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Der Israelit · 1878-07-10 · Heft 28 (10.7.1878) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 28 (10.7.1878)
Date
1878-07-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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692 Ölte«, 27. Juni. Ein schauderhafter Mord, verübt an einem unserer Brüder, versetzte die jüd. Gemeinde JngerSheim bei Colmar (Elsaß) in Aufregung. Der 74 Jahre alte Metzger Salomon L e v y von Jngersheim ging am 9. d. M. nach der eine halbe Stunde entfernten Ortschaft Ziegelsheim, Woselbst er bereits 50 Jahre eine Metzgerei hielt, Fleisch zu kaufen, und wurde auf seiner Heimreise zwischen 1—2 Uhr Nachmittags auf der öffentlichen Landstraße auf eine schauderhafte Art ermordet. Nachdem ihm mit einem wuchtigen Schlag die Hirnschale zerschmettert wurde, was laut Aussage des Arztes den sofortigen Tod zur Folge hatte, brachte ihm das Scheusal von Mörder noch 12 Stichwunden bei. Daß es sich hier um Mord aus Rache oder Haß handelt, beweist, daß der Unglückliche Geld und sonst noch Werthsachen bei sich hatte, Was ihm nicht abgenommen wurde. Salomon L ev y, der ein braver, geachteter Mann war, ein thatkräftiger Jehudi, jdnj nao, wird allgemein betrauert. Es konnte bis heute trotz allen angestellten Recherchen der Mörder nicht ausfindig' gemacht Werden. Möge die Vorsehung der Hand der Gerechtigkeit beistehen, des ruchlosen Mörders, der eine große Familie in tiefste Trauer versetzte, in Bälde habhaft zu werden, ihn zur verdienten Strafe zu bringen, butt nb&2 lrow tp nb\ N. Oesterreichisch-Ungarifche Monarchie. Ppag, 24. Juni. Anläßlich der jüngst stattgehabten Wahlen zur Cultusgemeinde-Repräsentanz wurde Seitens einiger Anhänger der hier zwar schwach vertretenen Reformpartei eine Agitation ins Werk gesetzt, die jedoch trotz allen Aufwandes an Geld und Jntriguen nicht stark genug war, um die betreffenden Candidaten durchzubringen. Das Wahlresultat hatte ein negativ günstiges Ergebniß, da durch dasselbe der StatuSquo erhalten bleibt und eine Aenderung in Cultusangelegenheiten nicht zu befürchten ist, vielmehr das Princip laissez faire, laissez aller sich auf's Neue in den Räumen deS Sitzungssaales etablirt hat. Die drei neugewählten Mitglieder gehören mit Haut und Haaren der sogenannten Casinopartei an, welche diplomatisirt, vor Allem den Frieden liebt, und jede Partei gewähren läßt. Ein Sieg der Gegenpartei hätte für die religiösen Einrichtungen schlimme Folgen gehabt, da diese bestrebt gewesen wäre, bei jeder Gelegenheit ihre antijüdische Tendenzen zur Geltung zu bringen, die vorgeschlagenen Candidaten sind wegen ihrer offenbaren Verhöhnung aller Religion bekannt, dabei besitzen dieselben weder die entsprechende allgemeine Bildung, noch den richtigen Takt, der zur Leitung öffentlicher Angelegenheiten erforderlich ist. Die letzthin abgehaltene Prüfung der Talmud- Thoraschüler fiel recht günstig aus. Die Herren Lehrer Klemperer, Popper, Donat erzielten recht erfreuliche Resultate, besonders versteht es Herr Popper beim Bibelunterricht rationell vorzugehen und die Schüler zugleich mit den wichtigsten grammatischen Regeln der hebräischen Sprache bekannt zu machen. Manche Schüler bringen es zur selbstständigen Abfassung kleiner hebr. Aufsätze. In dieser Richtung bleibt jedoch noch viel zu wünschen übrig; besonders ist zu bedauern, daß der Talmudunterricht nur äußerst schwache Theilnahme findet, wir glauben daher um so mehr einer Ausnahme erwähnen zu müssen, da dieselbe klar beweist, daß der Talmudunterricht ganz gut sich mit dem Studium am Gymnasium vereinbaren läßt. Am verflossenen Samstag 'o wurde der Sohn des hiesigen Kaufmannes Herrn David Jeiteles, Schwiegersohn Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Herrschmann Teweles, mso na. — Derselbe besucht die dritte Gymnasialklasse mit sehr gutem Erfolge. Dieser Knabe hielt nun vor einer großen Versammlung von gelehrten Männern einen von seinem Großvater verfaßten talmudischen Vortrag, in welchem er zur Ueberraschung aller Anwesenden seine tiefe, scharfsinnige Auffassung, der an Combination so reiche Dissertion in der jpnEnP pLv i"a p« ni^aj jüp '’Jpd bekundete und i sbesondere durch selbstständige klare und lebhafte Darstellungsweise und richtiggewählte Ausdrücke in der Uebersetzung der talmudischen Citate stark frappirte. Eine solche Barmizwah-Drascha wurde vielleicht seit 40 Jahren in Prag nicht gehört. Möge dieses Beispiel anregend wirken und auch andere Väter aufmuntern, ihre Kinder min1? zu erziehen. (In Frankfurt a. M., Mainz rc. gehörten derartige Barmizwah-Vorträge seit circa 15 Jahren G. s. D. nicht mehr zu den Seltenheiten. — Red.) Rußland. lieber die Unruhen in Kalisch liegen verschiedene, zum Theil widersprechende Berichte vor. So berichtet ein Correspondent der «Schl. Pr." unterm 23. Juni aus Kalisch: Heute fand seitens der katholischen Christen, der durch acht Tage stch wiederholende, aus Anlaß des FrohnleichnamsfesteS von der Kirch» vorgeschriebene Rundgang durch die Straßen der Stadt statt. Es waren zu diesem Zwecke viele Altäre an verschiedenen Ecken der Straßen errichtet. Einer dieser Altäre wurde durch ruchlose Hand zum

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