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Der Israelit · 1878-07-31 · Heft 31 (31.7.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 31 (31.7.1878)
Date
1878-07-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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758 „Ihr beurtheilt mich zu liebevoll, Rabbi Zadok; Eure Liebe zu mir trübt Euer Urtheil. Als unsre Brüder den VerS aus den Psalmen: „Gott schütze Deinen Ausgang und Dein Heimkommen" uns znriefen, da fiel mir ein räthselhafteS Wort unsrer Weisen im Midrasch ein. Es heißt nämlich in der heiligen Schrift: Gesegnest seiest Du bei Deinem Kommen, gesegnet bei Deinem Gehen. Dazu bemerkt der Midrasch Rabbah: Gesegnet seift Du bei Deinem Kommen — in Deinen Geschäften, gesegnet seist Du bei Deinem Gehen — in Deinen Geschäften. Und David erklärts: Gott schütze Deinen Ausgang und Dein Heimkommen." „„In der That"", sagte Rabbi Zadok, „„ein schwieriger Midrasch. Was sagt David denn mehr als die Thora sagt?"" „Nach meiner Meinung könnte man den Midrasch in folgender Weise erklären: Im Anfänge des Traclat Peßachim sagen die Weisen: Immerhin suche der Mensch bei Tag heimzukommen und bei Tag fortzugehen. Die Stammväter meines Geschlechts , die Baale Toßaphot werfen die Frage auf: es sollte doch umgekehrt heißen: immerhin suche der Mensch bei Tage fortzugehen und bei Tage heimzukommen, da man doch erst fortgeht und dann heimkommt. Die Antwort der Toßaphot auf diese Frage ist ungenügend. Nach meiner Meinung könnte man die Talmudstelle so erklären: wenn der Talmud erst vom Fortgehen und dann vom Heimkommen spräche, so könnte man meinen, das gelte nur für den Anfang und für den Schluß der Reise, etwa als gute Vorbedeutung, wie es der vom Talmud gebrauchte Ausdruck für Tag. ki tob — daß es gut sei — anzudeuten scheint Da aber die Gemara mit dem Heimkommen beginnt, so versetzt sie gleich in die Lage des Reisenden, der schon unterweges sich befindet, und der Rath der Weisen bezieht sich auf jedes Fortgehen und jedes Heimkommen wahrend der ganzen Reise." „,Sehr richtig"", sagte Rabbi Zadok, zustimmend. „Wenden wir das nun auf unfern Midrasch an. Der Midrasch will den Ausspruch der Thora: gesegnet seist Du bei Deinem Kommen, gesegnet bei Deinem Gehen — erklären; ein anderer Midrasch deutet es auf das Kommen in die Welt, auf das Fortgehen von der Welt, also auf Geborenwerdev und Sterben. Unser Midrasch will es aber auf jede Reise, jeden Geschäftsgang gedeutet wissen; dann wäre aber doch zu fragen, wie die Toßaphot auf die Gemara fragen, warum spricht die Thora früher vom Heimkommen als vom Fortgehen? Und da lehrt uns der Midrasch, daß gerade diese Ausdrucksweise nicht das Einmalige, sondern das Immerwährende andeutet. David aber, der zuerst vom Weggehen und dann vom Heimkommen spricht, ist gerade deßhalb genöthigt hinzuzufügen: meatta wead olam, von nun an bis in Ewigkeit; daher sagt der Midrasch: und David erklärtes, daß nämlich auch das Thorawort einen immerwährenden Segen Gottes bei jedem Heim« kommen und jedem Ausgange in sich schließt." „„Ich glaube"", sagte Rabbi Zadok nachdenkend, „„Du hast den Sinn des Midrasch richtig erfaßt und wiedergegeben. Wahrlich, das ist die echte Ehrerbietung gegen die Thora, wenn man ihren Worten solche tiefe Forschung widmet und den heiligen und erhabenen Lehren nachdenkt, die jedes Wort, jede Ausdruckswrise bietet."" „„Verzeiht, Rabbi Joselmann"", nahm Raphael, der ein Ungelehrter war, das Wort, „„ich habe den Sinn Eurer Worte nicht ganz erfaßt."" „Wenn Rabbi Zadok erlaubt, so will ich es noch einmal sagen und mich bemühen, deutlicher zu sein." „„Dazu ist jetzt nicht Zeit"", entgegnete Rabbi Zadok, „„denn dort oben auf der Höhe wird das Fähnlein der Landesknechte sichtbar. Sei uns gnädig, allgütiger Gott!"" „Hebt die weiße Fahne hoch, Raphael!" Die drei standen still und Raphael that wie ihm geheißen war. Rabbi Joselmann hob die Hände empor und rief mit lauter Stimme: „Allgütiger Gott, um meiner frommen Väter willen, die vor Dir gewandelt, stets und immer, gib unserm Vorhaben Gelingen!" Und Rabbi Zadok sprach: „Herr, mein Gott, sei eingedenk, wie ich meinen Hals dem Mordschwerte bot zur Heiligung Deines großen Namens und laß uns Gunst finden in den Äugen unsrer Dränger!" Raphael sagte nichts; aber er schwenkte eifrig die weiße Fahne. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Berantwortlkche Nedaction: Dt. Sejmapn. — Verlag der Le Stoux'schen Hofbuchhandlung. I. GottSleben'r Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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