Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1878)
- Date
- 1878-07-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. Erste Anlage zu Nr. 31 -es Zsraclit. Leitendes Ä t t i I e!♦ Lin jüdisches Hlaubensdogma. Religiöse Dogmen haben in der Geschichte der Religionen, der polytheistischen wie der monotheistischen, von jeher eine bedeutende Rolle gespielt. Im Alterthrm bildeten die Religionen in den Händen der Machthaber und der leitenden Parteien des Staates, die zugleich ihre Diener und Ausleger waren, ein wirksames Mittel, um über den Willen des großen Haufens eine beinahe unumschränkte Herrschaft auszuüben, und man fand in der Deutung von Naturerscheinungen durch den herrschenden Volksglauben an deren göttlichen Ursprung eine mächtige Triebfeder der Staatökunst. Jedes wichtige Unternehmen wurde durch eine Handlung der Religion geheiligt, bei allen Vorfällen von Bedeutung der Wille der Götter erforscht, Alles geschah im Namen, auf Befehl und unter dem Schutze der mächtigen Götter. Und dieser Glaube an die Unverbrüchlichkeit jener Deutungen und Auslegungen, der sich ja bekanntlich noch bis in die jüngste Gegenwart fortgepstanzt hat, boten eine geeignete Handhabe, die Henfchaft des Staates und der Kirche bis in die untersten und privatesten Interessen des Individuums auszudehnen, er bildete die Norm, nach der man die Religiosität und Unterwürfigkeit des Einzelnen unter die Vorschriften der Religion bemaß. Wer die Zuverlässigkeit jener vorgeblich von einer höheren Macht eingegebenen Erklärungen anzugreifen wagte, wurde vor das Forum der competenten Behörden geladen und verfiel hier dem Bann allgemeiner öffentlicher Berurtheilung und Verfolgung. Wie verhält sich demgegenüber das Judenthum? Kennt dieses ebenfalls solche Dogmen, die, vom jedesmaligen Machthaber im Interesse seiner politischen Stellung aufgestellt, allgemein bindende Kraft besitzen. und bei Strafe der Ausschließung Jedermann zur strengsten Nachachtung an's Herz gelegt werden? Nichts von alledem. Dogmen, Glaubensgrundsätze gibt es keine andern als die gottgeoffenbarten Gesetze der schriftlichen und mündlichen Lehre und diejenigen Vorschriften, die unsere Weisen zum Schutze jener als Resultat eingehender und sorgfältiger Prüfung und Studien zu unserem eigenen Nutz und Frommen für vothwendig erachteten. Was damals vor Jahrtausenden auf dem Sinai vor dem versammelten Volke aus dem Munde Gottes verkündet wurde, was unsere Weisen der Mischnah und Gemara und deren Erklärer in ihren unvergleichlichen Schriften uns überliefert haben , das behält seine Wahrheit und Bedeutung für uns und alle zukünftigen Geschlechter, durch dies allein muß unser privates und öffentliches Leben in allen seinen Phasen normirt und geleitet werden. im« pdpn mso ojn ir« onnn $3 pk 'Dtw ucd jn:m r?y *)*dip vb pi»y3 novn minn nsi pk o^iy ny ub nPam ny inwp UK pyö yvvn »w bst? mnh «n ,rwin D’Di£G n1? 'E6W DD’pnn1? a^y rpin wn pi ,of>iy nryo "on ttnn1? \xan noj psw mo1? «n , pdob von (Maimon. Jesode hattora 9, 1). Es leuchtet aus allen eben angeführten Stellen hervor, was die Thora als einziges, unverbrüchliches Dogma uns vorschreibt, indem sie mit besonderm Nachdrucke neben der Beobachtung, die ja nur eine genauere Kenntniß der Vorschriften bedingt, vor Allem die That verlangt: wie es ja auch (Leo. 18,5) heißt: ,dieS find meine Satzungen und Vorschriften, die der Mensch thue und durch sie lebe," und wie unsere Weisen erklärend hinzufügen: arm rvo’ff dhd 'Tv, nur durch die religiöse That, durch das überzeugungsvolle, bewußte Handeln innerhalb der Grenzen des GotreSgesetzes erhält unser Leben die wahre Würde und Weihe, die ihm vermöge der hohen Mission gebührt, die das Jndenthum unter den Völkern zu erfüllen hat. Wie nothwendig eine solche Einschärfung gerade für unsere Zeit ist, kanrr Niemand verkennen, der der Entwicklung des Judenthums in den letzten Jahrzehnten aufmerksam gefolgt ist. Wie oft begegnen wir Personen, selbst von höherer geistiger Befähigung, die da wähnen, sie könnten ihrer Pflicht als Juden damit genügen, daß sie ihre Liebe zu Gott und seinen Geboten zür Schau tragen, wenn es aber gilt, diese ihre scheinbare Ueberzeugung zu bethätigen, sich hinter den wohlfeilen und naheliegenden Vorwand des Unzeitgemäßen und Unschicklichen zurückziehen. Dasjenige, was ewig und unveränderlich ist, suchen sie der wechselvollen und launenhaften Mode zu opfern, waS göttlich und heilbringend für uns stets war und sein wird, unterwerfen sie dem verderblichen Gelüste ihres Herzens, und wollen bei alldem noch die Augen ihrer Mitmenschen durch den Schein der Treue und Anhänglichkeit an die Religion dev Väter blenden. Da muß man selbst von solchen, die dazu berufen find, das Volk die Wege des