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Der Israelit · 1878-08-07 · Heft 32 (7.8.1878) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 32 (7.8.1878)
Date
1878-08-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XIX. Jahrgang. Erste Beilage;u Ar. 32 des Israelit. Leitender Arttkel. Kochmals über den Irieden. An Herrn M. Jl. Cohen in Frankfurt a. M. von Ludwig A. Rosenthal in Brilon. Wer sich beurtheilt sieht, weiß, daß man ihn nicht ungelesen gelassen hat. An wen ein maßvoller und ruhiger Beurtheiler mit einem Hinweise auf gewisse Mängel herantritt, der kann gewiß sein, daß ein nicht unbedeutender Mann ihn seiner Beachtung gewürdigt hat. Todtgeschwiegenwerden ist für den Gründlichen die eigentliche Demüthigung, ein Zeichen, daß das eigene Machwerk des Beifalls ebenso unwerth ist, wie der Widerlegung. Entgegnung dagegen ruft Selbstprüfung hervor und bewahrt vor Selbsttäuschung über den eigenen Werth. Wenn darin besonders beide Kämpfer im Streben nach Wahrheit sich vereinen, dann kann man seine eigenen Ansichten dadurch trefflich klären. Sollte daher die Widerlegung, die Herr I. M. Cohen gegen meine (Nr. 27 erschienene) Arbeit über aitan bna richtet, mir nicht erfreulicher und ehrenvoller scheinen, als die Beistimmung der Menge, die oft nur die Oberfläche betrachtet? Indem ich in Herrn Cohen die gleichen Gefühle voraussetze, hoffe ich, daß er der folgenden Beleuchtung ebenfalls seine Beachtung nicht versagen wird. Wenn ich Herrn Cohen in den streitigen Punkten entgegentreten will, so möchte ich erst Diejenigen außerhalb der Schußlinie bringen, in denen er mit mir übereinstimmt. Daher erlaube mau mir eine Vorbemerkung über den allgemeinen Zweck meiner Arbeiten. Wer unfern Zeitgeist im Judenthum kennt, weiß auch, wie derselbe die strenge Wissenschaftlichkeit vor seichter Wortmacherei hat schwinden lassen, wieviel heute mit hohlen Redensarten geleistet wird, wie Schrift und Talmud nach Bedürfniß zubereitet und entstellt dem heutigen Gefchlechte als sinaitische Wahrheit aufgetischt werden könne. Treffliche Unterstützung bietet diesem Uebel die bodenlose Unwissenheit im jüdischen Schriftthume, I die ja auch eine Folge der Gleichgiltigkeit neuern-! der Seelenhirten ist. Und dabei hüllt sich die zerstörende Richtung in das Gewand strengster Wissenschaftlichkeit, steckt ihr Gesicht in die prunkende Maske des „geschichtlichen Judenthums", machte packende, wenn auch zuletzt etwas abgenutzte Schlagwörter zur Hauptwaffe gegen das gesetzestreue Judenthum, dessen Anhänger Jene gern als kleinlich und mit dem bessern Geiste desselben als im Widerstreit darstellen, während sie selbst den Glauben der Väter mit dem letzten Blutstropfen behaupten zu wollen vorgeben. Welch ein Mittel von unserer Seite könnte diesen Schein nun besser zerstören, als wenn wir die wissenschaftliche Probe auf ihre Ansichten machten und aus demselben die nothwendig sich ergebenden Folgerungen zögen, Folgerungen, vor denen sie selbst zurückbebe» müßten und mit denen sie den Zusammenhang doch nicht abstreiten könnten, weil sie nur die streng weitergeführte und auf's Leben angewandte Neuerungslehre darstellten und zum Beweise dienten, daß, wenn ihre Richtung je eine allgemeine werden könnte, unsere Lehre der Auflösung entgegengeführt würde? Wenn man ihnen bewies, daß gerade sie mit dem geschichtlichen Judenthume gebrochen, auf Zusammenhang mit demselben keinen Anspruch machen konnten und kein Recht halten, in demselben Beweisgründe für ihre Berechtigung zu suchen, daß sie also mit sich selbst im Widerspruche sich befanden? Mit einem Worte: Wenn wir, statt bloße Aeußerungen ihrem zerstörenden Eingreifen entgegenzuhalten, den Weg ruhigen Folgerns beträten und mit dem Judenthume entnommenen wissenschaftlichen Waffen sie bekämpften, indem wir ihre Hohlheit und den leeren Schein ihrer Richtung ihnen selbst klar machten? Würden wir sie nicht zur Anerkennung zwingen, wenn sie uns mit klarem Bewußtsein das Ueberkommene vertreten sehen? Jede wohlfeile Redensart, die wir ihnen tauben, jede kühne Behauptung, die wir in ihr rechtes Licht stellen, müßte ihnen dann eine Waffe gegen das wahre Judenthum entziehen (denn sie können uns in gleicher Weife nicht entgegentreten), müßte sie zu verstummender Achtung der Gesetzestreue gegenüber veranlassen, deren Vorkämpfern sie andernfalls nur ein kaltes Achselzucken entgegenzusetzen beliebten. Der einzige Weg, der ihnen dann noch bliebe, wäre machtlose Schimpferei, die aber der Wahrheit wenig Eintrag thun kann. Das war mein Streben bei all meinen bisherigen Veröffentlichungen in diesem geschätzten Blatte (z. B. Nr. 9), freilich nur mein Strebe»

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