Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1878)
- Date
- 1878-07-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Nagten frei, da jene Ausnahmebestimmung, insoweit sie die Selbstständigkeit des Gewerbebetriebes betrifft, durch § 41 der Reichsgewerbe-Ordnung aufgehoben worden sei. Frankfrrrt <*♦ M. Das Haus in der Judengasse, in welchem oie Wiege derer von Rothschild stand, gehört zu denjenigen, welche durch die Expropriation beseitigt werden sollen. Dieser Tage fand die Abschätzung dieses bereits durch Vermächtniß in den Besitz einer frommen israel. Stiftung übcrgegangenen Objektes statt. Dieselbe lautete auf ca. 13,100 M. Rußland. Nach Mittheilungen einiger Warschauer Blätter haben in diesen Tagen auch in den kleinen Städten Zdunska-Wola, Blaszki und Warta Judenhetzen stattgefunden. Dieselben nahmen. ihren Anfang in dem Fabriksorte Zdunska-Wola, wo die katholische Bevölkerung sich auf die durch den jüdischen Ritus vorgeschriebenen Abgrenzungsdrähte warf und dieselben muthwillig zerstörte.' Selbst' verständlich haben die Juden sich diesem Gewaltakte widersetzt. Cs kam zum Handgemenge, hierauf zu einer argen Schlägerei. Die ruhestörenden Katholiken hätten wohl den Kürzeren gezogen, wenn ihnen nicht Fabriksarbeiter zu Hilfe geeilt wären; so kam es aber zu einer Niederlage der Juden, welche den Kampfplatz verlassen mußten. Todesfälle sind hierbei nicht zu beklagen, wohl aber mitunter sehr bedenkliche Verletzungen. Gleichzeitig haben in Blaszki und Warta ähnliche Raufereien stattgefunden. Es ist eine gerichtliche Untersuchung im Zuge. Frankreich. Paris Monatsbericht (Juni) der Alliance Jsraelite Universelle: (Die Israeliten von Rumänien.) Die Jndependanza romana von Bukarest berichtet eine Thatfache, die noch einen Beweis mehr von der Gesinnung der Rumänen gegen die Israeliten liefert. Am 10/22. Mai c. wollte man in Bottuschan zu Ehren des H. regierenden Fürsten ein Banket veranstalten; man eröffnte zu diesem Zwecke eine Subscription und vergaß natürlich nicht, sich auch an die Juden zu wenden, die auf diesen Aufruf mit ebenso viel Liberalität als Patriotismus antworteten. Man dankte ihnen hierfür , indem man ste von dem Feste ausschloß. Drei derselben, die sich dennoch zur Theilnahme einfanden, erhielten keine Plätze und sahen sich in der Alternative, entweder stehen zu bleiben, oder fortzugehen; sie blieben und wurden sodann mißhandelt. (Die Israeliten der Türkei.) DaS Bezirks- Comitä von Constantinopel hat 1000 Israeliten von Rustfchuk. die nach Schumla geflohen waren, glücklich in ihre Heimath zurückgebracht. Diese Maßregel, die besonders von der in l-tzterer Stadt wüthenden Epidemie geboten war, hat 600 Pfd. trk. gekostet. Die Flüchtlinge sind nach zweitägiger Reise zu Wagen, gesund und wohlbehalten in Rustschuk angekommen und haben theils ihre Häuser wieder geöffnet, theils die beste Aufnahme bei den Türken gefunden, welche sie gastlich in ihren eigenen Wohnungen unterbrachten. Man hofft, daß sie ihren Lebensunterhalt sich werden erwerben können, aber man wird vielleicht noch einige Zeit die Unterstützungen an dieselben fortsetzen müssen. Es sind in Schumla uur noch 25 Familien geblieben . die gleichfalls nach ihrer Heimath zurückgeschickt werden sollen, sobald es ihr Gesundheitszustand gestatten wird. — Das Comito von Constantinopel hat außerdem zur Repatriirung von 89 Familien aus Sofia, welche sich in Salonichi befanden, Subventionen gegeben. Dasselbe hat von Neuem 350 Pfd. trk. nach Ädrianopel, 80 nach Philippopel, 50 nach Sofia, 20 nach Tatar-Bazardjik, 50 nach Vierzigkirchen und 50 nach Varna, zusammen 600 Pfd. trk. geschickt, wozu H. Baron v. Hirsch 450 Pfund beigetragen hat. 350 Israeliten aus Carlova, die nach Philippopel geflohen waren und sich hier im größten Elend befinden, haben an die Polizei-Direction dieser Stadt eine Bittschrift gerichtet, um etwas Getreide zum Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu erlangen. Der Beamte, unzweifelhaft ein Bulgare, wies nicht blos ihre Bitte ab, sondern gab ihnen auch den „Rath", nach der Türkei zu gehen und keine Hilfe von den Bulgaren zu erwarten. Paris. Herr Crömieux hat unter dem 1. Juli folgendes Telegramm an Herrn Waddington nach Berlin gerichtet: Der Präsident der Alliance Jsraelite Universelle spricht dem würdigen Vertreter des allerorten für die Emancipation wirkenden Frankreichs den innigsten Dank einer ungeheuren Bevölkerung aus. Die Verkündung der Freiheit, der Gleichberechtigung der Bekenntnisse, die Israeliten des Orients ihren Mitbürgern gleichgestellt — welch' neuer Ruhm für Frankreich, für Waddington in der Geschichte des 19. Jahrhunderts! Gleichzeitig telegraphirt der greise Volksmann an Herrn von Saint-Vallier, der, wie er, dem Senate angehört: