Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1878)
- Date
- 1878-07-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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685 i Ihnen, weither College und Freund, meinen innigsten Glückwunsch. meinen innigsten Dank! ES lebe unser Frankreich und seine würdigen Vertreter auf dem Kongreß. Darauf erhielt er umgehend Antwort: Weither Herr und College! Wie sehr ich auch in diesem Augenblicke von den Congreßarbeiten erdrückt bin, will ich eine Stunde säumen, Ihnen für Ihr Telegramm zu danken, das mir soeben zugegangen st und tief zu Herzen gesprochen hat. Indem wir vor dem Congresse die Sache der Israeliten in Rumänien, Serbien und Bulgarien vertheidigten und ausfochten, vertraten wir die Sache der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit und Civilisation. Wir thaten es mit dem Bewußtsein, eine Pflicht der Billigkeit zu erfüllen, zu welcher die Initiative zu ergreifen der Beruf unseres theuren Frankreichs, des Organs jeder liberalen und großmüthigen Sache war, und wir hatten das Glück, die Zustimmung und das einhellige Votum der Mitglieder des Congresses zu erwirken. Die Freiheit der Bekenntnisse, die Achtung vor allen Religionen, die Gleichheit der bürgerlichen uno staatsbürgerlichen Rechte ohne Unterschied des Glaubens, die Freiheit der Berufe, das sind große Principien, welche überall zur Geltung zu bringen uns am Herzen lag und zu deren Gunsten wir zu unserer Freude allgemeine Zustimmung fanden. Nochmals Dank, theurer und ehrwürdiger College, für Ihr herzliches Telegramm und seien Sie meiner Hochachtung und Ergebenheit versichert. Berlin. 2. Juli 1878. Saint-Vallier. Paris, 29. Juni. Das „Jomnal Officiel" veröffentlicht die Ernennungen des Kommandanten Mouchez zum Director der Pariser Sternwarte auf fünf Jahre an Stelle des verstorbenen Herrn Leverrier, sowie des Herrn Maurice Loewy zum Unter-Director derselben Anstalt. Feuilleton. Zustizpflege im vorigen Jahrhundert. Im Oktober 1734 gelangte an den Frankfurter Rath ein Schreiben des Herzogs Karl Alexander von Würtemberg *), welcher General-Feldmarschall des Kaisers und des schwäbischen Kreises war und 1) Es ist dies derselbe, dessen Minister der bekannte Süß Oppenheimer war. die am Rhein stehende Reichs-Armee commandirte. Dasselbe betraf den Langenselboldener Inden Amsel oder Angelo Marzia, welcher in des Herzogs Lager Zettel, durch die die kaiserlichen Husaren in ungarischer Sprache zur Desertion aufgefordert wurden, ausgestreut haben sollte, deshalb in Haft genommen worden war und in der Untersuchung ausgesagt hatte, ein Jude von Frankfurt Namens Beifuß habe ihm jene Zettel gegeben, um sie insgeheim den Soldaten miizutheilen. Das aus dem Hauptquartier Heidelberg abgeschickte und vom 27. Oktober 1734 datirte Schreiben des Herzogs2) lautete: „Unseren günstigen Gruß zuvor, veflc fürsichtig, ehrsamb und weise Liebe Besondere. Der wegen den bekanten Verbrechen dahier gefänglich stzzende Jud Angelo Marzia hat biÄhero zwar in seiner Aussage immerdar variirt, in dem mit ihme letzhin vorgenohmenen Oonstituto aber, sowohl wehrenden demselben angelegten gradu tortuae, alß auch nach der Hand in dem gütlichen examine freywillig bekennet, daß er das imputirte factum selbst begangen und hierzu durch den mittleren Sohn des aldort verstorbenen Indens Benedict Beyfuß durch Geschancknus hierzu verlaitet worden seye. Gleichwie nun sein des Angelo begangne Miffethat sehr exorbitant und von höchst nachtheiliger Folge sofort einer exemplarischen schwären Bestraffung allerdings würdig und, wan dessen Deposition wahrhafft, der denuucirte Coipplex eines gleichen Lasters und Straffe theilhafftig ist, alß schickuen wir nebst Ueberbringer dieses, den der General Auditoriats Ambts Substitution der Zeit supplirenden General Auditor Herrn Sperl, einen in dem gehaltenen Kriegs Recht mit gesessenen Hanbtmann Herr Feckler zu dem Ende aigenS dahin ab, auf daß dieselbe nach Inhalt des diesfahls geführten protocolli im Beyseyn eines ex Grernio Magistratus dazu beyzuordnenden Membris den angeklagten Beysusigen mittleren Sohn constituiren, ordentlich abhören und nach Befund deren Umbftänden solchen auch ad confrontandum hiehero zu lieferen suchen sollen. Wir referiren uns des mehreren auf obbesagte Deputirte, und versichern unß dahero von ihrem bekanten Justiz Eyfer, daß dieselbe hiezu willfährig concurriren und ihres Orths selbst zu Vertilg - und Ausrottung derley Bößwicht alles mitwürckhen werden. Womit wir ihnen mit günstiger Willenserweisung stätts willig und bereit verbleiben. Carl Alexander. M. p." 2) Welches nebst dem unten folgenden zweiten Schreiben zugleich ein interessantes Beispiel der damaligen Stilistik und Rechtschreibung ist.