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Der Israelit · 1878-07-31 · Heft 31 (31.7.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 31 (31.7.1878)
Date
1878-07-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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\ .um irtuuj " - - — “=r -..- . •.• ■*». ±7.r: Namen der Vertreter der übrigen größeren jüdischen Gemeinden in Deutschland, welche sich den Bestrebungen des hiesigen jüdischen Gemeindevorstandes im Interesse der Juden in Rumänien angeschlossen halten, an den Reichskanzler ein Dankschreiben gerichtet worden, welches folgende Sätze enthalt: „Mit hochherzigstem Wohlwollen hatten Ew. Durchlaucht die gehorsamsten Bitten entgegengenowmen, welche wir und mit uns die Vertreter der größten jüdischen Gemeinden Deutschlands für unsere schwerbedrängten Glaubensbrüder in Rumänien auszusprechen sich erlaubten. Das in hochderselben Auftrag vom auswärtigen Amte an uns erlassene Antwortschreiben vom 28. Februar er. eröffnet? uns eine tröstende Hoffnung und diese Hoffnung ist nunmehr verwirklicht; der Congreß der europäischen Großmächte hat die Gleichberechtigung aller Religionsbekenntnisse im Orient verkündet und dadurch unsere Glaubensbrüder von der Schmach befreit, welche seither auf ihnen lastete. — Durchlaucht, gereicht der denkwürdige Beschluß des Congresfes unS im Interesse unserer Glaubensgemeinschaft zu hoher Genugthuung, so blicken als Deutsche wir mit freudigem Stolze auf die Großthat hin, die sich vollzogen hat in der Hauptstadt Deutschlands , in einem Areopag, geleitet vom Kanzler des deutschen Reiches. — So möge es uns denn gestattet sein, Ew. Durchlaucht unser» ehrerbietigen Dank, sowie den aller deren entgegenzubringen, welche die Bitte mit uns vereint hatten. Einfach nur und kurz im Ausdrucke ist unser Dank ein tiefinniger, wurzelnd in der Zuversicht, daß. wo es gilt Menschlichkeit zu verteten, Deutschland seine Stimme erhebt, die nicht unerhört werden kann, uun und nimmermehr. Pose«. Der im April d. I. hier verstorbene Kaufmann Abraham Pakscher hat dem hiesigen christlichen städtischen Waisenhause 300 Mk. als feststehenden eisernen Fond vermacht, wovon die Zinsen zum Ankauf nützlicher Bücher wissenschaftlichen und gewerblichen Inhalts verwendet und unter die sich am besten betragenden Waisenkinder vertheilt werden sollen. Auch die israel. Knaben- Waisenanstalt, israel. Knaben-Berpflegungs«Gesellschaft, die Diaconissenanstalt, der christl. Armen- Verein und der Verein zur Erziehung jüd. Mädchen wurden mit namhaften Summen bedacht; außerdem hat der Legator noch ein Familienstift gegründet. ES verdient gewiß volle Anerkennung, daß der Verstorbene die hiesigen wohlthätigen Anstalten und Vereine ohne Rücksicht auf die Confession so reichlich bedacht hat. Frarrftadt. In der Nacht vom 2. und 3. d. M. ist in der hiesigen Synagoge ein überaus frecher Einbruch verübt worden. Der Dieb hat zwei silberne Gehänge der Thora mit hebräischen Inschriften mitgenommen. Von der hiesigen Po» lizei wurde eine größere Summe auf die Entdeckung des Diebes ausgesetzt. Feuilleton. Simon Aeding. Erzählung aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von S. Holm. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Reding hielt seinen Kopf in beide Hände gestützt, dabei zogen sich die Rockärmel herunter und zwei breite blaue Streifen wurden an feinen Handgelenken sichtbar. — Wilhelmine war den liefergreifenden Worten Simons mit höchster Spannung gefolgt, ihre Wangen waren vor Aufregung hochgeröthet, ihr Blick von Thränen des heißesten Mitleids verdunkelt, war starr auf Reding gerichtet, jetzt fiel ihr Auge auf die blauen Male. ^Armer Freund, was ist das?" rief das Mädchen tieferschüttert. Purpurgluth überfluthete Redings bleiches Gesicht, schamhaft zog er den Aermel des dürftigen Kleides empor „ein Zeichen erlittener Schmach .... ein Einschnitt der Ketten . . . ." antwortete er dann leise mit zitternder Stimme. „O! Gott im Himmel!" schrie Wilhelmine auf im wilden Schmerz .... „und ich .... ich lebte, war frei — während Du in Ketten lagst! . . . . Simon mein armer Freund! glaub mir's . ... der Gedanke hat mich schwer gequält, und ich habe oft zn bangen, schlaflosen Nächten zu dem allmächtigen Gott aufgeschrieen im wilden Seelenfchmerze, und ihn angefleht .... für Dich leiden zu dürfen!" „Daß Du das sagst, das föhnt mich aus mit meinem — die Wahrheit kann doch den höchsten Gott, den Gott der Wahrheit nicht verletzen — unverdienten Schicksal . ... ich danke Dir Wilhelmine!"

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