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Der Israelit · 1878-07-17 · Heft 29 (17.7.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 29 (17.7.1878)
Date
1878-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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705 fast gehofft, jener werde den schrecklichen, geistigen und körperlichen Leiden erliegen. — Sie hatte, in Unkenntniß über die Behandlung entlassener Sträflinge, mit Bestimmtheit erwartet, Reding werde nie in seine Vaterstadt zurückkehren, um nie Jemanden wiederzusehen, der ihn früher gekannt, — und nun war Simon Reding plötzlich da und Wilhelmine hat e ibr mit jubelnder Wonne erzählt, daß er sie so liebe wie sie ihn — was sollte daraus werden? Kele Liblitz hatte sich im Laufe von achthalb Jahren kein Urtheil über Simon Reding zu bilden vermocht, freilich, — war dies nicht zur Zeit der Katastrophe und während seiner Untersuchung geschahen, so konnte — da später gar nichts Neues wrder zu seinen Gunsten noch zu seinen Ungunsten hinzugetreten war — dies auch später nicht zu Stande gebracht werden, und alles Grübeln und Denken mußte resultatlos bleiben. — Kele Liblitz hatte endlich nach Tische die Augen geschlossen vnd sich in den Sorgenstuhl zurückgelehnt, sie that, als ob sie schliefe, sie wollte ungestört denken, — mit einem gewaltsamen Zusammenraffen aller ihrer geistigen Kräfte wollte sie endlich mit sich selbst in's Reine darüber kommen, ob Simon Reding in pxr That unschuldig sein könne; — mit den schwersten Opfern hatte sich die gutmüthige Alte gerne diese Ueberzeugung erkauft;.aber ihre Gedankenmühe blieb vergeblich .... die Umstände sind doch zu belastend für Reding gewesen. Kele Liblitz ließ — während Wilhelmine sie schlafend glauben sollte — die ganze Begebenheit, wie sie! sich vor siebeneinhalb Jahren zugetragen, nochmals vor ihrem geistigen Auge vorüberziehen, es half ihr nichts! .... sie hatte ja selbst mit ihren eigenen leiblichen Augen das Geldpacket gesehen. es j war in ein blaues Papier geschlagen, sie erinnerte! sich dessen noch jetzt ganz genau, und hatte dies, j sowie Alles, was sie wußte, vor Gericht aussagen i und beschwören müssen — und Zodok Erdmann j hatte zu des reichen Tarnowers Buchhalter Oppert! in ihrer und auch in Redings Gegenwart gesagt, | „da habe ich zwölftausend Gulden Papiergeld," — 1 daS hatte sie so deutlich gehört, daß sie eS noch! setzt zu hören glaubte, — und dann war Oppert fortgegangen und Reb Zodok hatte das Paket noch j immer vor sich liegen gehabt, und dann war sie und noch später Reb Zodok aus dem Zimmer gej gangen, und etwa ein oder anderhalb Stunden später j — die Zeit konnte sie nicht genau angeben — hatte man Reb Zvdak sterbend,.hewuHt- und sprachlos in's Bett gebracht, eine Wagendeichsel war ihm tödtlich in die Brust gefahren . . . und dann, wie Markus, der vom Haufe abwesend gewesen, von der Reise heimgekehrt war, und nachdem sich der erste Schmerz um den verlorenen Vater gelegt, dem Vorsteher der Kabronim^), der ihm eine Coadolenzvistte abstattete, die Kosten de« Leichenbegängnisses zahlen wollte, und in der Casia nur einige Silberguldea fand, aber das große Geldpackel , von dem er wußte, daß es da sein sollte, vermißte — und wie man auch Simon Reding, der doch Reb ZodokS vollstes Vertrauen besessen, um Auskunft befragt und dieser ganz ruhig geantwortet: „DaS Packet muß da sein, man muß nur genauer nachsuchen," .... und man alle Winkel, alle Ecken durchstöbert, das Unterste zu Oberst gekehrt, — und nichts gefunden hatte! Kele Liblitz lebte in Gedanken daS ganze Begebniß mit all* seiner Aufregung nochmals durch, sie erinnerte sich ganz genau, wie sich die Kunde dieses unerwarteten Ereignisses mit Blitzesschnelle in der Judenstadt verbreitet hatte; der Vorsteher der Beerdigungsbrüderfchaft. der sich rasch entfernte, hatte das sonderbare Ereigniß, sofort mehreren Leuten auf der Straße mitgetheilt, und das Zimmer hatte sich rasch mit Neugierigen gefüllt, die unter dem Vorwände, eine Condolenzvifite abzustatten, erschienen waren. Markus Erdmann, noch unter dem Einflüsse einer doppelten Erregung, hatte vielleicht unüberlegt Alles erzählt, wie noch kurz, ja, fast unmittelbar vor seines Vaters Tode das Geldpacket von Oppert, ihr — Kele Liblitz — und Simon Reding gesehen worden. Obwohl nach allen diesen Aussagen, wenn das Packet gestohlen worden war, es nicht anders denkbar war, als daß Reding dasselbe nach Reb Zodoks Tod entwendete, hatte doch keiner der HauSleute diesen Gedanken nicht nur nicht ausgesprochen, sondern nicht einmal gehegt. Allein Opperi, der sich unter den neugierigen Besuchern befunden, hatte Markus Erdmann in das andere Zimmer geführt, und war der Erste, der den Verdacht auf Reding, den jangen bisher unbescholtenen Mann lenkte. Die Gründe, die er für seine Vermuthung anführte, waren allerdings einleuchtend, und sie hatten b.'i Markus Erdmann einen fruchtbaren Boden gefunden. Nach einer kurzen hastigen Erörterung war Markus von Oppert. der feinem Rathe auch das Anerbieten seiner Unterstützung angefügt hatte, bestimmt worden, und jener bat diesen, eine Gerichtscommission zu holen, und als diese allen Andern unerwartet kurze Zeit darauf anlangte, begab sich plötzlich etwas so Sonderbares, Unerwartetes, daß alle Anwesenden, mit alleiniger. Ausnahme Wilhelminens, von Redings Schuld überzeugt wurden. Als Oppert nämlich in's Zimmer trat und sagte, die 50) Beerdigungsbrüderschaft.

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