Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1878)
- Date
- 1878-07-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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681 ja auch nicht gesagt, daß Oppert gerade darauf besteht.Therese als Gattin zu erlangen .... er hat nur gesagt.er wolle in den Stand der Ehe treten, er hänge mit großer Liebe an mir und mein Haus, und — daß ihm beide meiner Töchter recht sehr gefielen — er wollte schließlich es mir überlassen, welche . . . „Der niederträchtige Schurke!" unterbrachen ihn die Frauen, diesmal in voller Uebereinstimmung Wie aus einem Munde. „Pot tom scolo!")" erscholl es jetzt im kräftigsten Basse durch das offene Fenster von der Straße herauf. „Eil" rief Tarnower erfreut, die unerquickliche Debatte abbrechen zu können, „schon Sman Mincha!") wie schnell die Zeit verlief!" und rasch die Haust eidung abwerfend und nach dem Hute greifend, eilte er der Synagoge zu. — Im Hausflur blieb er stehen und murmelte tief aufathmend leise vor sich hin ... . Ah! — das war eine böse, böse Stunde! die Erinnerung an den . . . . Lotteriegewinnst von zwölftausend Gulden!" — er lachte bitter, hohnvoll auf, — „war eine schreckliche .... sie hat mich zwar seit jenem entsetzlichen Tage nicht einen Moment verlassen; aber aus fremden Munde tönt's doch noch anders, noch grausiger als das Gedankenecho in der eigenen Brust .... ah! Fanni hat jene mit vollendeter Meisterschaft der Schilderung vor meine Seele geführt, — woher nahm das Weib die Kraft des Wortes? — oder hat es mich nur so erschüttert? — ah! — das war eine böse, böse Stunde .... aber Abraham Tarnower, gesteh' es Dir — sie war reichlich verdient! sei mir gnädig, El rachum wechanun!")" , N -H Viertes Kapitel. In dem dritten Stockwerke eines Hauses am Hahnpasse hatten sich am ersten SchowuoStage, vielleicht gleichzeitig mit Abraham Tarnower, zwei Frauen, Kele Liblitz und Wilhelmine Erdmann, zum Mittagstisch gesetzt, aber ihr für den hohen Festtag etwas allzubescheidenes Mahl hatte viel weniger Zeit in Anspruch genommen als die wohlbesetzte Tafel deS reichen Mannes. 45) böhmisch: Kommt in die Schule! In der Prager Judenstadt wurde bis zum Jahre 1848 in dieser Weise zum Gebet gerufen. Einige glauben, daß es eine Zeit gegeben habe, in welcher sich die Juden des Böhmischen als Umgangssprache bedienten, allein das erscheint kaum glaublich, wahrscheinlich hat man aus Rücksicht für die nichtjüdische Einwohnerschaft, die nicht deutsch verstand, die damalige Landessprache zum Schulrusen benützt. 46) Zeit des Nachmittaggebetes. 47) allerbarmender gnädiger Gott! Das Zimmer war hell, und trotz der offenbaren Aermlichkeit seiner Bewohner freundlich. Die Dielen waren rein gewaschen und zu Ehren des Festes mit duftenden Kräutern bestreut» und auch auf dem mit einem weißen Linnen bekleideten Tische stand in Ermangelung einer Vase in einem einfachen Wasserglase als Festschmuck ein bescheidenes Sträußchen. Die uralte Messinglampe, die für das niedrige Zimmer fast etwas zu tief herabhiug, war Erew Jomtow mit großer Sorgfalt geputzt worden, und als jetzt das schöne Sonnenlicht recht festfreudig in das ärmliche Stübchen fiel, da glitzerte und flimmerte es an der Lampe, daß man schier glauben konnte, sie wäre aus gediegenem Golde. Die Einrichtung war von der höchsten Einfachheit, rohe hölzerne Stühle, bloß ein alter, nicht zerrissener, aber häufig ausgebesserter Lehnstuhl für die alte Frau, zwei altmodische Schränke und zwei Betten, auf welchen uralte, bunte, verblaßte, sonst aber gut erhaltene Kattundecken lagen, vervollständigten das Ameublement; — aber auch das schärfste Auge hätte nirgend die Spur eines Stäubchens aufzufinden vermmoch. Wilhelmine Erdmann kennet« wir schon, sie war ein Mädchen in der Mitte der zwanzig und von impoyirender Schönheit. — Kel: Liblitz — nachdem Kaiser Josef die Einführung deutscher Namen bei den Juden befohlen, ward sie als Katharina Liblitz in die ConscriptionSlisten eingetragen — war eine nahezu achtzigjährige Frau, welche jetzt in ihrem hohen Alter schwach und kränklich und selbst in jeder Beziehung hilfsbedürftig. Wilhelmine Erdmannn, nach der Sprachweise der Welt, unter ihren Schutz genommen, das heißt mit ihr zusammen wohnte. Kele Liblitz war durch daS Alter zu einer kleinen magern Frau zusammengeschrumpft , aber auch an dieser Menschenruine erkannte man Spuren einstiger großer Schönheit. Die Bildung des gutmüthigen, wenn auch von Falten durchfurchten Gesichtes war eine edle, und namentlich die großen, schönen, klarblickenden, treuen, blauen Augen hatten der verwelkenden Greisin noch einen wunderbaren R st von Jugendschimmer erhalten. Kele Liblitz trug sich nach alter Mode. DaS ehrwürdige weiße Haar war, obwohl die beiden Frauen allein waren, doch sorgfältig von einer schwarzseidenen Unterhaube bedeckt, auf welcher eine reiche Haube48) saß. Sie trug ein schwerseidenes, kaffeebraunes Kleid — freilich neu war's nicht, sie hatte dasselbe schon vor sechzig Jahren als Braut unter der Chuppe") getragen. 48) Häubchen aus Goldbrokat, mit Spitzen besetzt. 49) Trauhimmel.