Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1878)
- Date
- 1878-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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733 grafen Ruprecht, den Sohn des Kurfürsten Philipp von der Pfalz, zum Erben seines Landes eingesetzt, trotz der bestehenden Erbverträge, welche die weibliche Nachfolge ausschlossen und nach denen die Herzöge Albrecht und Wolfgang von Bayern- München die einzigen Erbberechtigten waren. Da sich Pfalzgraf Ruprecht und dessen Gemahlin Elisabeth gewaltsam in den Besitz der Bayern- Landshut'schen Lande setzten, so klagten die Agnaten beim Kaiser Maxmilian I., der zu ihren Gunsten entschied, und, Va sein Entscheid keinen Gehorsam fand, den Pfalzgrafen Ruprecht und dessen Vater, den Kurfürsten Philipp, in die Acht erklärte. Der Acht-Erklärung folgte ein wüthender, verheerender Krieg. Nicht nur die Herzöge Albrecht und Wolfgang, sondern auch der schwäbische Bund machte in Verbindung mit einem Theile der Truppen des Kaisers auf die Landshut'schen Länder einen heftigen und verheerenden Angriff. Zu gleicher Zeit drang ein markgräflich-brandenburgisches Heer, vereint mit den Truppen der freien Reichsstadt Nürnberg in die Oberpfalz ein; der Herzog Ulrich von Würtemberg und der Landgraf Wilhelm von Hessen griffen von verschiedenen Seiten die Unterpfalz an, während die Landsknechte Kaiser Maximilians die kurpfälzischen Besitzungen im Elsaß und im Sundgau Wegnahmen. Zu den Kurpfälzischen Besitzungen im Elf. gehörte auch das Städtchen Rosheim, ein schönes, gewerbreiches Städtchen, in der Nähe von Schlettstadt, in dem schönen Thale der Mogel gelegen, wohlhabend durch seine von Kranken aus der Nähe und Ferne gern und häufig aufgesuchten Mineralquellen , seine Baumwollwebereien, seine Ankerschmieden und allerlei andere Gewerke. Der größte Schatz, das köstlichste Kleinod von Rosheim war zu jener Zeit ein Jude, Namens Joselmann den Gerson, aus der Familie Loans. Die Familie Loans war eine in Israel hochberühmte*). Der Stammvater derselben war Rabbi Schelomoh Jizchaki, der große Erklärer von Bibel und Talmud *) Ob wohl noch gegenwärtg Nachkommen dieser einst hochberühmten Familie cxistircn? DaS Mainzer Memorial - Buch feiert das Andenken eines Urenkels des Helden unsrer Geschichte, der ebenfalls Rabbi Joselmann hieß und durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit hervorragte; derselbe starb im Jahre 1671. Auch die Wormser Memorial-Bücher erwähnen eine Urenkelin. Soll' ten etwa einige unsrer geehrten Leser Kenntniß von den Nachkommen Rabbi Joselmanns haben oder gar im Besitze eines der vielen handschriftlichen Werke des Genannten sein, die namentlich im Elsaß einst sehr verbreitet waren, oder der Werke seines Sohnes Rabbi Moscheh, der in Frankfurt a. M. lebte, oder seines Enkels, des berühmten Kabbalisten Rabbi Elijahu baal L>chöm (erwähnt im Zemach David und im Schein haggedolim), der in Worms als Rabbiner im Jahre 1636 starb, so bitten wir um gütige Mittheilung. (Raschi). AuS dieser Familie waren eine große Menge gelehrter und heiliger Männer hervorgegangen, die oftmals ihre Glaubenstreue mit ihrem Blute besigelt und ihr Leben zur Heiligung des göttlichen Namens geopfert hatten. Si: stammte aus Louans in Südfrankreich und hatte sich nach der Vertreibung der Juden aus Frankreich im Jahre 1395 in Endingen in der Schweiz angesiedelt. Hier wartete ihrer ein Ende mit Schrecken. Im Jahre i4<l tauchte eines jener entsetzlichen Mährchen auf, um derentwillen so viel unschuldiges jüdisches Blut ist vergossen worden. Es wurde behauptet, die Juden hätten ein Christenkind getödtet, um das Blut zum Peßfachfeste zu verwenden. Solche thörichte, wahnsinnige Behauptungen genügten, um die gräßlichsten Verfolgungen hervorzurufen. Rabbi Gerson, der Vater Rabbi Joselmanns, und drei Oheime desselben wurden ein* gekerkert; Rabbi Gerson gelang es zu entfliehen. Den Andern erpreßten die fürchterlichsten Folterqualen , denen man sie aussetzte, Aussagen, an welchen kein wahres Wort war; sie wurden verbrannt. Rabbi Joselmanns Vater hatte sich nach dem Elsaß geflüchtet und sich in Oberehnheim (Obernay) niedergelassen. Aber nicht lange sollte er hier Ruhe finden. Im Mittelalter gab es keine stehen-- den Heere. Wenn die Fürsten einander bekriegten, so warben sie Söldner an, die sie nach Beendigung des Krieges wieder entließen. Diese entlassenen Krieger, ohne Sold, ohne Einkommen, ohne Drod, durchzogen dann häufig raubend und plündernd das Land. Da hatten dann die armen, schutzlosen Juden am Meisten zu leiden. So er* ging es den Israeliten des Elsaß im Jahre 1477. Nach Beendigung des Krieges gegen Carl den Kühnen, der in der Schlacht bei Nancy gefallen war, entließ König Ludwig X!. von Frankreich die Schweizer, die er in Sold genommen hatte. Auf ihrer Rückkehr in die Heimath beschlossen die Unmenschen, zuvor mit wenig Mühe große Beute zu erlangen. Sie überfielen die Juden von Schlettstadt, Bergheim, Kaisersberg, Bischheim, Amersweiler, Dürkheim, Colmar und Ensisheim, beraubten sie, und tödteten sie, wenn sie sich weigerten, zum Christenthume überzutreten; 74 Personen, darunter Rabbinen, Frauen, Jünglinge, Jungfrauen, Knaben und kleine Mädchen haben bei dieser Gelegenheit den Namen Gottes geheiligt, und den Tod dem Glaubenswechsel vorgezogen; nur sechs Männer nahmen gezwungen die Taufe an, von denen jedoch fünf später zu ihrem Vater im Himmel zurückkehrten; nur Einer, der schon vorher sich durch ein leichtsinniges, unfrommes Leben zum Schlechten ausgezeichnet hatte, blieb dauernd dem