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Der Israelit · 1878-07-17 · Heft 29 (17.7.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 29 (17.7.1878)
Date
1878-07-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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■V-#W!Tii5§mT 706 Commisfirm folge ihm auf dem Fuße, uud man auch in der Thai hastige, eileude Männertritte im Vorzimmer hörte, war Rediug plötzlich feuerroth worden, schlug sich, wie Jemand, der etwas Wichtiges vergessen und dem eS nun wieder einfällt, heftig an die Stirne, und bevor es noch Jemand zu verhindern vermocht hatte, zog er etwas aus der Brusttasche uud warf eS in den Ofen, in dem «in hellloderudeS Feuer branute; eS mußten dies offenbar Papiere sein, denn die Flamme ergriff fie gierig, umzüngelte sie rasch. — Oppert, der dem Ofen am nächsten stand, hätte. wenn er gefaßt genug gewesen wäre, daS Packet noch aus dem Ofen reißen, wenigstens einen Theil desselben retten können, aber der sonst besonnene, kaltblütige Mensch war durch RedingS Gebühren überrascht, er war an der Ofenthüre niedergekniet, hatte die Hand schon in dev Ofen gesteckt und eine noch nicht brennende Ecke des PacketeS erfaßt, aber — er mußte eben ganz fassungslos sein — er zog die Hand zurück und ließ daS Packet zu einem Häufchen Asche verbrennen. „Was fällt Ihnen denn ein?" hatte Reding zuerst erschreckt Oppert zugerufen und wollte ihn gewaltsam zurückhalten, aber als dieser in für die Andern überraschender Weise seine löbliche Abficht der Rettung aufzugeben schien, hatte Reding mit erleichterndem Aufathmen gerufen: „Gott Lob und Dank, es ist verbrannt!" In demselben Augenblicke hatte sich die Thüre geöffnet und die Commission war eingetreten. Alle waren unter dem Eindrücke des letzten Geschehnisses noch wie betäubt gewesen, nur Oppert hatte sich wieder rasch gefaßt, und als wenn er beabsichtigte, durch verdoppelten Eifer die begangene Ungeschicklichkeit gut zu machen, wandte er sich an den Polizeicommissär und hatte auf Reding deutend eifrig gesagt: „Ich bitte diesen Mann als des Diebstahls — den ich eben Namens meines Freundes Markus Erdmann zur Kenntniß der hohen Behörde brachte. — verdächtig, ich kann wohl sagen schuldig» verhaften zu wollen. Er hat in unsrer Aller Gegenwart , bevor wir dies zu hindern vermochten, ein Packet, ohne Zweifel seinen Raub, in's Feuer geworfen, und hat hierdurch, ohne einen Gewinn zu haben, den Beschädigten einen unersetzlichen Verlust zugefügt . . . — Von da ab war alles Andere in Kele's Erinnerung ein wirrer Chaos; denn als man Reding Ketten anlegte, und dieser mit erstaunten Blicken nmherschauend als hätte er nichts Auffälliges gethan, befremdet frug : „Was soll denn das Alles bedeuten?" war Kele in tiefe Ohnmacht gefallen — und hatte auch seit dieser Zeit Reding nicht mehr gesehen. DaS Gerichtsverfahren jener Zeit war ein geheimes, fie war zwar als Zeugin vorgeladen worden, hatte ihre AuSfagnn beeiden müssen, war aber mit dem Beschuldigten nicht con* frontirt worden. — Wir haben es gesagt, fie hatte Simou Reding damals daS letzte Mal gesehen und jetzt, in kurzer Zeit, sollte sie ihn Wiedersehen! Die alte Frau war von all* dem Denken, Grübeln, Heraufbeschwören alter Erinnerungen wie betäubt worden, die Augenlider, die sie zuerst freiwillig geschlossen, um Wilhelminen schlafend zu erscheinen, wurden ihr schwer, ihr Zustand begann auf fie den Eindruck eines traumhaften zu machen, — vielleicht hatte sie es doch nur geträumt, daß Simon Reding zurückgekommen? gewiß! — es war so und nicht anders — es war Nacht und das Ganze nichts als ein leerer, wüster Traum! — Die Greifin riß endlich gewaltsam die Augen auf, es war ein schöner heller SchowuoSnachmittag und die Sonne lachte durch's Fenster in das trauliche Stübchen, und Wilhelmine schritt, von Ungeduld verzehrt, auf und ab, zeitweilig an'S Fenster tretend und dem Heißersehnten, Langentbehrten entgegenzublicken. Jetzt stieß Wilhelmine einen Jubelschrei auS: „Er kommt, er kommt! o! Muhme glaub mir'S, er ist rein, schuldlos wie das Lamm auf der Wiese, — sei gütig gegen ihn, Muhme, verletze ihn nicht durch ein Wort, durch eine Miene!" Jetzt klopfte eS an der Thüra^ „Herein!" rief Wilhelmine mit gepreßter Stimme, und Reding überschritt die Schwelle. In überströmendem Gefühle stürzte Wilhelmine auf Reding zu und rief: „Mein armer, lieber Simon! Gott tausendfachen Dank — ich Hab' Dich wieder!" Dann trat eine minutenlange tiefe Stille ein, man hörte uichtS als daS schwere Athemholen dreier hocherregter Menschen. Reding stand noch immer, man hatte ihm noch keinen Stuhl geboten, der alten Frau rollten die Thränen über die runzeligen Backen und von ihrem guten Herzen hingerissen, trat sie an ihn heran, reichte ihm die Hand und sagte: „Seien Sie uns herzlich willkommen, Herr Reding — ich freu' mich, Sie zu sehen?" (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilage«. Verantwortlich e Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. I. GottSleben'S Buchdrucker« (Mainzer Anzeiger).

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