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Der Israelit · 1878-08-07 · Heft 32 (7.8.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 32 (7.8.1878)
Date
1878-08-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Find't sich hingegen überall in Menge. Nur muß das Eine nicht den Andern mäkeln. Nur muß der Knorr den Knubben hübsch vertragen/ Nur muß ein Gipfelchen sich nicht vermessen, Daß eS allein der Erde nicht entschossen. Tempelherr. Sehr wohl gesagt! — Doch kennt Ihr auch das Volk, Das diese Menschenmäkelei zuerst Getrieben? Wißt Ihr Nathan, welches Volk Zuerst das auserwählte Volk sich nannte? Wie? Wenn ich dieses Volk nun, zwar nicht haßte, Doch wegen seines Stolzes zu verachten Mich nicht entbrechen könnte? Seines Stolzes, Den es auf Christ und Muselmann vererbte, Nur sein Gott sei der rechte Gott! — Was antwortet Nathan auf diesen unberechtigten Vorwurf? Mußte er nicht darauf entgegnen , daß es Israels unsterbliches Verdienst ist, den einzigen, wahren, unendlichen Gott, inmitten einer götzendienerischen Welt erkannt und gelehrt zu haben? Was hätte aus dieser Gottesidee werden sollen, wenn wir sie nicht mit Gut und Blut vertreten und uns gegen die Heidenwelt vollständig abgeschlossen hätten? Wir haben ja nichts gegen den Ausspruch, daß es überall gute Menschen gibt; lehren doch die Weisen im Talmud: Die Frommen aller Nationen haben Antheil an der zukünftigen Welt; — aber mit unserm Glauben an den einzigen Gott müssen wir uns den Heiden gegenüber abschließen, können den Götzendienern keine Zugeständnisse machen, können nicht sprechen: Vielleicht seid auch Ihr im Rechte mit Eurer Göttervielheit. Denn, wenn wir das thun würden, so würden wir ja nicht mehr den einzigen Gott bekennen; denn dieses Bekenntniß schließt eben di- Möglichkeit der Berechtigung eines Götterglaubens aus. — Was aber antwortet Nathan? Verachtet Mein Volk so sehr Ihr wollt. Wir haben Beide Uns unser Volk nicht auserlesen. Sind Wir unser Volk? Was heißt denn Volk? Sind Christ und Jude eher Christ und Jude Als Mensch? Ah, wenn ich einen mehr in Euch Gefunden hätte, dem es genügt, ein Mensch Zu heißen! Was Wunder, daß nach einer solchen Erklärung der gleichgestimmte Christ einem solchen Juden in die Arme sinkt, mit dem Ausrufe: Nathan, ja. Wir müssen, müssen Freunde werden! Dieser, von den Söhnen und Töchtern unseres Volkes als eine neue Offenbarung aufgenommenen Lehre, entsprang der Ruf, den wir nun schon fast ein Jahrhundert lang hören: „Geben wir das spezielle Judenthum mit allen seinen besonderen Lehren und Satzungen auf, so wird uns die politische und sociale Gleichstellung von selbst erblühen!" Ein Jahrhundert ist seitdem verflossen und es ist beinahe so geworden. Juden sitzen im Rathe der Fürsten, der Nationen, der Städte, sind Führer des Heeres, sehen in ihren Salons die Coryphäen der Kunst und Wissenschaft — aber, sind die meisten dieser Männer noch Juden? Ein berühmter Glaubens-, nein Stammesgenosse, wurde gefragt: Herr Doctor, welche Synagoge werden Sie am (morgigen) Versöhnungstage besuchen? — Und er antworte: Ja, dazu habe ich keine Zeit! — In den kleinen Städten der Provinz Posen kommen die jüdischen Gerichts-Referendarien am Versöhnungstage mit der brennenden Cigarre aus den Gerichtssitzungen. Wenn unsere Voreltern vor Jahrtausenden oder Jahrhunderten die Religion Israels hätten aufgeben, den Sabbat entweihen, mit den Völkern hätten essen und trinken und sich mit ihnen hätten verschwägern wollen, so hätten sie schon damals „emancipirt" sein können. Dann würde es aber heute keine Juden und kein Judenthum mehr geben. um 712 ,“P riTDJl ’2W '2iw ,rVDtnt£M '21V '21V D’jnon rV?in22 n’2it>KQ „O, komme zu uns, komme zu uns, Sulamith", rufen die Völker, „komme zu uns, komme zu uns! wir wollen aus Deiner Mitte Fürsten, Räthe und Heerführer ausersehen!" Sulamith aber spricht: „Ich will lieber in Armuth und Niedrigkeit verharren, treu meinem Gotte — denn, was könntet Ihr mir geben, was dem mir am Sinai Offenbarten gleichkäme?"*) So sprachen unsere Väter, und Gott sei Dank, die Mehrzahl unserer Brüder w$ Schwestern spricht noch heute so. (Fortsetzung folgt.) -Lin jüd. Hemeindetag in Halizien. TII. Die jüdischen Gemeinden besitzen nämlich einen eigenen Fond, der ihnen jedoch nur in ihrer Eigenschaft als galizisch - jüdischen Gemeinden zusteht, und über den sie daher erst vollständig verfügen können, wenn sie als Verband der galizischen Gemeinden Anspruch darauf erheben. — Die Entstehung dieses Fondes ist zu interessant, als daß wir die diesbezüglichen Ausführungen des Herrn Or. Mansch hier nicht wiedecgeben sollten. Der betr. Passus seiner längeren Rede lautet: Eine Landesvertretung müßte endlich unumgänglich geschaffen werden, wenn es sich heraus- *!) Nach der Auffassung des Midrasch.

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