Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1878)
- Date
- 1878-07-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. 3^|tü Keilage;n Mt. 88 des Israrlit Aei errichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, 16. Juni. In Nr. 24 der „Allg. Ztg. desJbth." gibt wieder einmal ein hier wohlbekanntes, mehr berüchtigtes als berühmtes journalistisches Subjekt einen Artikel über die hiesigen jüdischen Verhältnisse zum Besten, der aber den personal- und localkundigen Leier in Verlegenheit setzt, ob er mehr über die Bornirtheit oder die Bosheit, welche darin niedergelegt, staunen soll. Obzwar nun eine derartige journalistische Rabulistik einerseits einer Widerlegung nicht gewürdigt werden sollte, anderseits dies auch für das hiesige Publikum durchaus nicht nöthig ist, sollen dennoch die nachfolgenden Zeilen einem größeren Publikum zeigen, was Verkommenheit und Bosheit zu leisten vermag. Zunächst fassen wir den Herrn Correspondenten bei seinem Geständnisse, daß ihm in den jüd. Kreisen Würzburgs nichts, als höchstens die S ch u l e gefällt und zusagt. Das glaube ich Ihnen vom Herzen gerne. Was interessirt es Sie, daß in Würzburg alle jüdis ch enInstitutionen in musterhaftester Weise bestehen? Was interessirt es Sie, daß in Würzburg noch eine na*»», also eine heilbringende Pflanzstätte für rwvi nun besteht? Was interessirt es Sie , daß hier eine allgemein anerkannte israel. Lehrerbildungsanstalt besteht? Das sind alle keine Anziehungspunkte für Sie! Dieses Ihr Geständniß nehme ich als voll und wahr hin, und ist dieses auch überhaupt das einzig Wahre Ihres Herzensergusses! Die nun bei Ihnen wahrgenommene Liebe für unsere Schule und deren Leistungen anlangend, darauf diene Ihnen Folgendes: Wenn ich Ihren Gedanken richtig aufgefaßt, — und ich traue mir so viel Fassungsgabe zu — wollen Sie die Welt glauben machen, die orthodoxe Partei hier habe auSdenvonJhnen be zeichneten Motiven die Aufhebung der Schule gewünscht, beziehungsweise den Antrag herbei»geführt. Hiermit, Herr Correspondent, haben Sie das Möglichste an Bosheit und Verleumdung geleistet, was Ihnen gerne auch jeder hiesige Reformer bezeugen wird. Sie mußten als ein über Würzburger Verhältnisse von Würz» bürg aus Schreibender eS wohl wissen, daß der (inzwischen vom Antragsteller selbst wieder zurückgezogene) AufhebungSantrag von der ultra-reformistischsten Seite ausging, von einer Seite, die wahrlich rie der Hyperorthodoxie — wie Sie sich auszudrücken belieben — zu Gefallen Anträge stellt. Und Sie wußten das ganz wohl, und haben beflissentlich entstellt und gelogen, um schmähen zu können. Was nun den „orthodoxen Einfluß" auf die israel. Erziehungs-Anstalt von . früher und jetzt" betrifft, so sei Folgendes bemerkt: Diese Schule wurde vor mehr denn 20 Jahren durch die Bemühungen unseres hochverehrten Herrn Rabbiners in's Dasein gerufen, sowie auch später in sorgfältiger Weise immer weiter ausgebildet und erhalten, was demselben als Vorstand des Schulrathes um so leichter war. Die Leistungen der Schule in allen Beziehungen waren, so lange Herr Districts-Rabbiner Bamberg er der Schule Vorstand. stets ebenso vorzüglich gut. als sie es noch jetzt sind, was die staatlichen Prüfungen in unzweifelhaftester Weise conftatirten. Daß nun auch die hiesige Gemeinde ihre Leutchen hat, die alles Jüdische nur ungerne sehen, das brauche ich Ihnen, Herr Correspondent, nicht erst zu sagen. Nur war es manchem dieser Leute ein Dorn im Auge, daß ein für alle religiösen Angelegenheiten thätiger und hochbegeisterter Mann an der Spitze der Schube stehen solle, dazu kam noch die in anderen Krsisen an die Tagesordnung getretene Strömung, Öett Geistlichen die Schulaufsicht zu entziehen, und^> wurde vor einigen Jahren der Antrag gestellt, ü|ib — mit einer einzigen Stimme Majorität zupl Beschlüsse erhoben, daß der Rabbiner nicht rnrhr^ex officio Vorstand deS Schulrathes zu sein habe, ein Beschluß, den die hohen Behörden zwar nicht verhindern konnten, hingegen mit dem Ausdrucke des Bedauerns und dem Bemerken Hinnahmen, daß derselbe durchaus nicht zum Wohle der Schule gereichen werde. Darauf, Herr Correspondent, muß sich also Ihre Freude über das Scheiden „von Licht und Wetter" beschränken. Auf Ihre weiteren Expektorationen einzugehen, finde ich jedoch mehr als überflüssig, nachdem ich an Obigem mehr als zur Genüge gezeigt habe, daß nur sittliche Verkommenheit Ihnen die Fitzer geführt haben kann.