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Der Israelit · 1878-07-31 · Heft 31 (31.7.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 31 (31.7.1878)
Date
1878-07-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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757 1503, 4 u. 5, bereits als ein angesehener Mann an der Spitze eines eigenen Haushaltes stand, so ist anzunehmen, daß er bald nach der Niederlassung seiner Eltern in RoSheim, also etwa im Jahre 1478*), ist geboren worden. Wir wissen auch nicht, wer sein Lehrer im Talmud und in der Kabalah war; jedenfalls muß er schon früh einen vorzüglichen Unterricht in beiden, so ungemein schwierigen Wissenschaften genossen haben, da er in späteren Jahren als einer der bedeutendsten Talmud- Gelehrten allgemeine Anerkennung fand, was in einer Zeit, in welcher Rabbi Moses Berab, Rabbi Joseph Karo, Rabbi Jizchak Arama, Don Jizchak Abarbanel, Rabbi Salomo Luria und viele Andere von gleichem Rufe blühten, von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Aus einer Bemerkung eines Enkels Rabbi Joselmanns, des berühmten Rabbi Elijahu Loans, genannt Baal Schem, in seiner Vorrede zu dem noch ungedruckten Sohar- Commentar Adereth Elijahu, dürfen wir folgern, daß Rabbi Joselmann von seinem eigenen Vater, Rabbi Gerson, sowohl in der schriftlichen als auch in der mündlichen Lehre, ebenso wie in der Kabalah ist unterrichtet worden. Flüchtlinge kamen nach Rosheim und brachten die Schreckenskunde, daß die Kurpfälzischen Schaaren geschlagen und die im Dienste des Kaisers stehenden, siegreichen Landsknechte, raubend und plündernd herbeizögen,, gerade auf Rosheim los; in wenigen Stunden schon würden sie dort sein. Da versammelte Rabbi Joselmann die jammernden und wehklagenden Juden. „Freunde", redete er sie an, „nicht kann das Jammern und Klagen uns nützen; wir müssen unter göttlichem Beistände das drohende Unheil abzuwenden suchen. Vielen von euch ist noch die Noth und das Elend erinnerlich, welches die Schweizersöldner des Königs von Frankreich über unsere Väter gebracht haben. Aehnliches, vielleicht noch Schlimmeres bedroht uns heute. Deßhalb ist mein Rath, daß wir den Söldnern des Kaisers entgegenziehen und einen Vertrag mit ihnen schließen. Vielleicht gelingt es uns, sie mit einem Theile unsrer Habe zufrieden zu stellen." „„Ich bin der Mann, der das Elend sah, sagte der greise Rabbi Zadok, „gegen meinen entblößten Hals war bereits, das Mordschwert der Söldner erhoben. Thuen wir also, wie unser junger Freund, Rabbi Joselmann, uns räth. Geben wir hin, was wir zu geben vermögen und retten wir unser Leben und das unserer Frauen und Kinder. Geld und Gut kann des Allgütigen Gnade uns bald ersetzen." „Wer aber wird es wagen", fragte Raphael von Bergheim, „den reißenden Bestien entgegenzugehen, ihnen in den Rachen zu laufen, um wahrscheinlich als erstes Opfer ihrer Wuth zu fallen?" „Ich werde gehen", sagte Rabbi Joselmann. „Gott segne Dich mein Sohn", sprach Rabbi Zadok; „ich aber lasse Dich nicht allein gehen; ich werde Dich begleiten." „Gestattet mir", nahm Raphael von Bergheim das Wort, „daß auch ich meinen Antheil habe an dem guten Werke; es ist doch besser, wenn drei gehen als zwei." „Ich danke Euch, Raphael", sagte Rabbi Zadok, „für Euren guten Willen und nehme Euöh gern zum Begleiter. So laßt uns denn eilen, die Zeit drängt." Da riefen die Versammelten wie aus einem Munde in hebräischer Sprache: „Gott schütze Euren Ansgang und Euer Heimkommen von nun an bis in Ewigkeit!" „Amen!" sprachen die drei und machten sich auf den Weg nach Schlettstadt zu, woher die Landesknechte kommen sollten. Vorher hatten sie ein weißes Tuch an einer Stange befestigt. Raphael von Bergheim trug die Parlamentär-Fahne. Als nun die drei in großer Aufregung dahin schritten, nahm Rabbi Joselmann das Wort: „Wir sollten", sagte er, „nun eigentlich überlegen, wie wir mit den Landsknechten verhandeln und welche Summe wir ihnen bieten; allein das wäre nutzlos, da wir nicht wissen, ob sie uns sofort niedermachen, und wenn nicht, wir doch jedenfalls die Bedingungen annehmen müssen, die sie uns auflegen. Wir wollen deßhalb lieber Alles unserm Vater im Himmel anheimstellen; wenn Er uns schützt, werden wir glücklich den Klauen des Löwen entkommen. Deßhalb wollen wir uns lieber von der heiligen Gotteslehre unterhalten, von der unsre Weisen, gesegneten Andenkens, sagen, daß sie der beste Schutzengel Israels auf allen seinen Wanderungen ist." „„Ich bewundere Dich, Rabbi Joselmann, entgegnete der greise Rabbi Zadok, „nicht nur j Deinen hohen Geist, Deinen durchdringenden Ver-! stand, Dein wunderbares Gedächtniß, sondern nai mentlich Deinen edlen, frommen, gottergebenen Charakter. Du wirst noch einst ein Großer in Israel werden. Sprich und laß uns hören die Lehren Deines Mundes, denn Honig und Milch sind unter Deiner Zunge." ') Also vor nunmehr 400 Jahren.

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