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Der Israelit · 1878-07-03 · Heft 27 (3.7.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 27 (3.7.1878)
Date
1878-07-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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657 gen, um ein Urtheil über das vorliegende Buch zu ermöglichen. Daß auch ein greiser, ernster Forscher den Wahngebilden der modernen jüdischen Wissenschaft einen Einfluß auf seine Forschungen gestattet und selbst einem Q3Q~i und insinuirt, sie hätten bei den von ihnen alS jüdisches Gesetz gelehrten Normen sich von localen und persönlichen Verhältnissen bestimmen lassen, erscheint unS als ein sehr bedenkliches Zeichen einer traurigen Verwirrung der Begriffe. — Wir denken unS nämlich den Verf., welchen wir sonst nicht zu kennen die Ehre haben, als das, wofür er sich gib t, als einen o-no '*■> pwn bw proio "pd^d. Die U’JDi mro, an welche sich der Verf. öfters belehrend wendet, könnten leicht von der im Ganzen und Großen sehr würdigen Haltung des > Buches verleitet, auch die gerügten, der thatsächlichen Wirklichkeit so wenig entsprechenden Unrichtigkeiten für baare Münze nehmen. Deswegen erscheint es geboten, öffentlich und eindringlich, daran zu erinnern, daß die Vorzüge der vorliegenden Arbeit durch seine Mängel resp. Auswüchse reichlich ausgewogen werden. E. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Pose«, 26. Juni. Die „Ostd. Ztg." meldet aus Kalisch vom 25. Juni: Die Revolte vom 23. Juni wurde durch Militär unterdrückt. Der Gouverneur erließ einen Tagesbefehl, wonach alle Läden an dem folgenden Tag geschloffen bleiben müßten und nur drei Menschen auf der Straße Zusammengehen dürfen. 80 Personen, darunter mehrere Geistliche, wurden verhaftet, 200 andere Personen zur Anzeige gebracht, welche Alle vor das sofort eingesetzte Kriegsgericht gestellt werden sollten. England. Lott-ott, 20. Juni. Eine von I. M. Montefiore, dem Präsidenten des Londoner Deputirten- Comitv der britischen Juden, und Henry de Worms, Präsidenten der Anglo - Jüdischen Associationen Unterzeichnete Denkschrift, wurde am 12. ds. an die Lords Beaconsfield und Salisbury, die britit scheu Bevollmächtigten beim Berliner Congreß abgefertigt, in welcher die Aufmerksamkeit derselben auf die dringende Nothwendigkeit den gemischten Bevölkerungen der verschiedenen europäischen Provinzen, welche früher unter türkischer Herrschaft oder Abhängkeit gestanden, eine vollständige Gleichheit vor dem Gesetz zu verschaffen, gelenkt wird. Die Denkschrift führt aus, daß in Folge der gänzlich unzulänglichen Bestimmungen des Pariser Vertrags von 1856 und der Pariser Convention von 1858, die Gleichstellung der jüdischen Bewohner Rumäniens ganz der Diskretion der rumänische» Kammern überlassen geblieben und daß zahlreiche Akte der Verfolgung stattgefunden haben, während die rumänischen Gesetze den größten Theil der eingeborenen Juden, 50,000 Seelen, als Ausländer betrachtet wissen wollen. Das Dokument gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es der englischen Regierung gelingen werde, die sociale „bürgerliche und politische Gleichberechtigung der verschiedenen orientalischen Nationalitäten, gleichviel welchem Glaubensbekenntniß sie angehören, definitiv durchzusetzen." Rußland. Knltsch, 23. Juni. Heute fand seitens der Katholiken der durch 8 Tage sich hier wiederholende . aus Anlaß des FrohnleichnamSfesteS von der Kirche vorgeschriebene Rundgang durch die Straßen von Kalisch statt. Zu diesem Zwecke waren an verschiedenen Ecken der Straßen Altäre errichtet. Einer dieser Altäre, so wurde fälschlich ausgesprochen , sei von einem hiesigen Israeliten zum Theil zerstört. Sofort stürzte sich aus der Masse der Prozession ein Theil der Katholiken auf die zufällig in der Nähe sich befindenden Israeliten und schlugen diese zu Boden. So war für die fanatische nach Tausenden zählende Volksmasse der Anfang zur Judenhetze gemacht. In nur wenigen Minuten hatte die Prozession sich aufgelöst, ein großer Theil strömte wie auf Commando instinktmäßig nach der Synagoge und in die übrigen Bethäuser, demolirte Altäre und Kanzel, riß das Allerheiligste und die Bundeslade auf, worin die Gesetzesrollen befindlich, und zerstörte letztere vollständig. Während dieser Vandalismus in de» Tempeln verübt wurde, geschah das Unerhörteste auf den Straßen. Mit Waffen verschiedener Art, Sensen und Dreschflegeln, die sich die Fanatiker in aller Eile beschaffen konnten, bewaffnet, drangen diese auf alle ihnen begegnenden unschuldigen Israeliten ein und machten sie unbarmherzig nieder. Zwölf Inden wurden in Folge dessen das Opfer dieses Fanatismus. Nun rettete sich Alles, was könnte, in die Häuser, verschloß, verrammelte und verbarrikadirte diese von allen Seiten. Wer nicht Zeit gewinnen konnte, die GeschäftSläden zu sichern, dem wurde ein nicht geringer Theil des Inhalts!!

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