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Der Israelit · 1878-08-07 · Heft 32 (7.8.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 32 (7.8.1878)
Date
1878-08-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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786 «Nichts da, nichts da," schrie eS von allen Seiten; „wir plündern." Da entfaltete der Fähnrich das Fahnentuch; allgemeine Stille trat ein. „Brüder," rief Jörge, der Fähnrich, „Ihr habt mir Eure Fahne anvertraut, damit ich sie trage in Ehren und sie schwenke über fromme, ehrliche Landsknechte. Wißt Ihr nicht, daß es Brauch ist, daß, so Jemand kommt, sich zu lösen, man daS Lösegeld annimmt und auf Gewalt verzichtet?" „„Ha, ha!"" lachte Veit Gonzenhermer, „„es sind ja Juden; für diese gelten unsere Gesetze nicht."" «Der Bruder hat Recht," riefen viele Stimmen, „wir plündern!" Da ergriff der Fähnrich das Fahnentuch, schlug es zusammen und steckte die Fahne verkehrt in den Boden. Darauf erhob sich ein großes Geschrei, und der Hauptmann sprach erschrocken: „Was thut Ihr, Fähnrich, daß Ihr die Fahne bergt wie vor Missethätern?" Der Fähnrich aber sagte: «„Liebe Brüder, Ihr hobt mich dazu gesetzt, daß ich die Ehre der Bruderschaft wahre. Da ich aber Worte höre, welche gegen unsere Satzungen verstoßen, so behüte ich die Fahne und berge das Tuch, denn Ihr wißt, daß es nicht über unsere Schande wehen darf."" Wieder erhob sich starkes Geschrei und Einige drohten zornig mit den Waffen; aber derHaupImann entschied mit starker Stimme: „Er übt sein Recht, und wir dürfen es ihm nicht wehren." «„Hört den Rath eines Alten,"" sagte Kunz Münzenberger, «„wir beauftragen den Hauptmann, daß er mit den Juden verhandele, damit sie uns statt dreihundert Goldgülden deren sechshundert oder gar tausend geben."" Dieser Rath wurde zum Beschluß erhoben. Der Hauptmann ließ die Juden, die sich entfernt hatten, zurückrufen. „Wir können," sagte Hans Frühauf, „Euren Antrag nicht annehmen. Was sollest uns dreihundert Goldgülden? Wie viel käme da auf jeden Einzelnen? Gehet hin und sagt Euren Brüdern, daß sie unS gutwillig Alles herausgeben; sie würden sonst gehängt, ersäuft, geviertheilt oder gerädert werden." «-Ich verstehe Eure Meinung sehr wohl, gestrenger Herr Hauptmann,"" sagtr Rabbi Joselmanv lächelnd, ««Ihr verlangt, daß wir Euch eine größere Summe zahlen. Allein es wohnen meiner Brüder nicht viele in Rosheim und nur wenige sind begütert; dreihundert Goldgülden aufzubringen, hält uns schwer genug; allein, damit Ihr zufrieden gestellt werdet, wollen wir Euch deren vierhundert geben."" „Sagt tausend, Jude!" „„Unmöglich, gestrenger Herr Hauptmann."" „So hört mein letztes Wort: sechshundert, oder wir plündern." „„Die Gemeinde kann nicht mehr geben als vierhundert; aber ich, ich werde die andern zweihundert Goldgülden aus meinem Eigenen hinzufügen, wiewohl mein Wohlstand damit zu Ende sein wird. Aber unter einer Bedingung, Hauptmann: Euer Fähnlein muß sich verpflichten, uns solange zu schützen, bis die letzten Kriegsleute das Land verlassen haben."" „Es sei," sagte der Hauptmann. . „„Schwört es mir!"" * * „Ich schwöre es." „ „Nicht also: lasset vielmehr die Knechte einen Ring bilden, lasset den Fähnrich das Fahnentuch enthüllen, und in den Ring sollen treten: ein Knecht mit dem Feuerrohr, ein Knecht mit der Hellebarde und ein dritter mit dem Spieß. Sie halten dann die Waffen aneinander, die wir Beide berühren, und hernach, die Hand an den Waffen, unter dem fliegenden Fahnentuch leistet den Schwur!"" „Ihr versteht Landsknechtsbrauch. Schade, daß Ihr ein Jude seid. Ihr seid ein schmucker Kerl. Lasset Euch taufen! Unser Fähulein braucht einen Locumteüens; ich stehe Euch dafür, daß Ihr zum Locumtenens gewählt werdet. Ihr seid noch jung, Ihr könnt es noch weit bringen, vielleicht gar Kriegsoberster werden." „„Und bötet Ihr mir die Schätze aller Welten — ich würde meinen Gott und meinen Glauben. nicht lassen."" «Ihr gefallt mir, Jude!" Darauf schlug der Trommler die große Tromwel; die Landsknechte traten in den Ring, und der Hauptmann leistete den Eid in der von Rabbi Joselmann verlangten Weise. Die große Gefahr war glücklich abgewendet. Friedlich zogen die Landsknechte nach Rosheim, empfingen das Geld und wurden mit Speise und Trank gelabt. Rabbi Zadok und Raphael konnten die Klugheit und den Muth Rabbi Joselmann'S nicht genug preisen. < Fortsetzung folgt.) Hierz« zwei Beilage«. Verantwortliche Aedaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Aorrr'schen HofSuchhandlung. 3. SottSleben'r Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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