Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1878)
- Date
- 1878-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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784 Juden empfehlen. Jedenfalls könnte sein Freund, Herr Hofprediger Stöcker, demselben einige Lec- Üonen im Lesen geben und diesem Unterricht jenes Buch als Fibel zu Grunde legen. Eins ist uns aber durchaus räthselhaft. Da hier offenbar wissentliche Aufreizung des Bürgers gegen eine vom Staate anerkannte Religion vorliegt, was zögert der Staatsanwalt, diesem Gebühren ein Ende zu machen? Allein es gibt gewisse Sachen, gegen die selbst der Staatsanwalt vergebens kämpft. Berlin, 30. Juli. Erst nachträglich wird bekannt, daß in den Fragen der Gleichstellung aller Confessionen in Bulgarien, Rumänien und Serbien Fürst Hohenlohe selbst eine bedeutende Agitation auf dem Congreß entwickelt hat. Der Fürst erklärte dieser Tage, kurz ehe er Berlin verließ, einer Deputation: „er blicke mit Genugthuung auf diesen Theil seiner Thätigkeit. Seine politische Thätigkeit habe er in Bayern mit Unterzeichnung eines Gesetzes begonnen, welches dort die Israeliten emancipirte, er hoffe, sie zu beschließen, indem er zu der allgemeinen Emancipation der Bekenner des mosaischen Glaubens beitrage." CölN Die wohlbegründete Theilnahme, welche der Leserkreis des „Israelit" allen Veranstaltungen zuwendet, welche dem erhabenen Zwecke der Erhaltung und Verbreitung des ThorastudiumS gewidmet sind, veranlaßt den Einsender über eine in diesen Tagen stattgehabte Versammlung des Curatoriums des hiesigen jüdischen Lehrerseminars einen kurzen Bericht zu erstatten. Es war die erste Versammlung, welche seit dem Heimgänge eines der würdigsten, angesehensten und verdienstvollsten jüdischen Männer der Rheinprovinz, des hochverehrten Herrn Benedict Rothschild in Grevenbroich, im Sitzungssaale der Anstalt stattgefunden. Herr Benedict Rothschild, ein Mitbegründer und eifr gster Förderer des Seminars und Mitglied des Curatoriums, war ein kerniger Mann von altjüdischem patriarchalischem Charakter, vom Geiste unserer heiligen Lehre durchtränkt, für alles Hohe und Heilige durchglüht und begeistert. Seine Hand war stets zum Spenden geöffnet und fein Haus eine stets geöffnete Zufluchtsstätte allen Bedrängten, die seiner Hilfe und seines einsichtsvollen Rathes bedurften. Seine Kinder und Enkel für rwnpn umm und strengne jüdische Pflichterfüllung zu erziehen und zu begeistern, war die erste und ernsteste Sorge seines irdischen Lebens und Streben- bis zum letzten Athemzuge. Bei seinem Leichenbegängnisse, zu welchem Tausende aus Nah und Fern herbeigeeilt waren, hatte sich auch das Kuratorium der Anstalt in corpore eingefunden und der Director derselben, Herr Rabbiner Dr. Plato die Leichenrede gehalten, in welcher die vorzüglichen Charaktereigenschaften und die hohen Verdieuste des Heimgegangenen gebührend hervorgehoben wurden. Bei Eröffnung der Eingangs erwähnten Curatoriumssitzung bemäcktigte sich aller Anwesenden der schmerzliche Gedanken, daß mit dem allverehrten College», wie mit jedem von altjüdischer, gefestigter und bewährter Frömmigkeit beseelten Manne, ein ganzes Stück Weltgeschichte zu Grabe getragen und eine in unseren Tagen schwer auszufüllende Lücke entstanden sei. Der Vorsitzende, Herr Jsaac Frank, verlieh dem gerechten Schmerze in beredten Worten einen ergreifenden Ausdruck und forderte die Versammelten auf, sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen zu erheben. Nachdem dies geschehen, wurde allgemein der lebhafte Wunsch und die frohe Hoffnung kundgegeben, daß die verehrten Söhne des Entschlafenen sich bewogen fühlen möchten, an die Stelle des Vaters in das Curatorium einzutreten. Hierauf wurde zur Tagesordnung übergegangen. Gegenstand derselben war die schon seit langer Zeit fühlbar gewordene Nothwendigkeit der Beschaffung eines geräumigeren Locales, sowie der zur Aufnahme einer größeren Schülerzahl erforderlichen Geldmittel. — Die gefaßten Beschlüsse entsprachen der oftbewährten Opferwilligkeit der Curatoren und über die bevorstehende Ausführung wird demnächst in diesen Blättern Bericht erstattet werden. — wnsne ina» 'm. Feuilleton. Aabbi Ioselmann von Mosheim. Eine historische Erzählung. m. Von der Höhe zogen die Landsknechte hernieder. An der Spitze des Haufens marschirte der Hauptmann Hans Frühauf aus Sachsen; neben ihm