Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1878)
- Date
- 1878-07-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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731 sich selbstständig mit jüdisch-ritueller Kost zu versehen, und noch vor Kurzem bewirkte er, daß ein Jude zum öirerr.-ung. Consul in Tripolis angestellt und die Petition einiger Böhmischen Rabbiner in Betreff der Qualification zur Bekleidung eines Rabbinats in erwähntem Kronlande zurückgewiesen wurde. Herr Deutsch hat seine einflußreiche Stellung am kaiserlichen Hofe nie in seinem persönlichen, sondern nur im Interesse seiner Glaubensgenossen zu benutzen gesucht. Im Jahre 1850 wurde derselbe vom Fürsten Felix Schwarzenberg befragt: ob er den Adel für seine Familie wünsche? Ohne einen Augenblick zu zögern, erwiederte er! „ich stamme von einer altehrwürdigen jüdischen Familie ab. Ich bin gewiß nicht besser, als meine Vorfahren und möchte mich daher nicht über ihre Gräber erheben." Diese Aeußerung eines edelen, uneigennützigen Gemüthes verfehlte natürlich nicht, auf den Fürsten den günstigsten Eindruck hervorzurufeu. Herr Deutsch fügte seiner obigen Aeußerung noch die Worte hinzu: „Wenn mich Seine Majestät der allerhöchsten Gnade würdig hielte, so werde ich'S als eine beglückende Gnade betrachten, wenn jedes Majestäts-Gesuch, welches ich im Interesse m.iner Glaubensgenossen überreichen sollte, mit der großen oder kleinen Signatur versehen werden möge!" Bekanntlich wurde auch diese kaiserliche Gnade ihm zu Theil, die in vielen schweren Zeiten und sehr wichtigen Fällen wiederholt von bestem Erfolge begleitet war, und zwar sowohl betreffs der religiösen, als himsichtlich der materiellen Interessen der Israeliten in Oesterreich. Und wie vielfach verzweigt war seine segensreiche Thätigkeit in der Provinz, namentlich in Ungarn und Galizien. Wenn Jemand verurtheilt wurde oder einen sonstigen wichtigen Proceß bei den Landesbehörden verloren hat und nur in der Gnade des Kaises noch einen Schimmer von Hoffnung erblicken konnte — so wendete er sich um Erwirkung dieser allerhöchsten Gnade an Deutsch. Viele tausende Majestäts-Gesuche sind durch seine Verwendung theils mit der großen, theils mit der kleinen Signatur versehen worden. Zahlreichen Juden, die durch falsche Anklagen zum Tode verurtheilt wurden, erwirkte er die allerhöchste Begnadigung. Unzählige jüdische Sträflinge wurden durch seine Jntervenirung vom Kerker befreit, während vielen Tausenden eine Milderung der über sie verhängten Strafen gewährt wurde. Hunderten von Wittwen und Waisen oder sonstigen Unterstützungsbedürftigen jüdischen Familien ist es durch dessen Vermittelung gelungen, sich eine unabhängige Existenz zu gründen, indem ihnen Groß- oder Klein-Trafiken, ein Schank-Recht oder eine angesuchte Concession behufs Erhaltung ihrer Familien verliehen wurden. Alle die hiezu nöthigen Eingaben hat er stets selbst angefertigt und die nöthigen Auslagen aus Eigenem bestritten. In diesem mehr als 40jährigen Kampfe stand Herr Deutsch ganz allein; er hatte Niemanden zur Seite, der ihn in seiner aufreibenden Thätigkeit unterstützt hätte. Alle einflußreichen Reformer vereinigten sich gegen ihn, um sein- Richtung und sogar auch seine Person anzugreifen. — Da er alle nöthige Staatsschriften und Majestäts-Gesuche selbst verfertigte, kam derselbe während 35 Jahre mit Ausnahme der Sabbat- und Feiertage, nie vor 2 oder 3 Uhr, Nachts, ins Bett. Und alle diese Riesenarbeit vollbrachte der Mann unter schweren Schicksals-Schlägen, die im Laufe der Zeit ihn und sein Haus getroffen. Daher der hochgradige, nervöse Zustand, an dem Herr Deutsch in so empfindlicher Weise leidet. Dies ist das Miniatur-Bild eines Mannes, dem ganz Israel aufrichtigen Dank und Anerkennung schuldet. Wir haben das Bild unausgeführt gelassen; wir haben die Farben sehr schwach gegeben, um der Bescheidenheit des Gefeierten nicht allzunahe zu treten. Mainz, 18. Juli. Wir haben heute an das Centralcomitö zu Amsterstam zum Besten der Armen. Nothleidenden rc. im heiligen Lande 1756 M. 96 Pf. abgesandt. — Die Summe der in diesem Jahre für obige Zwecke von uns gesammelten und übersandten Spenden beträgt nunmehr 16,250 M. 31 Pf. — Aus ^Württemberg Vor einigen Tagen kam mir zufällig Nr. 26 des „schwarzen Blattes", herausgegeben von der Actiengesellschaft der „Germania" in Berlin in die Hände. Ich durchblätterte das Blatt und fand dari > einen Artikel „Jüdisches", welcher von Gehässigkeiten und Verleumdungen gegen die Juden und das Judenthum strotzt. Die nachfolgenden Nummern enthalten Fortsetzungen jenes Artikels. Sollte nun Niemand in Berlin, an dem Verlagsorte, sein, der das Ju-! denthum schützt gegen solche elende Angriffe und der den betreffenden Artikel bereits gelesen? Vielleicht wird durch diese Correspondenz der eine oder andere Leser in der Reichshauptstadt auf jenes Blatt aufmerksam gemacht und zu Schritten gegen dasselbe veranlaßt. G. Kahn, Lehrer in L.