folge eines Schlagfluffes Herr Benno Catz, der als Vorsitzender mehrerer wohlthätigen Vereine, besonders unter den jüdischen Studirenden, in I gutem Andenken steht. Ein außerordentlicher Wohlthätigkeitssinn wird ihm von Allen, die ihn kennen zu lerne» Gelegenheit hatten, nachgerühmt, und werden Viele in ihm ihren Förderer und theilnehmenden Helfer betrauern, vppis mnoS ruvoiü pa fügen wir noch hinzu, daß das hiesige Organ der Christlich-Socialen, „Die Volkswacht" am 1. August sein elendes Dasein beendet hat. Dieses Blatt mästete sich während der kurzen Zeit seines jammervollen Bestehens einzig und allein mit abgeschmackten Phrasen, voller Judenhaß und Intoleranz, die lebhaft an die Zeiten Schudts und Eisenmengers erinnerten. # Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pefth Die Zeitungen berichten von einem 4^2jährigen Wunderkind. Namens Frankl, welches in Pesth durch Rechenkünste Aufsehen erregt. Der Vater des Wunderkindes beabsichtigt, demnächst eine europäische Rundreise mit dem Kinde anzutreten. Dieser Tage hat sich der kleine Künstler in Pesth abermals producirt. Das Aeußere des Kindes verräth keineswegs etwas Außerordentliches. Der Kopf ist klein, die Stirn schmal. Der junge Künstler nahm in einem Armstuhl Platz, der auf einem Podium stand. Dem Kinde gegenüber saß sein Vater. Vorerst wurden dem Knaben leichtere, dann schwierigere Aufgaben zur Lösung aufgegeben, schließlich ward man nicht müde, ihn mit den riesigsten Ziffern-Colonnen arbeiten zu lassen. Der junge Künstler ging in den meisten Fällen mit einer Präcision vor, die Alle „paff" machte. Er addirte, subtrahirte, multivlizirte und dirpdirte und passirte die endlosen Ziffernreihen mit einer Sicherheit, wie ein Seiltänzer das gesvannte Seil. „Es ist wahr", schreibt der Berichterstatter des ^P Naplo", „das Bürschchen erregte zuweilen, wenn eine besonders schwierige Aufgabe ihm vorgelegt wurde, Mitleid, Bedauern; es schien unter der Schwere derselben furchtbar zu leiden. Das Kind glitt von dem Stuhle herunter, kletterte auf den Schooß seines Vaters, streichelte diesem den Bart (zuweilen zupfte es denselben bei den Ohren), schaukelte sich auf den Knieen — schließlich gab es aber doch die riesigen Ziffer an, worauf das Auditorium in Beifallsrufe ausbrach. Dem Kinde macht der Beifall viel Vergnügen, es bricht in Lachen aus. Gleichwohl wirft der mit Beifall überschüttete kleine Künstler oft neidische Augen auf die Kameraden, welche die Eltern oder Erzieher zu dem Schauspiele mitgebracht haben. Vielleicht wäre es ihm lieber, mit denselben zu spielen und zu scherzen, als mit mathematischen Problemen sich seinen jungen Kopf zu zerbrechen."

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