Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1878)
- Date
- 1878-07-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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'’ff: - ■■^-TW?p:---'~ *v~ - r^-T* Gottes höchsten Schutz ist ein Factor, der vom ersten galizisch-jüdischen Gemeindetag vollständig ignorirt wird; nicht eine Bitte um ihn, nicht eine Anerkennung für ihn ist über die Lippen der Redner gegangen, deren Reden uns vorliegen; hat man es vergessen? Hat man gefürchtet eine Fehlbitte zu thun? Hat man geglaubt, daß Gott keinen Theil an dem Rathen und Thaten des ersten galizisch-jüdischen Gemeindetags habe? — Doch das ist wie gesagt eine Kleinigkeit, kommen wir zur Sache selbst. Wir brauchen unsererseits nicht erst zu versichern. daß wir gegen einen Gemeindetag an und für sich nicht nur Nichts einzuwenden haben, sondern vielmehr eine deratige Bereinigung der einzelnen Gemeinden aus voller Seele das Wort reden, wenn nur die Verbindung keine dem innersten Wesen jüdischer Gemeinden widernatürliche ist, kurz, wenn sie treu unfern Ueberlieferungen, den Verhältnissen der Zeit Rechnung trägt, ohne die Autonomie der einzelnen Gemeinden zu beeinträchtigen. Die Grundlage einer solchen Vereinigung müßte ausgesprochenermaßen das jüdische Gesetz sein, die Kenntniß, Achtung. Anerkennung, Heilighaltung, und Ausbreitung dieses unseres Gesetzes , mußten die wahren Ziele der verbündeten Gemeinden sein; das wäre ein jüdischer Gemeindetag, wie wir ihn uns denken, dem sich alle Ziele ähnlicher Vereinigungen leicht unterordnen lassen. Fortschritt und Bildung, Gemeindecultus und Rabbinerseminar, diese und alle übrigen Desiderien edler jüdischer Geister, verlören sofort ihre vieldeutige Verschwommenheit, wenn sie rückhaltlos auf dem granitnen Boden des überlieferten Gesetzes erstrebt unv erlangt würden. — So lange man diese einzige naturgemäße Grundlage für einen jüdischen Gemeindeorganismus, aus welchen Motiven auch immer klug — umgeht, so lange verdient eine solche Vereinigung nicht den Namen einer jüdischen. Das gilt für alle jüdischen Gemeinden auf weitem Erdenrund, für die galizischen aber ganz besonders. — Was die Parteiungen der galizischen Judenheit von denen Deutschlands und Westeuropas wesentlich unterscheidet, das ist die reichliche Vertretung, die der Chassidismus in diesem Lande bat. Im Uebrigen sind die Parteiverhältnisse im Großen und Ganzen, von einzelnen Nüancirungen abgesehen, dieselben wie anderwärts. — Ein galtzisch-jüdischer Gemeindetag muß mit den chasstdischen Elementen schon wegen ihren nummerischen Bedeutsamkeit ernstlich rechnen. Daß ein gemeinheitliches Streben, welches Bildung und Fortschritt auf seine Fahne geschrieben, in den galizischen Chassidim-Gemeinden wenig Auklang findet, wird nicht befremden, daß aber selbst jüdische Gemeinden onus pbraoo, d. b. solche, die dem sog. orthodoxen, überlieferten Judenthum angehören, dem Gemeindetag apathisch gegenüber stehen, kann ebenso wenig Wunder nehmen. Wer kann es den letzteren verübeln, wenn sie bei aller Empfänglichkeit für Bildung und Fortschritt an und für sich, für die Bildung und den Fortschritt sich nicht begeistern können, die der Verein „Schomer Israel" predigt, und die nun der aus genanntem Verein hervorgegangene Gemeindetag nachbetet? Was hat man mit diesen beiden Schlagworten, nicht schon alles seit einem halben Jahrhundert bezeichnet! Es waren doch diese Stichworte, die man überall auf den Lippen führte, wo man dem überkommenen Vätergesetz geringschätzig den Rücken kehrte, im Namen einer vermeintlichen zeitgemäßen Bildung, streifte man eine alte jüdische Sitte nach der anderen ab, im Namen der Aufklärung tauschte man einen unjüdischen Brauch nach dem anderen ein, und wer es wagte, diesen unerhörten Abfall ehrlich beim richtigen Namen zu nennen, der wurde von den Pächtern dieser Bildung und Auferklärung, als schwarz und ungebildet und als noch viel schlimmer öffentlich gebrandmarkt. Mit einer Flagge, unter welcher bereits so viel gegen das gesetzestreue Judenthum angestürmt, unter welcher so viel Contrebande in die jüdischen Geister und Gemüther geschmuggelt wurde, wird man nicht leicht jüdische Gemeinden um sich schaaren. Man muß es daher begreiflich finden, daß die bei weitem große Majorität der galizischen Gemeinden, es zunächst abwartet, welche Sorte von Bildung und Aufklärung es ist, die den Gemeindetag begeistert. Einstweilen werden die Reden, Resolutionen und Beschlüsse des jüngsten Gemeindetags zu diesem Zwecke einer eingehenden Kritik unterworfen werden; und wir glauben, daß das Resultat derselben nicht geeignet ist, die Sympathien für den jungen galizischen Gemeindetag zu erhöhen. Denn wo dessen Wortführer das Gebiet der bloßen Phrase verlassen und an die correcte Wirklichkeit herantreten, rufen dieselben so viele Bedenklichkeiten wach, daß die sorfältigste Vorsicht geboten erscheint. Einige Auslassungen der verschiedenen Redner mögen als Belege hier folgen. (Fortsetzung folgt.)