Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1878)
- Date
- 1878-07-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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756 Von wichtigen Ereignissen innerhalb der Gemeinde ist wenig mitzutheilen. Die Dank- resp. Bittgottesdienste wegen der beiden ruchlosen Attentate auf unseren Kaiser n"-p haben in den beiden Hauptsynagogen unter zahlreicher Betheiligung stattgefunden. Der Bittgottesdienst für die Genesung deS Kaisers fand sofort am Tage nach dem Attentate in der Weise statt, daß der Rabbiner Hr. Dr. Feilchenfeld vor geöffneter heiliger Lade mit der n"D im Arm die o^inn nyu feierlich vortrug und darauf 30 entsprechende Psalmen recitirt wurden. In der neuen Synagoge wird seit dem Attentate mit dem allsabbatlichen Gebete jnun njnitfn auch die Fürbitte um Genesung des hohen Kranken verbunden und dies Gebet von der Gemeinde stehend angehört. In einem anderen Betlocale hat ein Privatmann ein *pap m für Genesung des Kaisers unter üblicher Spende nach der Zahl >"n recitiren lassen. Auch in der Brüdergemeinde wurden am nizn^-Feste im Anschluß an den Festgottesdienst Gebete um Genesung des Kaisers abgehalten und in der Predigt auf das traurige Ereigniß, dessen Motive und Folgen hingewiesen. Die am Schluß des Schuljahres von dem hiesigen Königl. Friedr.»Wilh. - Gymnasium und der städtischen Realschule ausgegebenen Programme weisen an beiden Anstalten eine relativ überwiegende Zahl jüdischer Schüler nach. Auf dem Gymnasium sind unter 953 Schülern 437 jüdische, auf der Realschule von 540 Schülern 170 jüdische Schüler. Auch auf dem früher fpecifisch-katholischen Mariengymnasium nimmt die Zahl der jüdischen Schüler von Jahr zu Jahr zu und muß die erfreuliche Thatsache constatirt werden, daß mit Ausnahme von Seiten mancher untergeordneten Persönlichkeiten, an keiner Anstalt irgend etwas Gehässiges gegen Juden und Judenthum vorkommt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 27. Juli. Die „Pol. Korr." veröffentlicht die Proclamation, welche bei dem bevorstehenden Einrücken in Bosnien und die Herzegowina in den Landessprachen unter der Bevölkerung vertheilt werden wird. Die Proclamation betont unter Anderm: Die Truppen bringen nicht Krieg, sondern Frieden; sie werden Jeden schützen. Keinen unterdrücken. Alle Landessöhne genießen auf Befehl des Kaisers das gleiche Recht nach dem Gesetz und Schutz für Leben, Glauben und Eigenthum. Die Gesetze, Sitten und Einrichtungen werden geschont. Serbien. Belgrad» Die Skupschtina hat die auf Serbien bezüglichen Artikel des Berliner Vertrages angenommen, mit der Aufforderung an die Regierung, ehestens auf gänzliche Abschaffung der Capitulationen hinzuwirken. Ferner stimmte dieselbe demRegierungsantrage wegen Aufhebung des die Stellung der Juden in Serbien beschützenden Verfassungsartikels zu, gab auch die Autorisation zum Bau der Eisenbahnen Belgrad-Nisch-Salonichi und Belgrad-Risch - Konstantinopel, welcher binnen drei Jahren zu vollenden wäre, genehmigte darauf den Abschluß eines Handelsvertrages mit Oesterreich und stimmte der Regulirung des eisernen Thores zu. Hiernach wurde die Skupschtina vorgestern durch den Fürsten geschlossen. England. London, 17. Juli. Englische Blätter berichten : Einen Moment besonderen eigenthümlichen Interesses bildete die Begrüßung des rückkehrenden Premier - Ministers , des Sohnes von Jsaac D'Jsraeli, durch den hochbetagten 95jährigen Sir Moses Montefiore, den ältesten und eifrigsten Vorkämpfer für die Rechte jener Nation, welcher Lord Beaconsfield durch Geburt ebenfalls angehört. Feuilleton. Aabbi Ioselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung.*) II. Ueber die erste Jugend Rabbi Joselmann's ist uns keine Nachricht aufbewahrt worden; wir kennen nicht einmal das Jahr seiner Geburt. Da er aber, seinen eigenen Aufzeichnungen nach, zur Zeit der Flucht seiner Eltern nach Lützelstein (1477.) noch nicht geboren war, zur Zeit des Beginnens unserer Geschichte, während des Bayern- Landshut'schen Erbfolgekrieges, in den Jahren *) Im vorigen Capitel wurde irrthümlich Dürkheim an der Hardt statt Dürkheim im Elsaß genannt.