Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1878)
- Date
- 1878-07-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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716 fische Regierung ohnehin bereit sei, ein Gesetz zu erlassen, welches die Gleichstellung der Juden bestimmen soll. Berlin Der von dem Congresse angenommene Antrag auf Gleichberechtigung aller Culte in der Türkei lautet, wie man der „Pr." aus Berlin miltheilt, folgendermaßen: „Alle Bewohner des ottomanischen Reiches, welcher Religion immer, genießen volle Gleichheit vor dem Gesetze. Sie sind befähigt für alle öffentlichen Aemter, Functionen und Ehrenstellen und werden alle gleicherweise zur Zeugenschaft vor den Gerichten zugelassen. Die Ausübung aller Culte ist vollständig frei, und es darf keinerlei Zwang geübt werden, weder auf die hierarchische Organisation der verschiedenen Religionsgesellschaften noch auf ihre Verbindungen mit ihren geistlichen Oberhäuptern. Die Geistlichen, Pilger und Mönche aller Nationalitäten, welche in der europäischen oder asiatischen Türkei reisen over sich dort aufhalten, werden voller Gleichheit der Rechte, Vortheile und Privilegien sich erfreuen. Das Recht des officiellen Schutzes ist den diplomatischen Repräsentanten und den Consular-Agenten der Mächte in der Türkei zuerkannt, sowohl hinsichtlich der erwähnten Personen als ihrer Besitzungen. Die bezüglich der heiligen Stätten Frankreich zustehenden Rechte werden ausdrücklich gewahrt und es soll au dem Status quo daselbst nichts geändert werden." Frankfurt a. M. Aus dem Jahresbericht der Feuerversicherungs-Hilfskasse für hier nicht eingebürgerte iSr. Arme geht hervor, daß sowohl 289 hier wohnende Familien als auch 218 Familien in 24 Gemeinden unserer nächsten Umgegend theils Holz, theils ein entsprechendes Quantum Kohlen von dem Verein empfangen haben. Durch Beiträge von Mitgliedern gingen ein M. 2826 35, durch Legate und Geschenke M. 2982.64. Verausgabt wurden M. 3017.69, für Heizungsmaterial; M. 3251.49 wurden in Effekten angelegt. Der Vermögensstand (Nominalvorrath) am 1. Mai 1878 ist wie folgt: fl. 11200 3*/2 pCt. Frankfurter Stadtoblig., fl. 25 Nassauer Loos, M. 1000 4 pCt. Frankfurter Stadtobl., M. 2400 4 pCt. Bayer. Obligationen Elberfeld, 8. Juli. Wie die geehrten Leser aus dem Jnseraten-Theile dieses Blattes ersehen werden, ist hier ein vorschriftsmäßiges isr. Bad (mpo) eingerichtet worden. Das Bedürfniß eines solchen ist weder von dem Vorstande noch dem Rabbinen der hiesigen Gemeinde, Herrn Dr. Auerbach, anerkannt worden; es ist vielmehr von den Mitgliedern der in diesen Blättern bereits erwähnten Separat-Synagoge errichtet und wird auf deren Kosten erhalten, wird aber von denselben Jedermann zur Benutzung anheimgegeben, worauf wir namentlich die israel. Bewohner der umliegenden Ortschaften aufmerksam machen. Mellrichstadt, 7. Juli. Am 11. Mai feierte die isr. Cultusgemeinde Gleicherwiesen. Herz. S.- Meininigen, in solenner Weife das Jubiläum der 26jährigen Dienstzeit ihres Lehrers, Herrn M. Cramer. Hierzu berief man Herrn Rabbiner Dr. Kroner aus Eisenach, welcher unter ungetheiltem Beifalle die Festrede hielt. Aus dem Festprogramme, welches sehr reichhaltig war. ist zu erkennen, daß dieser Tag für erwähnte Cultusgemeinde ein wahrer, herzlich gemeinter Festtag war, wozu alle auswärtigen Verwandte und Bekannte, wie beim Begehen eines Familienfestes eingeladen und auch erschienen waren. Die Festgescherlke von Jung und Alt, von Einzelnen, wie von der Gemeinde, bestehend in Banknoten, Gold- und Silbergerälhen sollen einen Werth von über M. 5000 übersteigen! Der Jubilar war stets und ist noch ein ganzer Mann für Schule und Gemeinde, und was die Hauptsache ist, er hatte das Glück, hier einen, für das Wahre und Gute stets empfänglichen Boden zu finden, worauf er den Samen des Wahren, Schönen und Guten ausstreute, welcher diese gute Früchte trug. Ottensoser, Director. Rumänien. Bukarest, 6. Juli. Außer dem Verluste Beffarabiens hat der weitere Beschluß des Congresses, betr. die Emancipation der Juden, eine wahrhafte und in jeder Beziehung ungekünstelte Entrüstung hervorgerufen. Es ist an dieser Stelle über die sogenannte „Juden-Frage" in Rumänien schon wiederholt sehr ausführlich gesprochen und dargelegt worden, daß die Rumänen diese Frage als eine rein sociale betrachten, die nur auf natürlichem Wege, nach und nach, durch das Land selbst, ihrer Lösung zugeführt werden könne. Was nun die heutige thatsächliche Stimmung anbelangt, die durch diesen Berliner Beschluß wachgerufen wurde, so muß dieselbe auf Grund ganz objectiver Beobachtungen als eine sehr böse bezeichnet werden, ganz abgesehen von dem chauvinistischen Geschrei, welches von einem Theile der hiesigen Tagespresse hierüber erhoben wird und zu stark nach Pech und Schwefel riecht, um in anständiger Gesellschaft