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Der Israelit · 1878-07-24 · Heft 30 (24.7.1878) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 30 (24.7.1878)
Date
1878-07-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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728 Schon fein kleines Drama „die Juden" überraschte die Welt mit einer Darstellung, die bis dahin unerhört war. Allein der Unbekannte, der in diesem kleinen Drama so edelmüthig handelt und sich nachher als Jude entpuppt, konnte immerhin als eine Ausnahme gellen, und Ausnahmen war man zuzugestehen stets bereit gewesen; „Nathan" aber mußte nothwendig als ein Prototyp des jüdischen Bolksstammes angesehen werden. Die günstigen Ansichten, die Lessings großer Geist sich von Juden und Judenthum gebildet, sind auch in ander', prosaischen Schriften des deutschen Denkers niedergelegt. Es ist manchmal überraschend, wie Lessing — ohne eine Ahnung davon zu haben — sich in demselben Sinne wie der Talmud äußert. Im Talmud hält ein Römer dem Rabbi Josua vor, daß Gott Israel verworfen, weil der Tempel zerstört und das Volk aus seinem Lande ist vertrieben worden. Ihm entgegnet Rabbi Josua, daß Gottes Schirm uns auch in der Verbannung verblieben. Fast mit denselben Worten vertheidigt Lessing das Judenthum gegen denselben Borwurf, der ihm ja unzählige Male gemacht ist worden. Die prosaischen Schriften Lessings jedoch sind zu wenig in das Volk eingedrungen und haben deßhalb nicht große Wirkung üben können; anders verhält es sich mit „Nathan"; die besten mimischen Künstler haben „Nathan" seit nun bald hundert Jahren als ihre Force-Rollen betrachtet; das gesprochene Wort aus Künstler-Munde senkt sich tief in die Herzen. Schon gleich im Anfänge des Stückes tritt uns Nathan entgegen als ein vollendeter Mensch. Der Jude behauptet von einem Christen, den er noch gar nicht kennt, von dem er nur weiß, daß er ein vermeintliches Judenmädchen, dem Feuertode entrissen — daß dieser Christ diese That aus reiner Menschlichkeit gethan. Wie Nathan selbst ein Mensch in des Wortes schönster Bedeutung, so denkt er sich auch die Andern. „Er, der für Eine, die er nie „Gekannt, gesehen — genug, es war ein M e n sch — „Ins Feuer sich stürzte .... „Der, was er rettete, nicht näher kennen, „Nicht weiter sehen macht', um ihm den Dank „Zu sparen.... „Weiter „Auch nicht zu sehen verlangt', es wäre denn „Daß er zum zweitenmal es retten sollte — „Denn g'nug, es ist ein Mensch." Und, nachdem Nathan die humane Seite der edlen That hervorgehoben, belehrt er die Seinen über ihre Pflichten, die nicht im „andächtig schwärmen", sondern im „gut handeln" gipfeln. Echt jüdische Grundsätze! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 18. Juli. Im Annoncentheil dieser Nummer finden unsere Leser einen warmen Aufruf von vier in den weitesten Kreisen berühmten Rabbinen Galiziens und Ungarns zur festlichen Begehung des 70. Geburtstages des Herrn HofwechSlers Ignaz Deutsch in Wien. Der Name dieses hochverehrten Mannes ist unsern geschätzten Lesern bekannt. Schon oft hatten wir Gelegenheit, über das äußerst segensreiche Wirken desselben zu berichten. Wir schließen uns der dringenden Bitte dieser Rabbinen mit vollem Herzen an und hoffen und wünschen, daß die Betheiligung an den bevorstehenden Festlichkeiten bei Gelegenheit des Geburtstages des Hrn. Deutsch seitens der orthodoxen Gemeinden, Vereine und Privatpersonen nicht blos in der österr.-ung. Monarchie, sondern auch im Auslande eine recht bedeutende werden wird. Im Nachstehenden geben wir nach einer uns vorliegenden Biographie einen Ueberblick über einen Theil der großen Thätigkeit des Herrn Deutsch für das Judenthum im Allgemeinen und das orthodoxe Judenthum insbesondere, und man wird unsern oben ausgesprochenen Wunsch um so gerechtfertigter finden. Herr Ignaz Deutsch hat im Jahre 1808 in Preßburg das Licht der Welt erblickt. Schon frühzeitig entfaltete sich in dem Gemüthe des kaum herangewachsenen Jünglings eine wahre Liebe für das alte Judenthum, die sein ganzes Wesen bis auf den heutigen Tag mächtig durchdringt und die eigentliche Triebfeder seines Wesens und Strebens bildet. Seine große Liebe für sein Volk schlug noch tiefere Wurzeln während der Zeit, als er ein Schüler des weltberühmten neiD Dnn war, dessen Gottesbegeisterung auf ein solch' empfängliches Gemüth nicht ohne nachhaltig tiefe Einwirkung bleiben konnte. Herr Deutsch, der sich in Wien etablirt hatte, wurde in einem Alter von nur 24 Jahren seitens der Gemeinde Preßburg als Mitglied jener Deputation entsendet, welche die Ueberreichung der üblichen Martini-Gänse an den Kaiser zu bewerkstelligen hatte. Alles von höherem Standpunkte auffassend, schwebte seinem Geiste schon damals der Wunsch vor, dieses erste Erscheinen vor

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