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Der Israelit · 1878-07-24 · Heft 30 (24.7.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 30 (24.7.1878)
Date
1878-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30, S. 728 - 733 sind in falscher Reihenfolge eingebunden. 729 den Stofen des allerhöchsten Thrones dazu zu benützen, mit dem Kaiser und der karserlichen Familie in ein näheres Verhältniß zu treten. Wie kühn dieser Gedanke speciell in Oesterreich, und namentlich unter den Verhältnissen der damaligen Zeit, auch scheinen mag, so ist es dennoch eine erfreuliche Thatsache, daß von dieser ersten, im Namen der Preßburger Gemeinde vollführten Sendung dessen spätere nähere Verbindungen datiren, die derselbe mit den höchsten und allerhöchsten Kreisen pflegte und die während der Regierungszeit von drei Kaisern: Franz, Ferdinand und Franz Joseph I., bis auf den heutigen Tag ungeschwächt blieben. Sobald er nach Wien übersiedelte, eröffnete sich dem gottgefälligen Streben des für sein Volk erglühten ManneS sogleich ein weites Feld segensreicher Thätigkeit. Mit Ausnahme eines „Polnischen po* im Latzenhofe war keine einzige Synagoge nach altem Ritus, keine einzige min Schule in Wien und Umgebung vorhanden. Das Judenthum in Wien wurde bloß durch einen Reformtempel und eine von dem damaligen Prediger geleitete Religionsschule repräsentirt. Wohl hatte die Residenzstadt zahlreiche rechtgläubige Juden, allein diesen war es nicht gestattet, eine eigene Synagoge oder sonstige religiöse Institutionen in's Leben zu rufen und zu erhalten. Sein erstes und ernstes Augenmerk war nun darauf gerichtet, diesem Uebelstand abzuhelfen. Seine Bemühungen waren von dem Erfolge gekrönt, daß in Wien und Umgebang 28 Synagogen, nach altem Ritus eingerichtet, concessionirt und in's Leben gerufen wurden. Nicht minder wurde für jede Vorstadt die Errichtung einer mir, mofo- Anstalt gestattet. Mit gewohnter Energie und unvergleichlichem Feuereifer setzte er ferner durch, daß ein vertrauenswürdiges s"T3 mit Ueberwachung der Fleischbänke und deren o»rp;i&Di D’ömtjr, mit der rwm und der Aussicht über alle religiöse Jnstitutioncn betraut wurde. Gleichzeitig erwirkte er auch, daß jeder Vorstadt die Anstellung eines rechtgläubigen Rabbiners gestattet wurde. ES war dies eine Arbeit, die für das alte Judenthum nicht bloß in der Residenz, sondern im ganzen Reiche den Anbruch einer neuen Epoche fröhlichen Gedeihens und intensiver Erstarkung verkündete, da die Residenz maßgebend für alle Provinzorte werden mußte. Auf Grundlage eines Gutachtens der Reformer ließ wohl der Wiener Magistrat die Talmud Thora - Schule schließen, welcher Act nachträglich auch Seitens aller übrigen Stellen bestätigt wurde. Herr Deutsch erwirkte aber alsbald eine allerhöchste Weisung des Kaisers, kraft deren dieses Attentat auf das alte Judenthum beseitigt und die Talmud Thora-Schule wieder eröffnet wurde. Zur selben Zeit war der Versuch gemacht, auch in Palästina moderne Reform - Schulen zu gründen. Viele große und berühmte Rabbiner, die sich diesem verderblichen Ansinnen widersetzteu, wurden in den Kerker geworfen. Wieder war eSHerr Deutsch, der sich die allerhöchste Unterssützung erbeten, da fast sammtliche europäische Kollelim unter österreichischem Schutze stehen. Die allerhöchste Gnade wurde ihm auch in dieser Beziehung zu Theil, und so war es ihm gelungen, zu verhüten, daß der Boden des heiligen Landes von den Reformbestrebungen und Reforminstitutionen berührt wurde! Und sein erstes Wirken für das heilige Land war von bleibendem Erfolge. Der Kaiser hat denselben nämlich behufs Wahrung der religiösen und politischen Interessen unserer Glaubensgenossen im hl. Lande allergnädigst als Curator der Israeliten im hl. Lande anerkennt und den jeweiligen Minister des Aeußern amtlich ermächtigt, Herrn Deutsch in dieser Eigenschaft feine Unter» stützung angedeihen zu lassen. Eine Epoche erhöhter und umfangreicher Thätigkeit eröffnete sich ihm nach dem Jahre 1848, wo gleichzeitig mit der politischen auch eine radikale religiöse Strömung alles Bestehende mit einem jähen Umsturz bedrohte. In allen Kronländern des Reiches, namentlich aber in Ungarn und Galizien, hat sich eine gewaltige Reformsucht der Gemüther bemächtigt. In Pesth schwang der damalige Reformprediger die Fahne zerstörender Neuerungen auf religiösem Gebiete. Er wollte den p“v auf den Sonntag verlegen, und trat überdies für die Errichtung von modernen Rabbiner-Semivarien ein. In Galizien bekundeten die Reformer eine gleich bedenkliche Rührigkeit. Unter Kaiser Franz wurde nämlich noch im Jahre 1793 ein Hofdecret erlassen, kraft dessen sämmtliche Rabbiner sich über absolvirte philosophische Studien an einer Universität ausweisen müßten. Auf dieses Decret gestützt, glaubten nun die Reformer, ihre Angriffe auf das alte Judenthum um so eher versuchen zu können, als es ja eine natürliche Confequenz gewesen wäre, in Folge dieses Decrets alle Rabbiner in Galizien von ihrem Amte zu beseitigen. Diese verderbliche Bewegung erreichte ihren actuellen Charakter, ihren Culminationspunkt im Jahre 1859. Und wer schritt da ein, um die eminente Gefahr abzuwenden? Wieder war's Herr Deutsch, der diese Pläne der Reformer zerstörte und einen neuen Sieg im Interesse des alten Judenthums errang. Auf seine, allerhöchsten Ortes eingeleitete Intervention wurde nämlich nicht blos das erwähnte Decret außer Kraft gesetzt, sondern erfolgte auch eine allerhöchste, im Amtsblatte veröffentlichte Entschließung , kraft deren all' jene, welche auf der

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