Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1878)
- Date
- 1878-07-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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760 Gesetzes zu führen und vor jeder Verirrung und Täuschung zu schützen, sehen, wie sie gesetzwidrige Acte durch ihre Billigung und Unterstützung sanctioniren, wie sie vom Gesetze verbotene Ehen heiligen und schließlich es als Schimpf und Ehrenkränkung betrachten, wenn man sie der absichtlichen Uebertretung der heiligsten Vorschriften zeiht. Und solchen Erscheinungen gegenüber mahnt uns die Thora immer von Neuem und mit größerm Nachdruck, daß der Jehudi religiös handeln und nicht bloß denken und sprechen müsse; ory im« ’NPn noff »roso n«i, „o daß sie mich verließen, und meine Gebote nur befolgten," lassen unsere Weisen Gott sagen, da er sich über die Abtrünnigkeit des Volkes beklagte. Denn hat sich Jemand nur erst daran -gewöhnt, fein gesammtes Thun und Handeln in den Dienst Gottes, wenn auch Anfangs unbewußt, HU stellen, dann ist gegründete Hoffnung, daß er sein Herz auch den Lehren der Religion öffnen Werde und, -deo to hdeo abv *pnD, eine feste, «»beugsame Ueberzeugung wird fortan die Triebfeder all* seines Handeln fein. Vielleicht enthalten die Worte des R. Elieser (Berach. 28) an seine Schüler, '211 p Diamii pann p od’Jdij/jo trosn, die Lehre, die Jugend zunächst an eine praktische Bethätigung des Gottesgesetzes ohne jedwede philosophische Untersuchung und Prüfung zu gewöhnen, dann sie jedoch bei fortgeschrittenem Alter an die Quellen der Lehre selbst führen, damit sie hier die Gründe und Bedeutung derselben kennen lernen. (Anders Raschi und Marschah zur Stelle.) Aehnlich wird eben so witzig als wahr die Frage beantwortet, warum wir im Gebet iJ'p>*o p zuerst erklären, daß Niemand gleich unserm Gott sei und dann fragen: „Wer ist wie unser Gott?" da man doch wohl den Satz in umgekehrter Ordnung erwartet hätte. Zuvörderst müssen wir der Ueberzeugung in uns Raum schaffen, daß das göttliche Wort, wie es in der Thora niedergelegt worden, unwandelbar und unumstößlich wahr sei; und auf drese Grundlage, und hierauf allein, dürfen wir dann unsere Forschungen und Untersuchungen auf den verschiedenen Gebieten des Wissens stützen. In dieser unbedingten Forderung religiöser Handlungsweise mag auch die Fülle der Gebote ihren Grund haben, deren Erfüllung uns täglich und stündlich obliegt. Man pflegt diese zum Unterschiede von den mso, die ein Erzeugniß der Moral und Humanität sind. nicht ganz mit Recht Ceremonialgesetze zu nennen. Denn eine Ceremonie ist nichts als die äußere Form eines inneren Gedankens, also ein bloßes Mittel zum Zweck; unsere Gebote sind j'doch selbst Zweck und sollen dazu dienen, daß wir durch eine bewußte That unsere Ergebenheit in den Willen Gottes bekunden. So heißt es im Anschluß an das Gebot der Liebe zu Gott, daß wir die Worte an unsere Hand und zwischen unsere Augen binden sollen, TJ’j> p nsDiü1? rrn i'i' niiö omppi. Die Liebe zu Gott und seinen Geboten findet man häufig als Geschmeide am Halse der Leute, betrachtet man sie aber näher, so erblickt man nichts als Schein und Flitter ohne inner« Gehalt und Werth, psn mo w©p"»p inu »md pua ba-w* yms sagen unsere Weisen (Rosch Haschanah 17): „Wer begeht eine Sünde an sich selbst? der Kopf, der keine Tephillin trägt." Das will sagen, daß wir durch die Erfüllung des Tephillingebotes uns als Mitglied der Gemeinschaft Israels bekennen, die die Thora als Gotteserbe empfangen, durch Uebertretung derselben jedoch zerreißen wir das Band, das uns an die ruhmvolle Kette gottbegeifterter Ahnen anschließt. Aehnlich sagt Rambam im Anschluß an die «stelle (Exod. 13, 16): oipoa imin? jnain Pnn &rrn mon rpff«n a»nr D’ryn p jnarn P n« D’spo B.-n p-iE>n nnx nman -ioyai "iDiffcn man nnn« by Kiniff ~iErpm D.TPys~a Ereon rrpoi1?. Die Tephillin sollen gelegt werden an die Stelle, wo das Gedächtniß seinen Sitz hat, in die Gegend des Gehirns, das unserem geistigen Auge die Vergangenheit vorführt, und sollen unser ganzes Haupt mit ihren Riemen umgeben und so unser ganzes Denken und Forschen von der Erinnerung an die vergangenen Tage durchdringen lassen." Wir könnten die Beispiele hierfür noch außerordentlich vermehren, aber es dürfte schon jetzt zur Genüge hervorgehen, mit welchem Rechte die Thora sowie Alles, so auch dieses Dogma, nwyb jnopn -uw, „und ihr sollt die Gebote lernen, um sie zu erfüllen," hingestellt hat, und wie besonders in unserer vielbewegten Zeit es Pflicht eines jeden wahrhaften Jehudi ist. gleich Moses. doti na non ror, so wohlthätig einzutreten für die Heilighaltung der Gebote und durch sein Beispiel auch auf die Gemüther und den Geist seiner Mitmenschen belehrend einzuwirken. Zeitungsnachrichterr und Correspouderrzen. Deutschland. Berlin. Aus Anlaß der Theilnahme, welche Fürst Bismarck bei den Congreßverhandlungen der Gleichstellung der Culte in den orientalischen Kleinstaaten, besonders aber der Verbesserung der traurigen Lage der Juden in diesen Ländern bewiesen hat, ist jüngst vom Vorstande der Berliner jüdischen Gemeinde in seinem Namen und im